Schmuckstück ohne Bestimmung

Rathaus mit morbidem Antlitz

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Der ehemalige Verwaltungssitz soll eine neue Aufgabe bekommen. In dem Haus an der Kreuzung wurden in Altheim einmal Entscheidungen getroffen.

Altheim - Es ist äußerlich ein Schmuckstück: das alte Rathaus, das mit den Nachbargebäuden den lieblichen und dörflichen Charakter Altheims symbolisiert. Zurecht steht der Mollerbau, der stolz das Jahr seiner Erbauung 1862 in der Frontfassade aufzeigt, unter Denkmalschutz. Von Michael Just

Doch schon seit vielen Jahren fehlt dem Haus die Bestimmung. Mit der Gebietsreform Anfang der 1970er Jahre wurden die Entscheidungen für Altheim in Münster getroffen. Und auch die Sprechstunden, die Bürgermeister Walter Blank und andere Verwaltungsmitarbeiter bis 2009 dort hielten, sind mittlerweile ins modernere Gustav-Schoeltzke-Haus gewandert. Also was machen mit dem Gebäude, das derzeit nur noch ein Blickfang an Altheims wichtigster innerörtlicher Kreuzung ist?

In der Verwaltung sieht man die Frage sachlich: „Verkaufen wäre das Beste“, heißt es da, erst recht in Zeiten knapper Kassen, wo man keine Immobilie braucht, die ohne Nutzen nur Kosten verursacht.

Verkaufen oder nicht verkaufen?

In Altheim teilt man die Ansicht nicht ganz: Hier gibt es die Befürchtung, „dass bei einem Verkauf etwas verloren geht“. Rat verspricht man sich im Rathaus derzeit von den Bürgern: Per E-Mail oder schriftlich sind die aufgerufen, Ideen einzureichen, wie man den Bau nutzen könnte. Um das Ei des Kolumbus zu finden gab es im Anschluss an den Gemarkungsrundgang sogar die Möglichkeit, einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen.

„Ich habe insgesamt 65 Leute gezählt“, berichtet Michael Mierzowski, Abteilungsleiter Planung, Bau und Liegenschaften, über die Resonanz. Wie er sagt, hätte es dabei reichlich Vorschläge gegeben. Dazu gehörten Ärztehaus, Künstleratelier, Radfahrer-Hotel oder Gastronomie. Laut Mierzowski sind die Vorschläge kreativ, doch müssten dafür auch Nutzer gefunden werden. „Erst dann könne die Gemeinde investieren und dafür die Grundlagen schaffen“, so der Verwaltungsmitarbeiter.

Ohne Grundsanierung läuft wohl nichts

Derzeit besticht das alte Rathaus durch knarzende Treppen, Räume, die mehr als nur neue Tapeten brauchen und Restmobilar, das den nostalgischen Charme der 60er und 70er Jahre versprüht. Zehn Zimmer existieren im ersten und zweiten Geschoss, der größte Raum ist der einstige Sitzungssaal. Das Dachgeschoss ist nicht ausgebaut.

„Am ehesten kann ich mir hier noch eine Anwaltskanzlei vorstellen“, sagte eine Besucherin am Tag der offenen Tür beim Gang durch die Zimmer. Anderen fiel mit Blick auf das morbide Antlitz gar nichts ein, wie es hier weitergehen könnte. Das ist nachvollziehbar, denn ohne eine Grundsanierung im Inneren dürfte wenig laufen.

Davon zeugen schon die sanitären Anlagen: Das einzige Klo ist – wie zu Großmutters Zeiten – unter der Treppe untergebracht und ermöglicht eine interessante Zeitreise, wie man vor Jahrzehnten seine Notdurft verrichtete. Von Außen kommt der Bau besser daher, auch wenn die Renovierung der Fassade und das „neue“ Dach aus dem Jahr 1981 schon wieder einige Jahre auf dem Buckel hat. Die Heizung ist 20 Jahre alt, die jüngsten Arbeiten fanden 1998 mit der Sanierung des Außensockels und 2007 mit dem „Laternchen“ auf dem Dach statt.

Ein neuer Besitzer oder Pächter könnte sich nicht ganz frei verwirklichen. Das Gebäude steht seit 1979 unter Denkmalschutz. Nicht wenige Maßnahmen sind deshalb nur in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde möglich. Wie geht‘s nun weiter? „Wir stellen die bisherigen Ideen zusammen und legen sie in der nächsten Sitzung dem Haupt- und Finanzausschuss zur Diskussion vor“, sagt Mierzowski. „Die politischen Gremien werden dann entscheiden, wie es weitergeht.“

Quelle: op-online.de

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