Saatkrähen-Kolonie verhindert Fällung

Die Pappeln bleiben vorerst stehen

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Zwei der Bäume mussten bereits gefällt werden.

Münster - Sie gelten als nicht standortgerecht, die zwölf Pappeln am Wirtschaftsweg Auf dem Sand zwischen Münster und Altheim.

Manchen Naturliebhabern gelten sie aber auch als landschaftsbildprägend, und so wird ihre vom Münsterer Gemeindevorstand vorgeschlagene Fällung unterschiedlich beurteilt. Eine von amtlichen Naturschützern in den Baumkronen der doch sehr hohen Baumriesen entdeckte Saatkrähenkolonie sorgt nun dafür, dass vorerst ohnehin keine neuen Fakten geschaffen werden können.

Die Bäume waren jetzt Thema im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss. Dort trug Baumgutachter Andreas Klein eine Untersuchung seines Kollegen Udo Reubold vor, der im Nachbarstädtchen Dieburg schon umstrittene „Todesurteile“ über Linden gesprochen hat. Der Gemeindevorstand sah sich zur Beauftragung dieses Gutachtens durch einen starken Sturm im Juni 2013 veranlasst, der einen der einst 14 Bäume auf natürliche Weise gefällt hat. Ein weiterer Baum musste wegen akuter Umsturzgefahr beseitigt werden, so dass sich der Bestand auf die aktuelle apostolische Zahl von einem Dutzend reduziert hat.

Standfestigkeit nicht gewährleistet

Eine Kolonie Saatkrähen schützt die Pappeln.

Tenor des Gutachtens: Die Standfestigkeit der annähernd 40 Meter hohen Bäume ist nicht gewährleistet. Deshalb müssten sie aus Verkehrssicherungsgründen auf etwa 25 Meter eingestutzt werden, um den Winddruck zu reduzieren, und die Pflegemaßnahmen wären etwa spätestens alle fünf Jahre zu wiederholen.

Eine Garantie für den sicheren Fortbestand der Bäume wäre das wohl freilich auch nicht, denn gutachterlich ist auch Fäulnis in den Stämmen festgestellt worden, und ganz generell diagnostizierte Klein einen Mangel an Standfestigkeit, weil die Pappeln am Rand eines Entwässerungsgrabens stehen und auf dieser Seite keine richtigen Haltewurzeln ausgebildet haben. Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht sei der Erhalt der Bäume nicht zu empfehlen, besser sei ihre Beseitigung und eine Neupflanzung. Zur Wahl des Ersatzes äußerte sich Klein nicht.

Der Sitzung wohnten etliche Anwohner des Wegs „Auf dem Sand“ bei, an dessen Ende sich ein saisonal stark frequentierter Spargelhof befindet. Wie aus ihren Reaktionen abzulesen war, bewegt sie vor allem der schlechte Zustand des Wegs, der auch durch die Baumwurzeln geschädigt ist. Ein kurzer Disput entwickelte sich per Zwischenruf zum Alter der Pappeln. Während der Gutachter die Pflanzung zwischen 1918 und 1935 vermutet, versicherte eine Anwohnerin, die Bäume seien mit der Anlage des Wegs in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gesetzt worden.

Wie Münsters Bürgermeister Walter Blank in der Sitzung des Umweltausschusses mitteilte, wird jetzt nach einer Lösung für das Saatkrähen-Problem gesucht. Der örtliche Nabu sei dabei mit eingeschaltet.

sr

Quelle: op-online.de

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