Hundeführerschein

Nicht immer beste Freunde

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Hundetrainerin Ann-Sophie Griebel setzt sich für einen Führerschein für Hundehalter ein. Ann-Sophie Griebel trainiert in ihrer Hundeschule vor allem Hunde aus zweiter Hand. Sie hilft, wenn es in der Beziehung zwischen Hund und Mensch Probleme gibt.

Münster - Ein harmonisches Zusammenleben zwischen Hund und Mensch kann funktionieren; nicht aber, wenn das Tier schlecht erzogen oder der Halter überfordert ist.  Von Fabian Sell 

Die hessische Tierschutzbeauftragte fordert daher einen Hundeführerschein – und bekommt Rückendeckung aus Münster. „Nach 18 Jahre Hundeschule erschreckt es mich, in welche Richtung das Ganze geht“, sagt Ann-Sophie Griebel, Inhaberin der Hundeschule Hunde-Alltag in Münster, und meint: Zunehmend würden Hunde wie Gegenstände gekauft. Viele Interessenten denken demnach nicht darüber nach, ob Hund und Mensch zusammenpassen. Denn eigentlich gebe es vor dem Kauf vieles zu überlegen: Etwa die Frage, ob sich das Tier in den Alltag integrieren lässt. „Heute sind viele Hunde den ganzen Tag alleine“, bedauert Griebel. Eine weitere wichtige Überlegung: Passt die Rasse zum Halter? Beispiel: Sportliche Exemplare wie etwa Hütehunde seien für unsportliche Personen nicht geeignet. Andernfalls sei es verständlich, dass Probleme entstehen – und etwa gefrustete Vierbeiner zuweilen Aggressionen entwickeln, die sich gegen Familienmitglieder oder Besucher richten.

Um Fälle wie diese zu vermeiden, setzt sich Ann-Sophie Griebel für den verpflichtenden Hundeführerschein ein. Darin müssen die Halter unter anderem eine Sachkundeprüfung absolvieren, um Grundwissen nachzuweisen. „Dann kann ich mir immer noch Gedanken machen, ob ich meinem Hund gerecht werden kann“, betont Griebel. Die Idee des Hundeführerscheins ist nicht neu: So bietet beispielsweise die Interessensgemeinschaft unabhängiger Hundeschulen (IG Hundeschulen), der auch die Hundeschule von Ann-Sophie Griebel angehört, bereits seit 2000 eine Hundeführerscheinprüfung an. Diese besteht zunächst aus einer Sachkundeprüfung, in der grundlegende Fragen über Erziehung, Kommunikation, Haltung und Recht beantworten werden müssen. Im Praxisteil indes wird das Zusammenspiel von Hund und Herrchen in freier Wildbahn getestet. Die IG Hundeschulen betonen: „Von einem wohlerzogenen, umwelt- und sozialsicherem Hund geht keine Gefahr für die Bevölkerung aus“. Damit das gelingt, muss der Besitzer auch in der Lage sein, unangemessenes Verhalten seines Hundes zu kontrollieren. Neben „Sitz“- und „Platz“-Übungen wird beim Praxistest somit etwa überprüft, ob mit dem Tier ein Restaurant betreten werden kann, ohne dass Menschen belästigt werden.

Eine einheitliche Prüfung erarbeiten

Das Engagement für den Hundeführerschein zieht weite Kreise: Erst im Dezember 2013 wurde der Dachverband für Haustierverhaltensberatung (DHVE) gegründet. Darin haben sich die IG Hundeschulen, der Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater und der Internationale Berufsverband der Hundetrainer zusammengeschlossen. Das derzeitige Ziel: Eine einheitliche Führerscheinprüfung zu erarbeiten und auch auf die Politik zuzugehen, um diese umzusetzen. Ann-Sophie Griebel ist im DHVE aktiv. „Wir sitzen in den letzten zwei Monaten fast jede Woche und machen eine Telefonkonferenz“, sagt sie mit Blick auf die laufende Erarbeitung des einheitlichen Sachkundenachweises. „Wir hatten über 300 Fragen zusammen, müssen das umstellen auf Multiple-Choice-Verfahren und dann das Beste raussuchen.“ Die Notwendigkeit, einen Hundeführerschein einzuführen, sieht auch die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin. „Ein Hundeführerschein bringt ein Mehr an Sicherheit für die Öffentlichkeit und die Tierheime werden entlastet“, bekräftigte Martin kürzlich ihre bereits vor zwei Jahren geäußerte Forderung.

Am besten wäre es, so Griebel, wenn der Sachkunde- nachweis bereits vor dem Kauf abgelegt werden müsse. Später, wenn der Hund sich eingelebt habe, könne dann eine Grunderziehung und daraufhin die Praxisprüfung folgen. Was passiert, wenn der Hundeführerschein in ganz Deutschland zur gesetzlichen Verpflichtung wird? Ann Sophie-Griebel hofft unter anderem, dass damit „den Welpenhändler auch mal ein Strich durch die Rechnung gemacht wird.“ Denn es gebe viele unseriöse Händler, die in Deutschland sehr präsent seien. Dieser Verkauf könne jedoch abnehmen, wenn zukünftige Halter überhaupt eine Idee davon kriegen, worauf beim Hundekauf zu achten ist.

Quelle: op-online.de

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