Premiere an der Orgel in Zeiten heulender Sirenen

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Zehn Pfarrer und 33 Kapläne hat Richard Schadt kommen und gehen sehen – die Diözese Mainz hat ihn für 60 Jahre Orgelbegleitung in Kirche und Friedhofskapelle geehrt.

Münster - Mitten im Krieg, im November 1942 saß er zum ersten Mal an der Orgel der katholischen Pfarrei St. Michael in Münster, beim Großen Gebet – Organist Richard Schadt. Von Friedel Seib

Seine musikalischen Qualitäten hatte Rektor Josef Stumm, der dieses Amt damals inne hatte, bereits früh erkannt: Als Schadts Orgellehrer hat er seine Erfahrungen mit dem Kircheninstrument weitergereicht – der Drittklässler von damals sollte später sein Nachfolger werden.

Fliegeralarm am Vormittag war damals an der Tagesordnung“, erzählt der 79-Jährige. „Wir mussten in der Schule bleiben.“ Mit gerade einmal 13 Jahren hat er sich dann der Orgel in der gegenüber gelegenen Kirche angenommen.

Seitdem ist viel Zeit vergangen – zehn Pfarrer und 33 Kapläne hat Richard Schaft seitdem kommen und wieder gehen sehen. Eine besondere Ehre wurde ihm aus Mainz zuteil: Die Diözese zeichnete ihn für 60 Jahre Orgelbegleitung in Kirche und Friedhofskapelle mit einer Verdienstplakette aus.

Gerne erzählt Richard Schadt aus der Zeit der 50er Jahre, in der er zusammen mit Bruder Karl und anderen Musikbegeisterten mit der Kapelle „Tom“ den Raum Darmstadt bespielte. „Damals sind wir einmal spät von einer Musikveranstaltung nach Hause gekommen“, erzählt der Orgelspieler. „Das Requiem war um 6.30 Uhr am nächsten Morgen angesagt.“ Pfarrer Georg Barth habe sich gewundert, warum die Orgel stumm blieb. „Immer wieder schaute er Richtung Empore, bis er dann nach oben gekommen ist“, erinnert sich Schadt. „Dort habe ich seelenruhig auf der Orgelbank geschlafen.“

Der gelernte Bankkaufmann übernahm zusammen mit Bruder Theo im Jahr 1960 den elterlichen Autobetrieb. 1994 schied Richard Schadt aus der Firma aus; der Sohn von Bruder Theo wurde der Nachfolger. Der Pensionär ist immer noch an der Orgel aktiv; zusammen mit Ehefrau Maria wohnt er mitten in Münster. Sohn Rainer, ebenfalls im Dienst der Katholischen Kirche, ist Monsignore in Glücksburg und Militärdekan bei der Marine. Am 25. Dezember wird gefeiert im Hause Schadt: Dann steht der 80. Geburtstag an.

Quelle: op-online.de

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