Doch das Vieh steht weiter im verkoteten Unterstand

Ortslandwirt in Altheim zwangsgeräumt

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Die Rinder, die vergangenen Woche noch auf der verschlammten Wiese standen, sind jetzt bei ihren Artgenossen im Unterstand. An ihrer bedauernswerten Lage änderte sich nichts.

Altheim - Der erbarmungswürdige Zustand des Altheimer Bauernhofs und das Leid der dort in verkoteten Ställen stehenden, dürren Rinder schlägt Wellen. Nicht nur in der Redaktion und auf unserer Facebookseite meldeten sich zahlreiche Leser. Von Thomas Meier 

Bei Kreisbehörden, vor allem im Veterinäramt, gab es Anrufe und E-Mails wegen des unhaltbaren Zustands des Bauernhofes, auf dem ausgemagertes Vieh auf Schlammwiesen vegetiert. Am Montag soll der Landwirt nach Informationen des Landkreises zwangsgeräumt worden sein. Die Rinder standen gestern freilich immer noch in ihrer luftigen Behausung. Auch wenn einiges in Bewegung kommt: Den Rindern ist damit noch nicht gedient. Sie gehörten nicht zur Masse der Zwangsversteigerung, sind immer noch dem von Haus und Hof zwangsgeräumten Bauern. In Absprache mit dem neuen Hofbesitzer kümmere sich der Altbauer weiterhin um sein Vieh, versichert das Kreisamt.

Diverse Tierschutzorganisationen hakten umgehend nach Erscheinen des Artikels über das dürre Vieh in verkoteten Ställen am vergangenen Donnerstag nach. Sowohl die Tierfreunde Dieburg als auch Mitstreiter von PETA Deutschland fragten sich und uns, wie so etwas über so langen Zeitraum geschehen könne. Seit Jahren werden gegen den Bauern, der auch Ortslandwirt für Münster, Altheim und Eppertshausen ist, Bußgelder verhängt. Und auch eine Zwangsversteigerung im April schaffte bislang keine Abhilfe. Doch nun bewegt sich einiges: „Das Veterinäramt ist weiter an dem Fall dran“, heißt es auf Nachfrage von der Kreispressestelle, und ja, es hätten sich erneut Bürger beim Amt wegen der Missstände gemeldet.

Auch Kreislandwirt Karlheinz Rück aus Roßdorf erhielt noch am Tag des Erscheinens unseres Berichts Kenntnis der Lage. „Es kann nicht sein, dass unser Berufsstand wegen eines schwarzen Schafes in Misskredit kommt“, erklärte er. Er habe von Kollegen bereits in der Vergangenheit zugetragen bekommen, dass es mit dem Altheimer Hof seit längerem nicht mehr gut bestellt sei. Auf Nachfragen bei den Kreisbehörden habe er gesagt bekommen, dass Maßnahmen gegen den Landwirt eingeleitet worden seien. „Wir sind davon ausgegangen, dass alles wieder in geordnete Bahnen kommt“, sagte Rück.

Wie werde ich Tierwirt/in?

Ortslandwirte werden vom Gebietsagrarausschuss des Kreises benannt. Und zwar auf Vorschlag und Wahl der Landwirte. Der Altheimer Bauer trägt diesen Titel seit 2004. Alle sechs Jahre werden die Ortslandwirte bestimmt. Vor einem Jahr bestätigte der Ausschuss auch den da schon lange auffälligen Ortslandwirt in seinem Amt. Damit ist nun aber wohl bald Schluss. Die Abberufung als Ortslandwirt steht auf der Tagesordnung für die nächste Sitzung im Februar. „Die Bestellung eines neuen Ortslandwirts wird sich vermutlich bis Mitte nächsten Jahres hinziehen“, hieß es gestern aus dem Landratsamt.

Unter denen, die sich jüngst beim Kreis in dieser Sache meldeten, war auch Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann. Allerdings weniger, weil seine Gemeinde betroffen ist, „denn mit Manfred Beckmann als Stellvertreter des Altheimer Ortslandwirtes sind wir seit Jahren sehr zufrieden.“ Beckmann sei verwurzelt im Ort, als einziger Haupterwerbslandwirt der kompetenteste und von den Nebenerwerbslandwirten stets anerkannt und im Stellvertreteramt vorgeschlagen. Zudem sei er in der Jagdgenossenschaft. Wielange die Rinder der Rasse „Blond d‘Aquitaine“ noch im eigenen Dreck stehen müssen, war auf Nachfrage nicht zu erfahren. Wir werden es sehen.

Quelle: op-online.de

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