Philosophen aus dem Schokofluss

Theaterwoche für Grundschüler

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Eine Zusammenstellung aus Pantomime, wenigen Dialogen und kurzen Einspielfilmen: Die Drittklässler experimentierten mit ihren Darstellungsformen.

Altheim - Flugzeugingenieur, Fußballspieler und Paläontologin: Die Schüler aus den dritten Klassen der Altheimer Regenbogen- und der Dieburger Gutenbergschule wissen schon ganz genau, was sie einmal werden wollen. Von Ellen Jöckel

Über Zukunft, Gegenwart und Ursprung des Seins haben die rund 60 Grundschüler in einer Projektwoche mit Theaterpädagogen des Frankfurter Kindertheaters Grüne Soße nachgedacht und darstellerisch experimentiert. Als Grundlage diente der Titel „Himmel und Meer“, eine Inszenierung der Grünen Soße, welche die Drittklässler zuvor in der Münsterer Kulturhalle gesehen hatten.

Das Theaterprojekt fand nun im Rahmen einer Kooperation zwischen der internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche (ASSITEJ), dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie dem Kultusministerium statt. Das Projekt trug den Titel Flux.

Woher wissen wir, dass wir leben?

Am Ende der Theaterprojektwoche führten die Grundschüler den anderen Klassen der Regenbogenschule, Lehrern und Eltern in einer Zusammenstellung aus Pantomime, wenigen Dialogen und kurzen Einspielfilmen vor, mit welchen Fragen und Themen sie sich während der Theaterprojektwoche beschäftigt hatten.

„Als wir uns am Anfang der Woche mit den Schülern über das Stück ‘Himmel und Meer’ unterhalten haben, kamen schon viele sehr philosophische Fragen“, berichtet Friederike Schreiber vom Theater Grüne Soße. Woher wissen wir, dass wir leben? Woher komme ich? Oder: Wohin werde ich geboren?

Die Kinder interessieren sich für philosophische Themen

Die Schüler lernten ihre Eigenheiten durch das gegenseitige Präsentieren kennen.

„Die Kinder hatten große Lust, über diese philosophischen Themen ausführlich zu reden“, sagte Santo Pedilarco, der seit elf Jahren als Theaterpädagoge und Schauspieler bei der Grünen Soße arbeitet. Schwierig sei es dann nur, dies auch szenisch festzuhalten. „Zu Erinnerungsfragmenten aus dem Theaterstück haben wir Übungen gemacht. Die Kinder haben diese mit einem Satz, einem Geräusch oder einer Bewegung dargestellt“, schilderte Pedilarco.

Was sich zu Beginn eher auf der oberflächlichen Ebene abspielte, entwickelte sich dann nach und nach in die Tiefe. So sei es bei den Fragen „Was unterscheidet uns voneinander und was haben wir gemeinsam?“ zunächst bei Äußerlichkeiten wie Haarfarbe, Kleidung oder Körperteilen geblieben. „Durch das gemeinsame Schauspielern und gegenseitige Präsentieren haben die Kinder dann immer mehr Eigenschaften an sich entdeckt, die sich von dem Partner unterscheiden“, sagte Pedilarco.

„Anstrengender als eine Woche normale Schule“

 Beim Theaterspielen lernten die Kinder sowohl sich selbst darzustellen und verständlich auszudrücken, als auch aufmerksam abzuwarten, bis sie an der Reihe waren. Außerdem mussten sie lernen, sich mit den anderen abzustimmen. „Das war eine echte Herausforderung. Es war anstrengender als eine Woche normale Schule“, resümiert Helga Blitz, die Schulleiterin der Regenbogenschule. Blitz machte als Lehrerin einer dritten Klasse die gesamte Theaterwoche mit.

Gemeinsam mit ihren Kollegen Boris Seipel von der Gutenbergschule und Karina Burger von der Regenbogenschule wurde sie von den Fachleuten Schreiber und Pedilarco theaterpädagogisch geschult, um den Nachwuchs bei der Suche nach Antworten auf ihre Fragen zu unterstützen und sie dazu zu bringen, für sich eigene Lösungen zu finden.

„Aus dem Schokoladenfluss“

Selbstbewusst wurden diese dann bei der Präsentation vor dem Publikum vertreten: So hatten die Kinder auf die Frage, woher man komme, schnelle Antworten parat: „Aus dem Schokoladenfluss“, „Aus dem Bus“ oder „Aus dem Nichts“.

In kindlicher Logik wurde jemand, der aus dem Nichts kommt, in die Wüste hinein geboren. Am Ende wusste aber jeder der 60 Jungdarsteller, dass er lebt, weil „ich sitzen, schwimmen und denken kann“. Das Leben zu spüren, bekamen die kleinen Philosophen dann so richtig beim tosenden Applaus nach der gelungenen Aufführung.

Quelle: op-online.de

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