Ein Schauspiel ohne Inhalt

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Blieb inhaltlich vieles schuldig: Charles M. Huber (Mitte), hier mit Münsters Bürgermeister Walter Blank (links) und Münsters CDU-Vorsitzendem Marcel Wessendorf.

Münster - Charles Muhamed Huber, weniger künstlerisch eigentlich Karl-Heinz Huber, will politisch wirklich was bewegen. Von Jens Dörr

Als sich abzeichnete, dass es mit der Bundestags-Kandidatur für den Wahlkreis München-Ost nichts werden sollte, wechselte der 56-Jährige von der CSU zur CDU und fand in Südhessen eine neue Heimat. Genauer: im Wahlkreis 186, dem neben der Stadt Darmstadt und dem Westkreis Darmstadt-Dieburg auch Eppertshausen und Münster angehören. Die hiesigen Konservativen votierten im Herbst mit 94 Prozent für Huber, der fortan nach Seeheim-Jugenheim zog, nun durch den Wahlkreis tingelt und jetzt auch Gast des Neujahrsempfangs der CDU Münster war.

Allerdings: Weshalb die Christdemokraten Huber im Wahlkampf unterstützen und unsichere Wähler vom Theater-, Musical- und Seriendarsteller (zum Beispiel Henry Johnson in „Der Alte“) überzeugen sollten, blieb unklar. Zwar sollte Huber „nur“ ein Grußwort sprechen, denn Hauptredner vor rund 80 meist CDU-nahen Gästen war der Hessische Finanzminister Thomas Schäfer. Neugierig waren die Münsterer nichtsdestotrotz besonders auf den Kandidaten, der für sie am 22. September das Direktmandat gewinnen will.

Zumindest einige dürften enttäuscht gewesen sein: Huber kam praktisch ohne Themen aus, lieferte ein Schauspiel ohne Inhalt. Und das, obwohl sein „Grußwort“ dann doch zu einer 20-minütigen Ansprache geriet. In der wäre durchaus Platz gewesen für Antworten auf ganz fundamentale Fragen: Wieso ist der Promi der richtige Kandidat für den Wahlkreis 186? Was zeichnet den politischen Menschen Charles M. Huber aus? Welche Schwerpunkte würde er im Falle einer Wahl in den Bundestag setzen? Woran gilt es seiner Meinung nach im Wahlkreis – und in Münster –zu arbeiten? Wo lägen hierbei seine Einflussmöglichkeiten?

Nicht einmal ansatzweise schaffte Huber in dieser Hinsicht Klarheit. Stattdessen widmete er sich ein wenig der Volkstümelei, wurde nicht müde zu betonen, wie gut es Deutschland gehe und blickte zurück auf seinen ersten Besuch in Münster: „Der Friedhof hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mir aber noch kein Plätzchen reserviert, vorher muss ich noch eine Bundestagswahl gewinnen.“ Die Erkenntnis, dass sich Liebe und Disziplin in der Erziehung von Kindern nicht beißen müssten, „rundete“ einen Auftritt ab, den man nur mit sehr starker Parteibrille als gelungen bezeichnen konnte. Als Huber ein einziges Mal konkret wurde und von der Bedeutung des Frankfurter Flughafens als Arbeitgeber sprach, pickte er sich auch noch ein Beispiel von außerhalb des Wahlkreises heraus.

Das krasse Gegenteil stellte im Anschluss die fundierte Hauptrede von Finanzminister Schäfer dar. Der 46-Jährige widmete sich mit Ernsthaftigkeit und Präzision den Themen zumindest seines Ressorts, die vielen Menschen wichtig sind oder Sorgen machen: Fiskalpakt, Einkommens- und Unternehmenssteuern, verschuldete öffentliche Haushalte. Gerade bei letztgenanntem Thema spitzten auch Bürgermeister Walter Blank und die Vertreter des Gemeindeparlaments die Ohren. Schäfer sagte unumwunden: „Es ist gerade eine saublöde Zeit zur Schuldenreduzierung.“ Ihm machten indes nicht nur auf diversen Ebenen eingeführte Schuldenbremsen Hoffnung, sondern auch der Bewusstseinswandel bei den Bürgern: Die Verschuldung der öffentlichen Hand bewege längst auch sie und werde nicht mehr als allenfalls abstrakte Gefahr wahrgenommen.

Quelle: op-online.de

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