Drinnen Feier, draußen Parknotstand

Hochzeit verstopft Industriegebiet

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Wochentags wirkt das Industriegebiet Altheims fast schon verwaist, viel freier Parkraum allenthalben.

Altheim - Wer glaubt, Altheim sei nur ein kleiner, gemütlich-beschaulicher Ort fernab von Großstadtproblemen wie etwa Lärm oder Parkplatznotstand, der hat den Ortsteil Münsters noch nicht Samstagabends im Industriegebiet aufgesucht. Von Thomas Meier

Wobei dem Wort Suche beim Begriff Industrie besondere Bedeutung beigemessen werden sollte, denn eine solche existiert nur rudimentär im Ort und auch einzig in der kurzen Sackgasse mit Namen „Im Industriegebiet“. Doch eben inmitten dieses kleinen Areals mit gewerblicher Nutzung steht seit etlichen Jahren ein „Düjün Salonu“, ein türkischer Hochzeitssaal. Und durch ihn gibt es für die direkten (wenigen) Nachbarn in Zeiten wochenendlichen Hochbetriebs Stress. Nicht regelmäßig, aber in letzter Zeit immer öfter, wie die Anlieger unserer Zeitung ihr Leid klagen.

„Ich kam am Samstagabend nicht mehr auf mein Grundstück, so zugeparkt war die Straße. Und weil ich mit meinem Lkw mit Hänger vorfuhr, kam ich auch fast nicht mehr heraus“, erzählt Gerald Friedrich, Chef eines gleichnamigen Messebauunternehmens mit Sitz „Im Industriegebiet 5“. Hunderte Autos seien beidseitig der Straße „wild“ abgestellt worden, obwohl die gegenüber der bebauten Lage gelegene Straßenseite seit Jahren mit einem Halteverbot ausgeschildert sei. „Eben weil die Gasse zu klein für ein beidseitiges Parken ist und es schon Probleme gab, als im jetzigen Saunabatrieb in Haus Nummer 9 einst noch ein Hotel untergebracht war.“

Einsatzfahrzeuge haben keine Chance

Der „Hochzeitssaal“ war einmal ein Bürogebäude und wurde bis 1994 von einem Unternehmen aus der Computer- und Softwarebranche als Domizil genutzt. Nach dessen Auszug stand es lange Zeit leer. Seit etwa acht Jahren dienen die Räumlichkeiten mit großem Versammlungsraum als „Düjün Salonu“, wie es auf Transparenten unter roten Rosen weithin sichtbar in Richtung B 26 am Hause prangt.

Gerald Friedrich, der sein Unternehmen stetig ausbaute, wohnte einst mit seiner Frau selbst elf Jahre in einem Haus auf seinem Grundstück, zog aber vor einigen Jahren aus, weil es ihm vor allem an den Wochenenden „zu unruhig“ geworden sei. Das könne man ja in solch einem Gebiet noch hinnehmen, doch nicht hinnehmbar seien gefahrbringende Momente wie am vergangenen Wochenende. Wenn es mal brenne, komme kein Einsatzfahrzeug mehr zum Unglücksort, so zugeparkt sei alles, sagt der Messebauer, der viel am Wochenende arbeiten und auf sein Grundstück gelangen muss.

Wochentags wirkt das Industriegebiet Altheims fast schon verwaist, viel freier Parkraum allenthalben.

Ihm pflichtet Peter Willweber von der benachbarten Spielhalle im Industriegebiet bei. „Das Schlimme ist, wenn wir uns über die Zustände beklagen, ist nie jemand greifbar. Ist ja Wochenende. Die Polizei erklärt, rufen wir sie mal an, man habe gerade kein Fahrzeug frei. Und das Ordnungsamt der Gemeinde hat am Wochenende zu.“

Zu ihm kommen die Gäste türkischer Hochzeiten gern vorbei, um Zigaretten zu ziehen, seit ein Zigarettenautomat vom Aufsteller am Haus der Hochzeiten wegen oftmaliger Demolierung abgebaut worden sei. „Meine Gäste beschweren sich dann, wenn in meinen Kisten nichts mehr drin ist“, sagt Willweber. Auf seine Parkplätze vor der Spielhalle müsse er am Wochenende auch „höllisch aufpassen“, damit sie nicht von den Gästen der feiernden Nachbarschaft zugeparkt würden. „Obwohl, mir hat man auch schon Geld geboten für einen Stellplatz...“

Trockene Wochenenden am schlimmsten

Auf der Gemeindeverwaltung ist das Problem bekannt. Norbert Schewe, 1. Beigeordneter und derzeit Urlaubsvertretung von Bürgermeister Walter Blank, sagt, man könne nicht ständig die Situation an den Wochenenden überwachen. Und auch die Anlieger räumen ein, es sei ja nicht jedes Wochenende so katastrophal wie das vergangene. Aber so brandgefährlich dürfe es eben generell nicht werden können.

Besonders schlimm seien warme, trockene Wochenenden, wenn sich die Feiern gern nach außen verlagerten. Da könne es auch schon mal sein, das spielende Kinder beim Saunabetreiber vorbeischauten, um zu gucken, was denn da so abgehe, erklären die Genervten.

Nicht, dass sie etwas gegen Feiern von Hochzeiten hätten, nur seien die im Industriegebiet eben manchmal für die Räumlichkeiten völlig überdimensioniert. „Da kommen viel zu viele Autos mit zu vielen Leuten aus aller Welt angereist,“ sind sich die Kritiker sicher. Und wenn man dann auf die Feiernden zuginge, versicherten die freilich immer sofort Besserung, „Aber die, die wir ansprechen, feiern einmal im Leben hier, haben dafür viel Geld bezahlt und kommen danach nie wieder.“ Echte Ansprechpartner gebe es für sie nicht, sagen Friedrich und Willweber.

Vom Kreisbauamt, der Genehmigungsbehörde, war zu erfahren, dass 480 Personen (plus Bedienungen, Küchenpersonal etc.) im Salonu feiern dürfen. Die Zahl der Stellplätze richte sich nach der zugelassenen Besucherzahl: 96. Und die seien auch nachgewiesen.

Quelle: op-online.de

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