Neuer „Cult“ für alte Kunst

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Herrn Niels ging nicht nur der Hut hoch...

Darmstadt/Münster ‐ Mit „Cult - Kunst der Leidenschaft“ zeige Da Capo die „neue Generation des Varietés“, tönte der Chef James „Jungeli“ Sperlich, seit fünf Jahren in Münster Auf der Beune mit seiner Entertainment GmbH beheimatet. Von Thomas Meier

Und der große Impresario, 43-jährige Tausendsassa, der Zirkusjunge, der es vom Clown über den Zirkusdirektor zum Varieté-Intendanten geschafft hat, versprach nicht zuviel: Auf Darmstadts Karolinenplatz begeisterten und verzauberten zur Premiere am Mittwochabend im ausverkauften Chapiteau knapp zwei Dutzend junger, unverbrauchter Künstler das Publikum, das sich nach knapp zweistündigem Programm mit lang anhaltendem, stehenden Beifall bedankte.

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Die neue Generation des Varietés

Im Laufe der Jahre ist das Da Capo-Varieté zu einem Fixpunkt im kulturellen Angebot der Heinerstadt geworden. Spielstätte war stets ein Zirkuszelt auf dem Karolinenplatz, doch erfuhr dieses einige Metamorphosen. Das von Jungeli „Dompalast“ genannte Ambiente füllt den knappen Raum für Akteure und rund 660 Zuschauer perfekt aus.

35 Lastkraftwagen mussten vom Firmensitz in Münster und etlichen weiteren Standorten aus anrücken, um in einer logistischen Meisterleistung innerhalb kürzester Zeit den Kuppelzelt-Palast im Herzen Darmstadts zu errichten.

„Cult“ steht für Kult, aber auch für cool.

Jungeli versprach nicht von ungefähr wieder Neues. Seine Show in Darmstadt ist 18 und somit erwachsen geworden. Nicht nur die Zeltstadt wuchs in den Jahren, auch das Programm und vor allem der Anspruch an dieses. Da Capo will auch fürderhin durch Exklusivität und Innovation glänzen. In diesem Jahr sorgt dafür eine bunte Truppe, überwiegend in Osteuropa rekrutiert, deren Mitglieder zum Zeitpunkt der Da Capo-Gründung noch in den Windeln lagen.

„Cult“ steht für Kult, aber auch für cool. Und die neue Varieté-Generation fegte in atemberaubenden Tempo viel frischen Wind produzierend über die Bühne. Für den nachhaltigen Donnerhall sorgte dabei das aus Kiew stammenden Musik-Quintett „Creative Fusion“. Wie Balalaika-Musik von Punks auf Rock interpretiert wird, ist hörens- und sehenswert.

Die mythische Schlangenfrau

Jungeli selbst tritt nur zur Begrüßung auf, auch führt der gelernte Clown nicht als Direktor durchs Programm wie in den Vorjahren: Die Weltklasse-Artisten bestreiten ihre Show von Anfang bis Ende als harmonisch eingespieltes Team selbst. Als rotes Band zieht sich die Beziehung der Geschlechter zumeist sehr sexy und freizügig durchs akrobatische Geschehen. Junge, athletische Künstler und ausdrucksstarke Tänzer zelebrieren die Kunst der Leidenschaft, und dank ihrer Jugend nimmt ihnen das auch jeder sogleich ab. Es ist bei „Cult“ nicht die einzelne Aufführung, die zählt, sondern das spritzig-freche Gesamtbild.

Durchs Programm tanzen Derwischen gleich Iana Zaiets und Andrii Matviienko als verbindendes Element zwischen den einzelnen Darbietungen. Und die Artisten flechten die beiden in ihre Nummern mit ein, wie beispielsweise Aleksey Egorov und Taras Hoy am Doppelschlappseil.

Künstler-Scouts angereist

Stanislaus Pryvalov glänzt bei seiner Strapatenkür mit faszinierender Luftakrobatik an seinen Bändern in der Zirkuskuppel, Partnerin Iana dabei nicht aus den Augen lassend. Und so geht es weiter mit Handstandequilibristik von Anastasia Lomachenko und Mykhailo Romanenko, der Jonglage von Viktor und Viktoria Kosnirov, waghalstiger Fahrradakrobatik mit den Gebrüdern Zheman oder Maryna Tkachenko und Oleksandr Krachun am Trapez. Fehlt noch die mystische Schlangenfrau vom überall in der Region hängenden Cult-Werbeplakat: Kontorsionistin Daria Shcherbyna.

Diese an der staatlichen Zirkusschule in Kiew ausgebildete Truppe wird auch nach dem Monat „Cult“ in Darmstadt mit den Musikern zusammen bleiben, wird von Jungeli Entertainment aus Münster gar nach Japan und in die USA weiter vermittelt. Schon zur Premiere waren die ersten Künstler-Scouts angereist, um Verträge für die kultige neue Show zu unterzeichnen, freut sich der heimische Impresario.

Termine und Zeiten bis 2. Januar in Darmstadt, Karolinenplatz: Montag bis Samstag, 20 Uhr, alle Sonntage sowie 25. und 26. Dezember 14 und 19 Uhr. Ruhetage am 24. Dezember und 1. Januar. Kartenreservierungen bei der Varieté-Kasse oder unter Telefon: 06151 6604880 sowie bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Mehr Infos auf der Homepage von DaCapo Varieté.

Nicht verpflichten lässt sich hingegen das Trio Tereshchenko. Der dreifache Rekordhalter im ukrainischen Buch der Rekorde und mehrfache Preisträger internationaler Circusfestivals ist mit seiner fliegenden Trapeznummer nach Darmstadt beim Zirkus Krone unter Vertrag.

Und die einzige deutsche Nummer geht nach dem 2. Januar, wenn die letzte Cult-Veranstaltung gelaufen sein wird, wieder im wahrsten Wortsinne eigene schräge Wege: Herr Niels. Er ist dann doch der herausragende Kontrapunkt im Programm, der optisch an Karl Valentin erinnernde Gummimann Niels Weberling. Angeblich macht er „Visual Comedy“, in Wirklichkeit aber ist das pantomimischer Klamauk auf höchstem Niveau. Solch einen schlaksigen Moon-Walk wie seinen gepaart mit dümmlich-wissendem Grinsen bekommt kein anderer hin.

Quelle: op-online.de

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