Nur der Kiebitz mag die Nilgans

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Die Nilgans macht sich im Naturschutzgebiet Auf dem Sand nicht nur im Luftraum breit. Was für die Enten eine Plage ist, ist für den Kiebitz Segen.

Münster/Eppertshausen - Überall, wo es Wasser auf dem afrikanischen Kontinent gibt, ist die Nilgans vertreten. Und überall, wo es sich zwischen Münster, Eppertshausen und Babenhausen gut ein Nest bauen lässt, ebenfalls. Von Thomas Meier

Der hübsch anzusehende Exot ist mittlerweile heimisch im Revier, und laut Dr. Wolfgang Heimer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis, ist die Zeit für Maßnahmen gegen solche Okkupation bereits abgelaufen.

Mehr als 1000 Tierarten sind bereits nach Deutschland eingewandert, die wenigsten davon sind gern gesehen. Das Umweltbundesamt ließ ein Gutachten über die Invasion neuer Arten in Deutschland erstellen. Unter den zehn erfolgreichsten Eindringlingen liegt die Nilgans auf Platz sieben. Doch Ökologen warnen vor Schwarzmalerei. Und so beobachtete Dr. Heimer in Münster beispielsweise am Naturschutzgebiet Auf dem Sand, in dem sich viele Nilgans-Brutpaare tummeln und der Graugans schon lange die besten Plätze streitig machen, dass hier auch wieder der Kiebitz heimisch wird. Kiebitze brüten am Boden. Dort sucht der Fuchs sein Fressen, und Kiebitzgelege gehören zu seinen Leckereien, weshalb diese Vögel Territorien meiden, in denen Meister Reinecke regiert.

Fuchs hat nichts mehr zu lachen

Doch diese Regentschaft hört auf, wo sich Nilgans-Kolonien niederlassen. Hier hat der Fuchs nichts mehr zu lachen, er ergreift vielmehr angesichts der aggressiven Mi-granten das Hasenpanier. „Die afrikanische Nilgans ist in Deutschland häufiger vertreten als bisher angenommen“, erklärt auch der Deutsche Jagdschutzverband (DJV). „Diese Arten breiten sich stärker aus, als prognostiziert wurde“, so DJV-Sprecher Torsten Reinwald. Der Verband warnt, dass mit der Verbreitung der anspruchslosen Exoten heimische Spezialisten verdrängt werden.

Eine Nilgans sitzt in der Nisthilfe auf dem Mast, den der OWK Eppertshausens dem Wappenvogel der Gemeinde gewidmet hat. Hier hat Meister Adebar verloren.

Man kann es an den Hergershäuser Wiesen und auf den Äckern zwischen Eppertshausen und Münster trefflich beobachten: Nilgänse sind während der Brutzeit streng besitzergreifend und dulden keine anderen größeren Vögel in ihrem Revier. Nicht nur Enten- und Gänsevögel werden brutal verdrängt, auch die viel größeren Störche etwa haben keine Chance gegen die Aggressoren. Schon im Januar dieses Jahr zählte der Naturschutzbund Münster neben 200 Grau- und 60 Kanada- rund 70 Nilgänse bei Altheim.

Bezüglich der Nistplatzwahl sehr flexibel

Und diese sind bezüglich ihrer Nistplatzwahl sehr flexibel. Nester werden im Röhricht und gelegentlich auch zwischen Felsgestein errichtet. Nilgänse nutzen außerdem auch Baumhöhlen. Sie errichten daher ihre Nester bis in einer Höhe von 20 Metern über dem Erdboden. Der vom OWK in Eppertshausen für den Orts-Wappenvogel Storch zwischen Münster und Eppertshausen errichtete rund acht Meter hohe Mast mit Nesthilfe liegt somit viel zu nah am Aktionsradius der Afrika-Gans: Keine Chance auf Nestbau für Adebar. Hierzulande brütende Nilgänse nehmen auch Greifvogelhorste und Krähennester als Niststandort an, wissen die Experten vom Nabu.

Ökosysteme seien niemals stabil, sondern Prozesse in der Zeit, sagen die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde. Solche Veränderungen sind daher grundsätzlich Teil, nicht Schädigung des Systems und zeigen dessen Funktionsfähigkeit.

Quelle: op-online.de

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