Reise mit einbeinigem Schiffskoch

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Achtung, Piraten! Mit der „Schatzinsel“ feierte das Münsterer Kinder- und Jugendtheaterfestival eine gelungene Premiere. Die agilen Jungschauspieler der Gruppe „Lakritz“ zogen die kleinen Zuschauer schnell in ihren Bann.

Münster ‐ „Schon von weitem hörte man das falsche Bein aus Holz über die Planken kratzen. Das war das allererste Mal, dass ich John Silver sah.“ Von Ellen Jöckel

Der Piratenroman „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson war die Grundlage für eine aktionsreiche, kindgerechte Inszenierung, die beim Kinder- und Jugend-Theaterfestival „Bunter Hund“ in der Münsterer Kulturhalle aufgeführt wurde.

Das Stück der freien Theatergruppe „Lakritz“ aus Darmstadt war die erste von drei ausgewählten Theaterproduktionen aus Hessen für Schulen und Kindergärten aus Münster und Umgebung. „Das Besondere ist: Das Theater kommt zu Euch“, begrüßte Initiator Max Petermann, Grundschullehrer und Kulturberater des Landkreises, rund 100 Zweit- und Drittklässler der Altheimer Regenbogenschule und der Eppertshäuser Stephan-Gruber-Schule. „Hier ist es anders als beim Fernsehen. Ihr könnt nicht auf die Stopptaste drücken. Also: Riesige Ohren und Mund zu“, forderte Petermann von den Kindern.

„Theater ist nie gleich, sondern immer etwas Besonderes“

Doch diese Ansage stellte sich bald als überflüssig heraus: Die vier agilen Jung-Schauspieler von „Lakritz“ verstanden es mit viel Aktion und Witz, die sieben- bis neunjährigen Theaterbesucher von der ersten Spielminute an in ihren Bann zu ziehen. Direkt auf der Bühne sitzend, Aug` in Aug` mit den Darstellern, erlebten die Schüler, wie vier grundverschiedene Freunde die Abenteuergeschichte des Schiffsjungen Jim Hawkins nachspielten.

Mit schlichten Veränderungen wie einer schiefgesetzten Kappe oder einem linkisch-krummen Gang wurde aus „Jonas“ der einbeinige, hinterlistige Schiffskoch Long John Silver. Ein paar zusammengesteckte Bambusstäbe bildeten das mächtige Segelschiff – den Rest übernahm die Fantasie. Kein Problem für die Darsteller und noch weniger für das junge Publikum, welches dazu immer wieder Spielgeschehen aktiv mitgestalten konnte.

„Theater ist nie gleich, sondern immer etwas Besonderes“, hatte Petermann zu den Schülern vor der Aufführung gesagt. „Kinder brauchen Theater, aber nicht irgendwelches, sondern künstlerisch anspruchvolles, bedachtes, professionelles Theater.“ So ist auch „Lakritz“, dem Schauspieler mit theaterpädagogischem Hintergrund angehören, mit Bedacht von ihm ausgewählt worden.

Theaterpädagogische Nachbereitung ist Teil des Konzepts

Das freie Kindertheater hat mit der Regenbogenschule einen Kooperationsvertrag geschlossen. Gleich im Anschluss an die Aufführung „Die Schatzinsel“ widmeten sich die vier Darsteller den beiden Klassen der dritten Jahrgangsstufe der Regenbogenschule. Ganz im Stile der Inszenierung, die von musikalischen und rhythmischen Einlagen geprägt war, wurden Klatsch- und Rhythmusspiele mit den 40 Schülern ausprobiert. In einer anschließenden Projektwoche werden die Drittklässler vom „Lakritz“-Team in vier Theaterwerkstätten betreut.

Die theaterpädagogische Nachbereitung durch die Theatergruppen ist Teil des Konzeptes der hessenweiten Gastspielreihe „flux“, der „Bunter Hund“ auch angehört. „Flux“ ist ein Kooperationsprojekt der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche ( ASSITEJ ) und dem hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Eine professionelle Jury wählt die Stücke aus und das Ministerium übernimmt die Hälfte der Gage, sodass die Kinder nur noch den halben Eintritt zahlen müssen. Zudem entfallen die Fahrtkosten, weil das Theater in die Gemeinden kommt. Nach einem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr hatte Münsters Bürgermeister Walter Blank auch für die Neuauflage Unterstützung in Form von der Bereitstellung des Aufführungsortes und personelle Beteiligung bei der Durchführung zugesagt.

Nach dem breiten Zuspruch durch die Schulen sieht Max Petermann die Zukunft für den „Bunten Hund“ positiv: „Mein Ziel ist es, das Kindertheaterfestival weiter auszudehnen. Das heißt, ich möchte mehr Schulen interessieren und für die ganz Kleinen auch etwas anbieten. Aber das braucht Zeit.“ In der zweiten Auflage des Bunten Hundes stehen zwei weitere Inszenierungen an: Für Kinder ab neun Jahren führt heute das Theater Grüne Soße aus Frankfurt „Heinrich der Fünfte“ in der Kulturhalle auf. Und Knirpsen ab fünf Jahren wird am Dienstag, 8. Februar, um 10 Uhr vom selben Ensemble „Kleiner Klaus, großer Klaus“ geboten.

Quelle: op-online.de

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