Gemeinde stellt Naturschutz zurück

Gefahr im Verzug: Pappeln ohne Erlaubnis gefällt

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Vier Pappeln aus dem Dutzend im Naturschutzgebiet fielen heute Morgen den Sägen zum Opfer. Starkast–Ausbrüche machte ein Gutachter am Freitagnachmittag vor Ort aus, Gefahr war im Verzug. Der Weg wurde am Wochenende gesperrt.

Münster - Ohne Einverständnis der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises und gegen die Empfehlung der übergeordneten Behörde ließ die Gemeinde nach einem für Freitag anberaumten Ortstermin aller Beteiligten übers Wochenende Fakten schaffen und die Pappeln im Naturschutzgebiet Auf dem Sand abholzen. Von Thomas Meier

Zumindest erst einmal vier vom Dutzend, doch solle „der Rest bald folgen“, wie Bürgermeister Walter Blank auf Nachfrage äußerte. „Die Pappeln wurden wohl aus Gründen der Gefahrenabwehr ohne unser Einverständnis gefällt. Das weitere Vorgehen ist noch offen“, erklärte hierzu heute Nachmittag die Pressestelle des Landkreises.

Das Einverständnis versagte die Naturschützbehörde der Gemeinde, weil die Baumkronen Saatkrähen als Brutstätten dienen. Noch in der jüngsten Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses wurde den vom Gemeindevorstand zur Fällung empfohlenen Pappeln im Naturschutzgebiet Auf dem Sand eine Gnadenfrist gewährt. Eine von Naturschützern in den Baumkronen entdeckte Saatkrähenkolonie sorgte dafür, dass vorerst keine neuen Fakten geschaffen werden durften. Doch die Galgenfrist währte nicht lange. Montagmorgen fielen die ersten vier der annähernd 40 Meter hohen, das Landschaftsbild prägenden Bäume. Laut Bürgermeister Blank sei am Freitagnachmittag der Gutachter aus Eschborn mit Gemeindevertretern vor Ort gewesen. Dessen Kollege hatte noch eine Woche zuvor im Ausschuss Rede und Antwort gestanden.

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Gefährlich schien zu diesem Zeitpunkt die Situation wohl nicht. Anders am Freitagnachmittag. Da habe, so Bürgermeister Blank, der Gutachter „neue Starkast-Ausbrüche“ festgestellt. Gefahr sei im Verzug gewesen, umgehend habe man deshalb den Weg gesperrt. Es sei zwar richtig, dass Bäume in Naturschutzgebieten, auf denen sich noch dazu Vogelkolonien angesiedelt hätten, nicht gefällt werden sollten. Doch wenn Gefahr im Verzuge sei, müsse man eben abwägen zwischen der Sicherheit für Menschen und Belangen des Naturschutzes. Der Gemeindevorstand stehe voll hinter der Fällung, und „die Kreisbehörden werden deshalb nicht gegen uns vorgehen“, war sich Blank gestern Morgen noch sicher. Die Antwort aus dem Kreis hierzu steht noch aus. 

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Quelle: op-online.de

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