Pilotprojekt mit Münster, Bensheim und Otzberg

Ortskerne vor Verfall bewahren

+
Nicht überall präsentiert sich Münsters alter Ortskern so hübsch wie am Brunnen in der Bachgass’. Aber diese Ecke könnte als Vorbild angestrebter Entwicklung dienen.

Münster - Historische Ortskerne vor dem Verfall bewahren und ihnen mit intelligenten Nachnutzungskonzepten wieder neues Leben einhauchen: Das ist das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Forschungsprojekts „Aktivierung von Flächenpotenzialen für eine Siedlungsentwicklung nach innen – Beteiligung und Mobilisierung durch Visualisierung“ (AktVIS), das bald in Münster sowie in den Kommunen Otzberg und Bensheim startet.

In Münster steht beim Pilotprojekt die Altstadt zwischen Hintergasse und Austraße im Fokus. Eigentümer, Anwohner und engagierte Bürger sind eingeladen, ihre Ideen beizusteuern. Historische Ortskerne weisen häufig erhebliche gebäudestrukturelle Defizite auf, die einen Verkauf erschweren. So entsprechen die Gebäude weder aktuell nachgefragten Wohnungszuschnitten noch heutigen energetischen Standards. Auch finden sich auf den für eine zeitgemäße Bebauung häufig unzweckmäßig geschnittenen Grundstücken oft Nebengebäude, zumeist aus ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzung.

Tragfähige Nachnutzungskonzepte sind daher erforderlich, um vorhandene Gebäudeleerstände zu beseitigen oder möglichst ganz zu vermeiden. Diese können aber nur gemeinsam mit den Immobilieneigentümern entwickelt und umgesetzt werden. Hier setzt das Projekt „Aktivierung von Flächenpotenzialen für eine Siedlungsentwicklung nach innen – Beteiligung und Mobilisierung durch Visualisierung“ (AktVIS) an. Ins Leben gerufen wurde es von der Stadt Bensheim, und den Gemeinden Münster und Otzberg mit Unterstützung der Technischen Universität Darmstadt (Fachgebiet Landmanagement) sowie des Fraunhofer Instituts für graphische Datenverarbeitung Darmstadt. Gefördert wird die Initiative zu 100 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Zuge der Forschungsinitiative „Kommunen innovativ“.

Die Forschungspartner werden in den nächsten beiden Jahren gemeinsam neue Ansätze entwickeln, mit denen mögliche Entwicklungsszenarien für historische Ortskerne der lokalen Politik, Bürgern und Immobilieneigentümern plastisch vermittelt werden können – durch moderne Visualisierungsmöglichkeiten, zum Beispiel 3-D-Stadtpläne. In Bürgerworkshops haben die Einwohner die Möglichkeit, Ideen beizusteuern.

Die Hintergasse durchzieht in Ringform das dörfliche Quartier, das im Laufe der Jahrhunderte wuchs.

In Münster steht das Areal im Bereich rund um Hintergasse über die Dammstraße sowie die Frankfurter Straße bis hin zur Austraße im Fokus. Ziel ist es, die Attraktivität dieses Quartiers zu steigern – in enger Zusammenarbeit mit Eigentümern und Anwohnern sowie weiteren engagierten Bürgern. „Ich freue mich schon darauf, gemeinsam mit den Bürgern an einer zukunftsorientierten Entwicklung unserer Altstadt zu arbeiten“, sagt Münsters Bürgermeister Gerald Frank. AktVIS böte die Chance, „die Stadtentwicklung unserer Gemeinde aktiv mitzugestalten – und wir brauchen die Expertise unserer Bewohner, um Konzepte für unseren alten Ortskern zu entwickeln und ihn fit für die Zukunft zu machen.“ Bereits jetzt erarbeitet das Regionalmanagement der lokalen Aktionsgruppe des Landkreises Darmstadt-Dieburg eine Potenzialanalyse, aus der Leerstände und Entwicklungsmöglichkeiten im alten Ortskern unter die Lupe genommen werden. Eine gute Grundlage für die konzeptionelle Arbeit im Projekt.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Es sollen mögliche Alternativen einer Entwicklung des vorhandenen Ortskerns hin zu einem wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltigen neuen Zustand aufgezeigt werden. Daher werden die Visualisierungskomponenten durch baurechtliche Vorprüfungen und einfache Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen ergänzt, um möglichst frühzeitig den Immobilieneigentümern die erforderliche Planungssicherheit zu geben.

Das Projekt wird anhand je eines Beispielgebietes in jeder der drei beteiligten Gemeinden gemeinsam mit den dortigen Immobilieneigentümern erprobt und die dabei gewonnenen Erkenntnisse bei der Weiterentwicklung berücksichtigt. Die Ergebnisse werden über das Regionalmanagement der lokalen Arbeitsgrupe Darmstadt-Dieburg sowie das Kompetenzzentrum Innenentwicklung an der TU Darmstadt anderen Gemeinden zur Verfügung gestellt. - tm

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare