Patronen aller Welt liegen im Flussbett

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Mit der Tiefensonde werden die Patronen im Flussbett geortet und dann vom Bagger freigelegt.

Münster - Uwe Radzuweit und Daniel Panktke brauchen nicht lange hinter ihrer Ortungssonde durch den knietiefen Matsch zu waten, da fiept das Gerät auch schon hochfrequent und die Anzeigenadel schlägt aus wie wild: Bingo! Hier liegt Metall im Erdreich. Von Thomas Meier

Hochexplosives dazu, denn die beiden Männer sind im Auftrag des Kampfmittelräumdienstes im Flussbett der Gersprenz unterwegs. Seit gestern Morgen suchen sie nahe der L 3995, dort, wo das Fließgewässer derzeit renaturiert wird, nach alter Munition. Lange brauchen sie dazu nicht, denn das am Wochenende von den Bauarbeitern zur Seite geräumte Erdreich aus der Mitte der Gersprenz steckt voller alter Gewehrpatronen. Dort, wo schon bald eine Fischtreppe auf ein noch zu verlegendes Fundament gebaut werden soll, lagern seit Jahrzehnten Kampfmittel. Doch auch wenn die Experten der beauftragten Firma OBK aus Angermünde mit Sitz in der „Straße des Friedens“ mit Infanteriemunition rechneten, so wurden sie dennoch von dem Fund überrascht: Nicht nur aus deutscher und US-amerikanischer Produktion stammen die aufgeklesenen Patronen, sondern auch aus . italienischer, französischer und belgischer Fabrikation.

Militärische Altlasten in ganz Deutschland

„Wir wissen schon länger, dass in der Muna auch Beutemunition in Mengen gelagert wurde“, erklärt Uwe Radzuweit, der für seine Firma schon etliche Aufträge in der räumlich nicht weit entfernt gelegenen ehemaligen Muna mit erledigte. Das Kürzel seiner im Landkreis Uckermark beheimateten Firma steht für das „Orten und Bergen von Kampfmitteln“. In Deutschland sind auch heute noch unzählige Liegenschaften mit militärischen Altlasten aus den beiden Weltkriegen und sonstigen militärischen Nutzungen kontaminiert. Der Trupp aus Mecklenburg-Vorpommern kommt weit herum im Land.

„Die in Böden und auch hier im Gewässer verborgenen Kampfmittel beinhalten noch immer ein erhebliches Gefährdungspotential“, weiß Radzuweit, der mit seinen Kollegen stets äußerst behutsam zu Werke geht. „Die Patronen sind zum Teil in erstaunlich gutem Zustand. Würde man sie in ein Gewehr stecken, sie funktionierten einwandfrei“, weiß er. Freilich ist auch ein Gutteil korrodiert, doch stellt die multinational hergestellte Munition im Kaliber 6,5 oder 7,62 ein erhebliches Gefährdungspotenzial dar. „Keinesfalls gehört so etwas in Kinderhände“, sagt auch Daniel Pantke, der die Fundstücke respektvoll in den Plastikeimer legt.

Etwa eine Woche werden die beiden Kamfmittelräumer an der kontaminierten Gersprenz verbringen, so der Plan. Weil aber niemand wirklich weiß, auf was noch alles man im Flüsschen stoßen kann, sind solche Pläne schnell mal umgeworfen.

Quelle: op-online.de

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