Neue Betriebsgenehmigung für eine Kita im Ex-Jugendzentrum

Den Notstand überbrücken

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Das Außengelände der neuen Kita bedarf noch einiger Arbeiten. Einige Apfelbäume wurden bereits gefällt, die in ihrer Standfestigkeit fragwürdig waren. Jetzt fehlen Spielgeräte.

Münster - 28 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren gehen seit 1. September in die „Kita an der Gersprenz“, wie seit 1. August das ehemalige Jugendzentrum heißt. Von Thomas Meier 

Nachdem die Kita Im Rüssel nach ihrer langen Zwangsumsiedlung wieder zurück ins sanierte Heim ziehen konnte, investierte die Gemeinde nochmals 100.000 Euro, um im ehemaligen Betriebsgebäude Kinder betreuen zu können. Weitere 90.000 Euro folgen. Die neu eröffnete Kita an der Gersprenz ist ein Provisorium, für das es eine Betriebsgenehmigung bis 2020 von Kreisjugendamt, dem auch die Heimaufsicht obliegt, gibt. Betrieben wird der Kindergarten für über Dreijährige von der „Awo-Familiy gGmbH“. Deren Geschäftsführer Markus Hennemann, Kitaleiterin Jacqueline Kaltenmorgen, Bürgermeister Gerald Frank und Detlev Pröve, Leiter der Kinder- und Jugendförderung der Gemeinde Münster, gewährten unserer Zeitung bei einem Rundgang durch das alte Haus mit wechselhafter Geschichte an der Bahnhofstraße Einblicke.

Konzipiert ist die Notlösung für zwei Gruppen mit jeweils 25 Kindern. Eine Halbtagsgruppe ist bereits mit 18 Kindern besetzt, zehn Kids werden den ganzen Tag betreut. Bis April/Mai, so schätzt Hennemann, sei der maximale Stand von 50 Kindern erreicht, für den fünf Vollzeitstellen geschaffen wurden.

Im Bewegungsraum gleich hinterm Eingang der Kita an der Gersprenz ist immer was los. Doch dienen die Räumlichkeiten im ehemaligen Elima-Betriebsgebäude nur der Überbrückung, bis neue Kindergärten in der Gemeinde gebaut worden sind.

Kommt man von der Munastraße in der Bahnhofstraße dem ehemaligen Elima-Betriebsgebäude näher, so prangt noch immer das Kürzel „Juz“ auf dem Graffiti überm Eingang. Nähert man sich von der neuen Brücke, fallen eine alte Wippe, eine kleine Plastikrutsche und Baumstümpfe ins Auge, die auf dem großen Freigelände am Kindergarten sehr verloren aussehen. Solange die Brückenbauarbeiten währten, konnte noch kein neuer Zaun errichtet werden, der mit genau 11.200 Euro zu Buche schlägt, wie Bürgermeister Frank zu berichten weiß. Noch grenzt ein Behelfszaun das Areal ein, der vor allem zur Gersprenz hin bereits für den Rüssel-Kindergarten unabdingbar war. Doch schon ist ein Teilbereich mit dem neuen, dunkelgrünen Drahtwerk eingezäunt. Und wenn der erst einmal fertig ist, kommen auch die neuen Außenspielzeuge auf die Anlage. Rutsche und Wippe sind Hinterlassenschaften der Rüssel-Kids, die bereits mit neuen Gerätschaften ausgestattet wurden.

Kommt man in die neue Kita, steht man gleich mitten im turbulenten Geschehen, denn hinterm Eingang ist gleich der große, hohe „Bewegungsraum“. Eine Turnhalle für Kleine, im wahrsten Sinne. Hier gibt es schon neues Spielzeug. Dem Bewegungszentrum gliedern sich Teamraum, Büro und Gruppenecken an, zwei Gruppenräume sind im Obergeschoss installiert. Sie wurden vor der Neueröffnung mit einer Akustikdecke versehen, einer Auflage vom Amt, denn zuvor war es zu laut. Auch das Bistro, in dem Essen vom Caterer serviert wird, profitierte von der Maßnahme. Ein Gruppenraum dient derzeit den kreativen Beschäftigungen, der andere dem Spielen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Auch wenn Hennemann die Vorzüge der „bewegungsorientierten und naturnahen Einrichtung“ mit fußläufiger Nähe zum Münsterer Freizeitzentrum preist, so relativiert bereits Leiterin Kaltenbach etwas die Lage: „Für die Kinder ist das hier okay. Eltern schauen beim Betreten erst mal skeptisch, doch nach einem ausführlichen Rundgang sehen sie es auch optimistisch.“ Und Pröve bringt es auf den Punkt: „Freilich gibt es Vorbehalte gegen das Gebäude und seine Lage. Wir tragen hier aber dem Bedarf nach Betreuungsplätzen in Münster Rechnung. Es ist und muss eine Übergangslösung bleiben.“ Bürgermeister Frank: „Es bot sich an, die Investitionen ins Notquartier der Kita Rüssel weiter zu nutzen.“ Er erinnert, dass kein Tag der Betreuung während der Rüssel-Evakuierung ausfallen musste.

Pröve und Frank machen deutlich, dass man mit der Juz-Variante dem Rechtsanspruch nach Betreuungsplätzen in Münster Rechnung trägt. Pröve: „Jahrzehntelang wurde dem wachsenden Bedarf an Kitaplätzen in der Gemeinde nicht Rechnung getragen. Wir müssen nun den Notstand überbrücken.“ Bis Ende der Legislaturperiode werde es wohl dauern, Münster kitaplatztechnisch bedarfsgerecht auszubauen.

Quelle: op-online.de

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