Münster

Von Neustart und Rückkehr

Nicht weniger als tragisch war die Geschichte, die sich im Frühjahr 2007 um Thomas Gruber und das Ende der 300-jährigen Familientradition auf der Thomashütte abspielte. Insolvenz, Kauf durch den Apfelweinkelterer Possmann, neuer Geschäftsführer, aus dem langjährigen Besitzer wurde ein Angestellter.

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Doch hat der mittlerweile 51-Jährige bei aller Enttäuschung nicht aufgegeben – ganz im Gegenteil: Nach einem Jahr Mitarbeit an alter Wirkungsstätte im Wald westlich von Eppertshausen stieg er zuletzt als Restaurantleiter des „Medikus“ in Groß-Umstadt erneut ins Gastronomiegeschäft ein. Neben dieser großen neuen Aufgabe liegt ihm aber nach wie vor die Natur, nicht nur rund um die Thomashütte und seine Eppertshäuser Heimat, am Herzen. Das beweist er mit einem neuen Projekt, das er in seiner Freizeit vorantreibt: Als seit 30 Jahren geschulter Baumwart kümmert sich Thomas Gruber um Streuobstbäume im ganzen Land und schneidet die Pflanzen auf Wunsch auch im jeweiligen Garten hinterm Haus. Auch, wer mehr wissen will, ist bei ihm richtig: In Kursen können sich Interessierte von dem Eppertshäuser in Geschichte und Schnitttechniken, Tipps und Tricks einweihen lassen – Anruf genügt.

Still und heimlich hat sich bei den Eppertshäuser Sozialdemokraten ein womöglich richtungsweisender Wechsel vollzogen: Beim Neujahrsempfang, zwischen Kandidaten für Landrat und Landtag überreichte Andreas Larem seinem Vorgänger als Chef der SPD-Fraktion im Ortsparlament drei Flaschen Wein – für jedes der drei Jahre, in denen Günter Schmitt dieses Amt inne hatte, eine. Dass sie (zumindest auf dem politischen Parkett) keine Freunde sind, ist hinlänglich bekannt; der ruhige, zurückhaltende Stil Schmitts hat mit dem nicht selten ungestümen, offensiveren von Andreas Larem nicht viel gemein. Seit der mit Bausch und Bogen verlorenen Kommunalwahl hatte sich an den beiden entlang ein Riss durch die ohnehin geschwächte Eppertshäuser Sozialdemokratie gezogen – dem einen wurde die Verantwortung für die Wahlniederlage angelastet, der andere konnte sich nicht als Erneuerer etablieren. Die Wahrnehmung der Partei blieb blass, es fand sich niemand, der gegen den scheinbar übermächtigen Rathauschef Helfmann in den Ring gestiegen wäre. Dieser interne Konflikt scheint sich nun durch die Rückkehr von Andreas Larem in ein Spitzenamt der Partei entschieden zu haben. Angesichts der gespannten Stille der vergangenen Monate und fehlender aussichtsreicher Alternativen dürfte Larems Rückkehr mehr Wind in die Arbeit der Eppertshäuser SPD bringen – doch kann der Wechsel an der Fraktionsspitze auf dem Weg, ein ernst zu nehmender Gegner für die selbstbewusste CDU samt ihrem Bürgermeister zu werden, nur ein erster Schritt gewesen sein. An Zuversicht mangelt es Andreas Larem augenscheinlich nicht: „Der Fraktionschef kann zum Bürgermeisterkandidat werden, muss aber nicht“, sagt er mit verschmitztem Lächeln. Das ist doch schon mal etwas.

Quelle: op-online.de

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