Einst den Messdienern vorbehalten

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Mit einem Pfarrer in der Mitte ließen sich diese Münsterer Pfadfinder in den 30er Jahren fotografieren. Sie waren der Vorläufer zur Gründung der DPSG Münster 1973. 

Münster - Wer war Robert Baden-Powell? Käme die Frage in einem Quiz, wäre es für alle Pfadfinder ein Leichtes, sie zu beantworten: Der britische General führte 1907 das erste experimentelle Pfadfinderlager auf einer Insel durch. Von Michael Just

Aus dessen Erfahrungen entwickelte er die Prinzipien der Pfadfinderbewegung in seinem 1908 erschienenen Buch „Scouting for Boys“, das bis heute ein wichtiges Grundlagenwerk für die Pfadfinderarbeit ist. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts breitete sich die Pfadfinderbewegung auf der ganzen Welt aus. Sie wurde schon nach wenigen Jahren in drei Altersstufen gegliedert, um altersgerechte Lern- und Erlebnisräume zu schaffen.

In Münster bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) ist Baden-Powell natürlich ebenfalls ein Begriff. Die DPSG ist ein katholischer Pfadfinderverband und der größte in Deutschland.

In Münster kann der Stamm nun sein 40-jähriges Bestehen feiern. Daran wird 2013 mit gleich mehreren Feierlichkeiten erinnert. Los geht es an diesem Sonntag (27.) um 11 Uhr mit einem Treffen aller Ehemaligen in der Aula im katholischen Pfarrzentrum.

Die Initiative zur Gründung der DPSG in Münster ging vom damaligen Kaplan Klaus Denner aus. Reiner Schadt, Wolfgang Huther, Peter Danz, Waltraud Schneider und Heribert Ohin waren die Betreuer der ersten Stunde. „Eigentlich ist die DPSG in Münster noch älter“, weiß Hans Dieter Schneider (53), der damals 13 Jahre alt war und zu den Pfandfindern der ersten Stunde gehörte. So gab es bereits von 1933 bis ´38 eine Gruppe, die dann von den Nazis verboten wurde. Nach dem Krieg startete ein zweiter Versuch, der aber nicht von langer Dauer war. Auf der Neugründung vom 27. Januar 1973 beruht das anstehende Jubiläum.

Gruppenbild mit Pfadfinderin: An engagierten Mitgliedern mangelt es der DPSG nicht. Das aktuelle Bild zeigt den Vorstand, die Gruppenleiter sowie die freien Mitarbeiter.

Vor vier Jahrzehnten zählte der Stamm mit seinen zwei Gruppen rund 40 junge Menschen. „Der Zulauf war groß. Schließlich gab es kein Internet, kein Handy und nur drei TV-Programme“, erinnert sich Schneider. Waren die Pfadfinder zu Beginn nach englischem Vorbild zunächst ein reiner Jungenclub, kamen später auch Mädchen hinzu. Zu jener Zeit war es eine Voraussetzung, dass nur Messdiener Pfadfinder werden konnten. Damit wollte man dafür Sorge tragen, dass es stets genügend Messdiener gibt. Diese Zugangsvoraussetzung existiert heute nicht mehr. Dennoch ist es kein Nachteil, Ministrant zu sein, denn die DPSG ist christlich geprägt. So hängt ein Kruzifix im Gruppenraum und auch Gottesdienste werden vorbereitet. Das Pfadfindergebet vor dem Essen ist obligatorisch. Längst ist es normal, dass Protestanten dazugehören. Derzeit zählt die DPSG Münster 70 Mitglieder.

Wer heute glaubt, dass das Pfadfindertum ein Relikt vergangener Tage ist, irrt. So müssen regelmäßig auch Vorurteile aufgeklärt werden: „Wir wollen nicht in die Steinzeit zurück. Und wir sitzen nicht im Wald und versuchen, mit einem Feuerstein ein Lagerfeuer anzuzünden“, erzählt Pressesprecherin Judith Kleinheinz (19), die sich auch als Gruppenleiterin engagiert. Schon von Kindesbeinen an ist sie durch ihren Vater bei der DPSG dabei.

Und wie verhält es sich mit Vorsatz „Jeden Tag eine gute Tat“? „An dem ist ein Fünkchen Wahrheit dran“, sagt Kleinheinz und gibt zu verstehen, dass man die Umsetzung zumindest versuchen sollte. Heute hat die Münsterin ihr Soll bereits erfüllt: „Ich habe meine Oma besucht und mit ihr gegessen und geredet.“

Die Pfadfinder wollen in und über die Natur lernen. Dabei wird mit Karte und Kompass gearbeitet, auch Knoten werden noch gelehrt. Die Kleinsten lernen das meiste spielerisch, wobei eine Schnitzeljagd natürlich nicht fehlen darf. Auf gleicher Ebene steht das Ziel, die jungen Menschen so vorzubereiten, dass sie in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen können. Selbstständigkeit und kritisches Denken sind gefragt. Dafür gibt es Jahresaktionen wie Kampf gegen Kinderarmut oder der verantwortungsvolle Umgang mit den neuen Medien. „Findet eine Umstufung statt, ist es die Aufgabe der Älteren, die Jüngeren einzugliedern“, erzählt Kleinheinz.

Die Gemeinschaft wird mit Grillnachmittagen, eintägigen Stammesausflügen oder den großen, zweiwöchigen Zeltlagern gefördert. Dabei ging es schon an die Mecklenburgische Seenplatte oder an die Mosel. Im Zeltlager wird sich selbst verpflegt und es warten viele Begegnungen und Abenteuer.

Ob das zweiwöchige Lagerleben nicht auch einen Lagerkoller mit sich bringt, geht die Frage an die junge Pressesprecherin. „Das kommt manchmal, aber insgesamt doch eher selten vor“, lautet ihre Antwort. Viel öfter sei es der Fall, dass vor der Heimfahrt das große Bedauern aufkommt, dass nun schon wieder alles vorbei ist.

Quelle: op-online.de

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