Raumschiff aus Elektro-Schrott

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Sandro (links) schraubt an seinem Raumschiff aus Elektroteilen. Der dreijährige Lars möchte ihm dabei helfen.

Altheim ‐ Was in Haushalten Platz wegnimmt und überflüssig ist, war in den vergangenen Tagen im Evangelischen Kindergarten in Altheim heiß begehrt: Elektroschrott. Bügeleisen, Kassettenrekorder, Fotoapparate oder Telefone, die nicht mehr funktionieren, wurden dankend von den Erzieherinnen der Dino-Gruppe entgegengenommen. Von Ellen Jöckel

Sich die Elektronik in Geräten etwas näher anschauen, war Teil eines Projekts zum Thema Strom. „Ich habe mein altes ferngesteuertes Auto in die Schrottwerkstatt mitgebracht“, erzählt der vierjährige Paul. In der Schrottwerkstatt durften die Kinder unter Aufsicht einmal das anstellen, was zuhause sonst strengstens verboten ist: Mit Zangen und Schraubenziehern machten sich die Knirpse eifrig ans Werk, die Geräte aufzuschrauben und das Innere zu bestaunen.

Dabei blieb es aber nicht: Aus den Einzelteilen wurden dann mit großer Begeisterung neue kreative Werke geschaffen. Der fünfjährige Nico stellt stolz sein „Super Raumschiff“ aus Teilen eines Kassettenrecorders und eines Föns vor. Stücke von einem Staubsaugerschlauch stellen die Tragflächen dar. Die fünfjährige Anne hat einen Bahnhof aus einer Platine von einem alten Computer, dem Gehäuse eines Telefonhörers und einem Ladegerät gebaut.

„Die Ideen zu den Kunstwerken kamen von den Kindern. Wir haben nichts vorgegeben“, erläutert Erzieherin Anna Stuckert. Die Schrottwerkstatt ins Leben gerufen hat Praktikantin Svea Wenk: „Hier können sich die Kinder neben dem wissenschaftlichen Aspekt noch kreativ austoben“, sagt sie. Beim Betrachten der vielen Kabel, Schalter und Schrauben seien den kleinen Forschern viele Fragen gekommen: Wo kommt der Strom her oder wie kommt er in die Steckdose? Für die Pädagoginnen Brigitte Hermanns und Anna Stuckert stellte das Thema eine große Herausforderung dar: „Wir mussten an Lehrmaterial kommen, das wir im Kindergarten so nicht zur Verfügung hatten“, erzählt Hermanns.

„Learning by Doing“ hat funktioniert

Versuchsanleitungen erhielten sie vom TÜV Hessen und Entega. „Das Material war aber auf Schulkinder der dritten Klassen zugeschnitten. Wir mussten es dann noch für Kindergartenkinder tauglich machen.“ Das Ergebnis war beispielsweise ein einfacher Stromkreis aus Batterie, Kabeln, Reißzwecken und einer kleinen Birne, den die Kinder selbst bauen konnten. „Wenn man den Schalter anmacht, dann ist der Stromkreis offen“, erklärt der fünfjährige Sandro. „Dann geht das Licht an“, fügt der vierjährige Anes hinzu. „Wenn ich den Lichtschalter ausmache, ist da so ein Ding, das schiebt sich zu, damit kein Strom mehr in die Lampe kommt“, erläutert Sandro weiter und beweist damit, dass bei ihm das Prinzip „Learning by Doing“ funktioniert hat.

Um der Frage nachzugehen, was Strom erzeugt kann, wurden Plakate erstellt mit Bildern von Elektrogeräten, die Licht, Wärme, Kälte oder Bewegung erzeugen können. „Heutzutage wachsen Kinder mit zahlreichen elektronischen Medien wie Computer, Fernsehen oder Telefon auf. Über das Projekt haben sie gemäß dem Bildungsplan die Möglichkeit, sich mit dem Thema vertiefend auseinander zu setzen. Sie lernen grundsätzlich, wie Strom funktioniert, aber auch, dass Strom sehr gefährlich sein kann“, führt Stuckert aus. Bei einem Elternabend wurden die Kunstwerke aus Elektroschrott, die Stromkreis-Versuche und die Ergebnisse aus dem theoretischen Teil den Müttern und Vätern vorgestellt.

Quelle: op-online.de

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