Neuer Leerstand am Platz

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Für Hülya Lehr ist religiöse Kunst, wie die weiße Tara, ein Zeichen für das Miteinander der Kulturen. Mit ihrem Laden „Darmadi Arts“ am Rathausplatz indes ist Schluss.

Münster ‐ Gerade erst konnte die Lücke der geschlossenen Apotheke am Rathausplatz von einem neuen Geschäftsinhaber geschlossen werden, kündigt sich schon ein neuer Leerstand an. Hülya Lehrs Laden „Darmadi Arts“ direkt daneben gelegen schließt. Von Jasmin Frank

Immer wieder blieben Passanten stehen und schauten interessiert zum Schaufenster herein, zeigten auf ein Bild oder eine Figur und schauten ins kleine Lädchen am Rathausplatz, das den Betrachter in eine ferne Welt zu versetzten schien. Doch diesem beschaulichen Bestandteil der Geschäftswelt wird Ende Februar auch ein Ende gesetzt, denn die Betreiberin des interkulturellen Kunstladens hat sich neue Ziele gesteckt.

Begeisterung steht über Gewinn

„Ich habe Darmadi Arts ja nicht eröffnet, um damit viel Geld zu verdienen, sondern es war für mich eine Art Hobby. Mein ursprünglicher Beweggrund war, eine Galerie für Kunst aus verschiedenen Religionen, vor allem dem Islam und dem Buddhismus zu eröffnen und einfach deren Bilder und Skulpturen zu zeigen“, so die gelernte Bankkauffrau Lehr, die trotz ihres ursprünglichen Berufes die Begeisterung für eine Sache über den Gewinn stellt. Als sie nach dem ersten halben Jahr viel Zuspruch der Münsterer Bürger bekam, wagte sie einen großen Schritt und eröffnete einen richtigen Laden. „Ich wollte auch immer Aktionen anbieten und Kultur erlebbar machen. So hatte ich eine Ausstellung zu Kalligraphie mit einer Lesung im Programm“, erzählt die Wahl-Münsterin.

Ihr hatte vor Ort ein Beitrag zu interkulturellen Veranstaltungen gefehlt und da sie nichts von langen Diskussionen und Überlegungen hält, ergriff sie einfach selbst die Initiative. „Man muss eben etwas tun, denn wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, lautet ihr Motto. Lehr bemängelt, dass ihr von Seiten der Münsterer Gemeinde gerade zu Beginn ihrer Tätigkeit kaum Unterstützung entgegengebracht wurde. Für eine gemeinnützige Kulturveranstaltung hätte sie die Kulturhalle teuer mieten müssen, so dass sie nicht zustande kam. „In Dieburg und Eppertshausen musste ich solche Hürden nicht überwinden. Dort haben wir schon einen Vortragsabend über Bali veranstaltet, bei dem Tänzer auftraten. Und auch die Multivisionsshow über den Himalaja war ein großer Erfolg“, resümiert sie.

Engagement sozial und politisch

Mittlerweile zeige sich das hiesige Rathaus aber offener und im Herbst werde in der Kulturhalle ein Tanz der Derwische gezeigt. „Ich finde aber dennoch, dass sich der Bürgermeister mehr für seine Geschäftsleute einsetzen sollte. In meinem Laden war er in den vergangenen Jahren kein einziges Mal, hat trotz Einladung nie bei mir hereingeschaut. Dabei könnte er mit seiner Präsenz hier am Rathausplatz viel erreichen und die Einzelhändler motivieren“, moniert Lehr.

Weil die türkischstämmige Deutsche viele Interessen hat und sich sozial und politisch umfangreich engagiert, unter anderem in Menschenrechtsorganisationen und im Münsterer Ausländerbeirat, bleibt ihr kaum mehr Zeit für ihr Geschäft, was letztlich Hauptgrund für die Schließung des Kunstladens ist. Vor allen Dingen möchte sie mehr Zeit für ihre Familie haben.

Auch in der SPD ist die umtriebige Frau engagiert. Sie steht auf der Liste zur Kommunalwahl und meint: „Ich möchte, dass die Bürger wieder mehr Hoffnung in die Politik vor Ort setzen und wünsche mir, dass sich alle individuell beteiligen, denn man kann viel erreichen, gerade im kommunalen Bereich.“ Sie möchte vor allem die Lebensqualität in Münster erhalten und ausbauen, was zu mehr Glück der Menschen führe. So will sie etwas dagegen tun, dass immer mehr Einwohner von der Dieburger Tafel abhängig seien.

„Außerdem fände ich es gut, wenn es mehr Fahrradwege gäbe, die zudem gut beleuchtet sein sollten, damit auch Frauen sich im Dunkeln noch dorthin getrauen“, regt Lehr an. Sie sieht sich als Ansprechpartnerin für alle Bürger und hofft, als solche von den Menschen auch weiterhin gut angenommen zu werden.

Quelle: op-online.de

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