Ein Quantum Ost

Angriff aufs Zwerchfell

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Viel zu lachen gab es beim Auftritt von Andy Ost in der Münsterer Kulturhalle. 

Münster - Die Plakate im Vorfeld des Auftritts von Andy Ost bewiesen bereits Einfallsreichtum. Mit Köpfchen wurde der Filmtitel „Ein Quantum Trost“ gegen „Ein Quantum Ost“ ausgetauscht. Dazu zeigte sich Ost nicht mit einer Pistole sondern einer Gitarre bewaffnet. Von Michael Just 

Wer mit Blick auf diese ausgefallene Idee entschied, das Gastspiel des Entertainers in der Kulturhalle am Donnerstagabend nicht zu verpassen, der traf die richtige Entscheidung. Zu Beginn ging der Mainzer auf die Fußball-WM ein, bei der er seine Verwunderung über die Biss-Attacke von Luis Suarez ausdrückte, dass dieser, noch während des Spiels, Hunger auf ein „abgehangenes Schulterstück“ bekam. Die bald fünfte Hochzeit von Lothar Mätthäus blieb ebenfalls nicht unkommentiert: „Der hat schon mehr Zeit in den Flitterwochen verbracht, als ich Urlaub gemacht habe.“ Als Antwort auf die Errungenschaften der Neuzeit, die Sozialministerin Andrea Nahles vermutlich eine Sehnenscheidenentzündung beim SMS-Schreiben zufügten, stimmte Ost den Welthit „Mama“ von Queen an - allerdings mit völlig neuem Text. Die Mama wurde zu Oma, die jetzt bei Facebook drin ist statt Briefescheiben lieber den „Gefällt mir“-Button drückt.

In der Folge durfte das Publikum an vielen Geschichten aus dem Lebenslauf des 34-Jährigen teilhaben: Vom Auszug zu Hause, über seine Hochzeit mit Vicky, dem Kinderkriegen bis hin zu den Herausforderungen, die beim Anlegen des Gartens im Eigenheim entstehen können. Nach kurzer, heiterer Einleitung stimmte Ost dabei stets einen bekannten Hit mit einem neuen Text aus seiner Feder an, mit der er das Problem auch gesanglich beschrieb. Bei Bon Jovis „Bed of Roses“, das zu „Bin ich Moses“ wurde, zeigte sich das als derart köstlich, dass es vom Publikum spontan Szenenapplaus gab. Andy Ost war vor seinem Auftritt nicht allen Münsterer Gästen bekannt. Vor allem in der Mainzer Fastnacht hat er sich in der Vergangenheit einen Namen gemacht. Nach dem Auftritt an diversen Kleinkunstbühnen in der Republik startete er im Herbst 2010 sein erstes, abendfüllendes Soloprogramm mit dem Titel „Völlig schmerzfrei“. Mit „Ein Quantum Ost“ befindet sich der Mainzer gerade in der zweiten Runde.

Frei von Zoten

In Münster konnte er damit die rund 150 Besucher gleichermaßen überzeugen wie begeistern. Das Erfolgsrezept war ein stets kurzweiliger Mix aus Stand-up-Comedy und fortwährend folgenden Musikstücken, die mit kabarettistischen Inhalten kaum Zeit zum Verschnaufen ließen. Am Klavier oder mit Hilfe der Gitarre gelangen ihm durchweg treffsichere Angriffe auf das Zwerchfell des Publikums. Im zweiten Teil setzte Ost seinem Programm mit einer Parodie von Herbert Grönemeyer und Marius Müller-Westernhagen noch das i-Tüpfelchen auf. Dass Comedians zur Abwechslung mal ein umgedichtetes Liedchen einbringen, ist nicht völlig neu. Andy Ost tut dies aber in einer Häufigkeit und einer Genialität, dass er sich damit von anderen Künstlern abhebt. Dass die Münsterer von Ost begeistert waren, lag auch an seinem persönlichem Charakter: Mit Turnschuhen, Jeans und Jacket stand der Mittdreißiger locker und unaufdringlich auf der Bühne. Frei von Zoten vermittelte er, dass es ihm große Freude macht, Menschen zum Lachen zu bringen. Weitere Sympathiewerte fuhr er zum Schluss ein, als er einen mehrfachen und ehrlichen Dank ans Publikum richtete, dass sich dieses für ihn Zeit nahm.

Kerb und Umzug in Münster

Kerb und Umzug in Münster

Mit 150 Gästen zog Andy Ost das bis jetzt größte Publikum im Rahmen des Münsterer Kulturprogramm an, das zu Beginn des Jahres aus der Taufe gehoben wurde. Stephanie Lange, zuständig für Sport und Kultur im Rathaus hofft, dass der Zuspruch am 20. November, wenn die Street Magic Tour von Marion Metternich angesagt ist, mindestens genauso groß sein wird.

Quelle: op-online.de

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