CDU für Oberstufenplan

Münster ‐ Als „beträchtlichen Schönheitsfehler“ des neuen Schulentwicklungsplans (SEP) hat es die FDP in der Kreistagssitzung bezeichnet, an der Schule auf der Aue in Münster in näherer Zukunft unter Umständen eine Gymnasiale Oberstufe einzurichten. Von Jens Dörr

Dennoch waren die Liberalen unter den 69 Abgeordneten, die in der Sitzung für den SEP stimmten. Einzig die beiden Abgeordneten der Fraktion Linke/DKP stimmten gegen den Plan. Die Aue-Schule spielte für die ablehnende Haltung von Walter Busch-Hübenbecker und Werner Bischoff allerdi7ngs keine Rolle, ganz anders als die von Schuldezernent Christel Fleischmann angestrebte Fusion der Bachgauschule und der Joachim-Schumann-Schule in Babenhausen (wir berichteten).

Babenhausen bestimmte zwar die Redebeiträge vor der Abstimmung, FDP-Sprecherin Sigrid-Inge Slabon jedoch vergaß auch die Münsterer Pläne nicht, die durchaus früher als die Babenhäuser Absichten Wirklichkeit werden könnten. Hinter die Sinnhaftigkeit einer Münsterer Oberstufe setzte Slabon „ein großes Fragezeichen“.

Schulleiterin Sabine Behling-Schmidt hält die eigene Oberstufe bei einer entsprechenden Schülerzahl für richtig, was die Gemeinden Münster und Eppertshausen genauso sehen. Aue-Schüler müssten nach der Mittelstufe dann nicht an die Dieburger Alfred-Delp-Schule wechseln, um dort ihr Abitur zu machen. Die Aue-Schule zählt zu den Verbundschulen der Delp-Schule – die meisten Aue-Schüler gehen also dort auf die Oberstufe und erhalten in Dieburg auch garantiert einen Platz.

Für die CDU sprach Karin Neipp vom „Problemfeld Schule auf der Aue“. Das meinte Neipp inhaltlich aber anders als Slabon: Nicht nur die Option auf eine zeitnahe Einrichtung einer Oberstufe – es wäre die zehnte im Landkreis Darmstadt-Dieburg - solle im SEP festgehalten werden. Vielmehr müssten auch die baulichen Voraussetzungen festgelegt und benötigte Mittel eingeplant werden. „Es ist wichtig, diese im Schulentwicklungsplan niederzuschreiben, denn nicht nur die Erhebung der Schülerzahlen ist notwendig, sondern auch deren zeitnahe Umsetzung“, trug Neipp vor. Dass das geschehen sei, schreibt sich die Kreis-CDU als Erfolg auf ihre Fahnen. Entscheidend für die Haltung der Fraktion seien die Aussagen der Schule und der Gemeinde Münster gewesen.

Neipp blickte in diesem Zusammenhang außerdem über die Grenze der Gersprenz-Kommune hinaus: Wenn die Aue-Schüler zwecks Abitur in Münster blieben und nicht auf die Alfred-Delp-Schule nach Dieburg gingen, entstünde dort eine „natürliche Reduzierung“ der Schülerzahl.

Renate Stiebing, Leiterin der Delp-Schule, hatte gegenüber unserer Zeitung vom riesigen und steigenden Interesse von jungen Menschen aus dem ganzen Ostkreis und sogar aus Bayern berichtet, in Dieburg Abitur zu machen. Zugleich aber wollte Schuldezernent Fleischmann weniger als 700 Schüler an die Delp-Schule lassen, rund 225 pro Jahrgang.

Aktuell hat die Schule 800 Schüler. Mit dem SEP wurde nun eine Deckelung bei 750 Schülern verabschiedet, womit Stiebing nach eigenen Worten gut leben kann. Wegfallende Münsterer Schüler könnte sie mit anderen Interessenten kompensieren. „Da immer noch der Plan besteht, eine eigene Oberstufe in Münster zu errichten, haben wir uns vorsorgend noch zusätzlich für andere Schüler geöffnet, um bei einem plötzlichen Wegfall weiterhin eine hohe Schülerzahl aufzuweisen und unser vielfältiges Kursangebot aufrecht erhalten zu können“, so Stiebing.

Eins ist klar: Bei einer – 2008 bereits schon einmal abgelehnten – Einführung einer Oberstufe in Münster hätte dort jeder Jahrgang deutlich weniger Schüler aufzuweisen als in Dieburg, vermutlich (ohne Doppeljahrgang) um die 120. So könnte es passieren, dass exotische Leistungskurse wie Informatik oder katholische Religion in Münster nicht angeboten werden können.

Das entscheidet letztlich aber die Schwerpunktwahl der angehenden Abiturienten.

Quelle: op-online.de

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