Streit um türkische Tochter

Innerfamiliäre Messerstecherei

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Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage geplant.

Darmstadt/Münster - Türkische Familien sind bekannt für ihre zahlenmäßige Größe und gegenseitige Hilfsbereitschaft. Das hat für die Mitglieder viele Vorteile. Es kann aber auch die Versuchung fördern, sich zu sehr in Angelegenheiten einzumischen, die einen nichts angehen. Von Silke Gelhausen-Schüßler

In seiner Folge hat manches Intervenieren mitunter justizielle Auswirkungen. So wie der handfeste Familienstreit am 16. November 2012 in Münster, bei dem ein 46-Jähriger nach drei Messerstichen in den Unterbauch notoperiert werden musste.

Für diese Tat verantwortet sich seit gestern der 52-jährige Hüseyin Ü. aus Griesheim vor der 11. Strafkammer des Landgerichts. Dem geschiedenen Bauhelfer wird versuchter Totschlag an seinem Schwager Ada Y. vorgeworfen, Hintergrund ist ein Streit um die Tochter des Opfers.

Diese büchste ohne Wissen der Eltern am Wochenende vor der Tat in die Türkei aus, um sich dort mit dem Neffen von Ü. zu treffen. Den hatte die 21-jährige S. Jahre zuvor im Urlaub kennen gelernt. Die Liebelei war den Eltern zwar bekannt, jedoch lehnen diese eine Beziehung mit einem in der Türkei aufgewachsenen Mann ab, um der Tochter Mentalitätsprobleme zu ersparen. Verantwortlich für die Bindung ist für Y.´s aber nicht so sehr die eigene Tochter, sondern Schwager Ü. und dessen Schwester Asu. Ü. befand sich am gleichen Wochenende ebenfalls in der Türkei. Die Mutter ist sich sicher: „Die beiden sollten verkuppelt werden, um O. den Wehrdienst in der Türkei zu ersparen!“

Schwangeren Verwandten eine Ohrfeige verpasst

Ada Y. stellt die nebenan wohnende Asu deshalb zur Rede. Als sie alles abstreitet, gibt er der schwangeren Verwandten eine Ohrfeige. Über diese Unverschämtheit setzt Asu ihren Bruder Ü. in Kenntnis, der sofort von Griesheim nach Münster fährt und seinen Schwager zum Gespräch vor die Tür bittet. Was dann passiert, ist in seinem genauen Hergang wahrscheinlich nicht aufzuklären. Zu unterschiedlich sind die Aussagen der Beteiligten, zu lückenhaft und widersprüchlich die der vielen Zeugen. Die Notwehrfrage steht im Zentrum der Beweisaufnahme.

Als einigermaßen sicher gilt: Zum Gespräch kommt es nicht. Beide Männer gehen sofort aufeinander los, Ü. schlägt Y., sticht ihn ins Bein, was ihn zu Fall bringt. Er setzt sich auf seine Beine und sticht weiter zu, wird aber bald vom Bruder Mustafa des Opfers gestoppt. Der soll ebenfalls ein Messer gezückt und den Angeklagten damit am Hals verletzt haben, woraufhin dieser ihm einen Stich in die Brust zufügt. Gestoppt wird die blutige Zusammenkunft von mehreren herbei eilenden Familienmitgliedern.

Angeklagter bestreitet jegliche Tötungsabsicht

Der Angeklagte selbst bestreitet jegliche Tötungsabsicht. Ü.: „Die Familie meiner Ex-Frau hat von Anfang an schlecht über mich geredet. Sie machte mich für die schwere Krankheit meiner Frau verantwortlich, warf mir vor, ein Verhältnis mit der Pflegedienst-Angestellten zu haben. Und ihre Tochter soll ich in die Türkei entführt haben!“ Wie weit die beiden Schwager am Tathergang selbst Schuld tragen, wird derzeit noch in eigenen Ermittlungsverfahren geklärt. Beide treten als Nebenkläger auf, fordern Schadensersatz. Dagegen fährt der Angeklagte schweres Geschütz auf: Drei Verteidiger sollen ihm zu seinem Recht verhelfen.

Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage geplant.

Quelle: op-online.de

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