Mit Regenwald und Rolexradio

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Bodo Bach

Münster - Manche Comedians müssen sich lustig verkleiden oder in Rollen wie die des allseits beliebten Hausmeisters schlüpfen. Bodo Bach nicht. Von Michael Just

Dazu scheint es, als brauche er sich bei seinen Auftritten überhaupt nicht zu verstellen: Der Urhesse in ihm, der mit seinem Dialekt babbelt wie ihm der „Schnawwel“ gewachsen ist, und dabei gerade heraus alles auf den Punkt bringt, scheint nie gespielt. Im gegenwärtigen Sprachgebrauch würde man das wohl als „authentisch“ bezeichnen. Am Samstagabend stand Bodo Bach mit seinem neuen Programm „Viertel nach Bach“ auf der Bühne der Münsterer Kulturhalle. Eingeladen hatte der Sportverein, der zu seinem 90. Geburtstag in diesem Jahr Mitgliedern und Einwohnern ein besonderes Schmankerl bieten wollte.

„Unsere Mitglieder hatten ein Vorkaufsrecht“, erzählt Wilfried Legler vom SV. „Wir wollten, dass die auch mal in der ersten Reihe sitzen.“Mit 300 Besuchern hatte man gerechnet, über 400 sind es am Ende geworden. Um das Publikum in Stimmung zu bringen, ließ Bodo Bach alias Robert Treutel schon vor seinem Auftritt Pannenvideos auf einer Leinwand zeigen. Die unterstrichen sein Motto des Abends, das da lautete: „Das Leben schreibt die beste Comedy.“

Er hatte eine Fülle von Themen parat: Hier war es die Schwiegermutter, da seine Frau Gerda, dort die Finanzkrise. Auch als Umweltaktivist präsentierte sich Bach: „Bevor ich abends ins Bett gehe, pflanze ich immer ein bisschen Regenwald und haue ein paar Krombacher weg. Man muss schließlich etwas für die Umwelt tun.“ Probleme habe er vor kurzem mit seinem geklauten Autoradio gehabt, als man ihn nach der Marke fragte und er „Rolex“ angab. Seine einleuchtende Erklärung: „Die Marke weiß ich nicht. Ich hab das Radio immer nur gehört und nie geguckt.“

Natürlich gehörten zum Programm auch Telefonanrufe. Diese inszenierte er live: Bach klärte auf, dass er deswegen keine Erfolgsgarantie geben könne – doch ging bis auf einen Anrufbeantworter und eine regelmäßige Radiohörerin („Schatz, komm mal her, ich glaub’, da ist der Bodo Bach am Telefon!“) alles gut: Komisch gestaltete sich der Anruf nach Österreich, wo sich Bach wegen der teuren Hotelkosten beim Skiurlaub im Krankenhaus einquartieren wollte.

Im zweiten Teil durften die Zuschauer die Nummern von Freunden und Verwandten aufschreiben, denen sie schon immer etwas „Gutes“ tun wollten. Höhepunkt war der Anruf auf eine Wohnungsanzeige. Die Münsterin merkte lange nicht, dass sie veräppelt wurde und selbst, als sie Bach aufklärte, schien es ihr nicht zu dämmern, dass der Anruf in die Gag-Sparte gehört. Auch das Gespräch mit der Dieburger Polizeistation gestaltete sich vergnüglich – die Beamten sollten doch bitte während der nächsten Stunden rund um die Kulturhalle auf Verkehrskontrollen verzichten.

Die Münsterer erlebten einen Bodo Bach, der sie nicht enttäuschte. Der bekennende Offenbacher, der durch Scherzanrufe im Radio bekannt geworden ist („Isch hätt’ da gern emol a Problem“) hatte keine Probleme, sein Publikum immer wieder zum Lachen zu bringen – und das, obwohl er durch eine Erkältung gehandicapt war. Seine Comedy war trocken und trotzdem rasant. Durch seinen Redefluss blieb zwischen den Lachern kaum Zeit zum Luftholen. Durch seine Anrufe machte Bach immer wieder deutlich, dass er die hohe Kunst der Stand-up-Comedy mit reichlich Improvisationstalent beherrscht. Den Rest seines Erfolgs machten seine Nähe zum Publikum und der herrliche hessische Dialekt aus.

Auffallend war, dass Treutel im Gegensatz zu anderen Kollegen nie unter die Gürtellinie abrutschte. „Der alte Babbsack“ war das schlimmste der Gefühle, und wer sich auskennt, der weiß, dass dieser Ausdruck aus seinem Mund einen echten Freundschaftsbeweis darstellt.

Quelle: op-online.de

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