MGV sammelt für eine kostspielige Restaurierung

Neuer Glanz für alte Fahne kommt teuer

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Das gute Fahnentuch von 1870 wechselte bereits seinen letzten Aufbewahrungsplatz und stieg aus einem Münsterer Keller in die Restaurierungsräume von Ulrike Reichert in Köln auf.

Münster -  Sie ist wohl der älteste Vereinsgegenstand der Gemeinde und derzeit in bedauernswertem Zustand: die Vereinsfahne des Männergesangvereins. Sie soll aufwändig restauriert werden, weshalb die gesamte Bürgerschaft gefragt ist. Erste Spenden flossen bereits. Von Thomas Meier

Der traditionsreiche Männergesangverein 1845 Münster hat in jüngster Zeit eher durch Innovationen im Chorwesen und moderne Wege in der Vereinsführung auf sich aufmerksam gemacht, als durch alte Zöpfe. Doch stets haben die Verantwortlichen betont, dass man sich, trotz aller Moderne, als ältester Ortsverein Münsters aber auch immer der Tradition verpflichtet sehe. Jetzt soll ein Stück solcher Geschichte wiederbelebt und einer der ältesten Vereinsgegenstände in Münster zunächst restauriert und dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die MGV-Vereinsfahne von 1870 wird komplett aufgearbeitet.

Die Standarte der Männersänger ist laut Vereinsoberen wohl der älteste Vereinsgegenstand, der in Münster aufbewahrt wird. Die Fahne wurde am 17. Juli 1870 geweiht, 1910 erstmals restauriert und bis 1960 benutzt. Danach fristete das einst stolze Vereinssignet ein eher tristes Dasein in Kellern und Garagen, unbeachtet von jeder Öffentlichkeit. Das Jahr 1870 ist für Deutschland ein sehr geschichtsträchtiges und auch in Bezug auf die Fahne existiert dazu eine eigene Begebenheit: Am 17. Juli 1870, anlässlich des 25-jährigen Vereinsbestehens der Männersänger, wird unter Teilnahme von zwölf auswärtigen Vereinen die MGV-Vereinsfahne geweiht. Nach dem Weihelied und der Festrede durch Pfarrer Tillmann erscheint der Ortsdiener auf dem Münsterer Festplatz und teilt die Mobilmachungsbefehle an die anwesenden Wehrpflichtigen aus. Mit einem Schlag ist das Fest zu Ende. Das Großherzogtum Hessen-Darmstadt hatte am 16. Juli 1870, also nur einen Tag zuvor, die Mobilmachung für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 angeordnet.

Der MGV 1845 hat sich entschlossen, dieses historische Zeitzeugnis der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Dafür kamen zwei verschiedene Möglichkeiten in Frage: Renovierung oder Restaurierung. Bei einer kostengünstigeren Renovierung wäre das gesamte Trägermaterial der Fahne durch neues Tuch ersetzt und nur die Stickarbeiten ausgeschnitten und auf die neue Fahne übernommen worden. „Damit wäre praktisch auch eine neue Fahne entstanden“, sagt Lothar Pistauer vom Vereinsvorstand.

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Eine Restaurierung, für die man sich schließlich auch entschied, wurde von der Textilrestauratorin Ulrike Reichert aus Köln angeboten. Bei diesem Verfahren wird die Fahne in ihrer Substanz erhalten und so weit wie möglich wieder originalgetreu hergestellt. Ulrike Reichert ist seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig, arbeitet mit der Uni Bonn zusammen und ist hauptsächlich im kirchlichen Sektor tätig. Als Referenzen verweist sie auf Arbeiten in der Basilika Sant’ Ambrogio in Mailand und im Altenberger Dom im Bergischen Land. Die MGV-Verantwortlichen haben sich für die Restaurierung entschieden, um die historische Fahne möglichst original zu erhalten.

Doch das hat seinen Preis. Allein die Restaurierung der Vorderseite der Fahne kostet mehr als 7000 Euro. Dazu kommt noch eine Vitrine mit UV-undurchlässigem Glas, in der das restaurierte Glanzstück dann präsentiert werden soll. Die Rückseite wird in dem Zustand, in dem sie ist, konserviert, damit kein weiterer Verfall mehr eintritt. Der Zeitplan sieht vor, dass die Arbeiten am altehrwürdigen Tuch bis Ende 2019 abgeschlossen sind, damit die Fahne 2020 zu ihrem 150-jährigen Bestehen gezeigt werden kann. Pistauer sagt: „Über den passenden Ort wird noch nachgedacht.“

Einen großzügigen Beitrag zur Bezuschussung dieses ehrgeizigen Vorhabens hatte im Vorfeld bereits die Bürgerstiftung der Gemeinde Münster zugesichert. Und für die restliche Finanzierung der Restaurierungsarbeiten nebst Ausstellungsvitrine wurde ein eigenes Spendenkonto eingerichtet.

Quelle: op-online.de

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