„Sitze nicht zwischen Stühlen“

+
René Bach ist neuer Jugendpfleger in Münster und Eppertshausen. Er ist voller Tatendrang.

Münster/Eppertshausen - Seit 1. August ist René Bach als neuer hauptamtlicher Jugendpfleger in Münster und Eppertshausen tätig. Er ist 46 Jahre alt, wurde in Darmstadt geboren und wohnt auch dort.

Sein Rüstzeug für die Jugendarbeit hat er sich mit einem Studium zum Gymnasiallehrer erarbeitet. Als Streetworker in Mörfelden-Walldorf war er zuvor fast fünf Jahre ganz nah an den Problemen der Jugendlichen dran. Er ist ledig und hat keine Kinder. Sein Gehalt teilen sich beide Gemeinden je zur Hälfte. Unser Mitarbeiter Michael Just hat René Bach gesprochen.

Wie sieht die interkommunale Zusammenarbeit aus?

Ich habe in beiden Rathäusern ein Büro, in Münster noch zusätzlich ein Zimmer im JUZ. In der Woche bin ich mehrfach, oft im täglichen Wechsel, sowohl in Münster als auch in Eppertshausen.

Wie laufen die ersten Tage ab?

Sie sind reine Orientierungstage. Ich lese mich in bestehende Projekte ein und schaue, was in den Ferien passiert ist. Die Ferienspiele sind in beiden Kommunen ja sehr unterschiedlich. Und es geht zunächst auch um das Kennenlernen der Kollegen und Teammitglieder.

Wie ist Ihr erster Eindruck?

Der erste Eindruck ist sehr gut. Dazu kenne ich Münster bereits. Meine Lebensgefährtin habe ich hier kennengelernt, außerdem schon beim VfL Münster in der Vereinsarbeit gewirkt. Von dieser Zeit dürften mich noch einige älter Jugendliche kennen.

Warum kam der Wechsel zustande?

Ich hatte in Mörfelden-Waldorf immer nur eine Teilzeit-Stelle und einen Jahresvertrag. Das dürfte durch die missliche finanzielle Lage der Stadt nicht besser werden. Mir sind für die Zukunft ein unbefristeter Vertrag und eine Vollzeitstelle wichtig. Der Vertrag in Münster/Eppertshausen ist zu Beginn ebenfalls nicht unbefristet, die Perspektiven insgesamt sind aber weit besser.

Können Sie ihre Aufgaben umreißen?

Das ist schwerpunktmäßig die Leitung der Jugendhäuser sowie die Arbeit mit älteren Jugendlichen, so ab 16 Jahren aufwärts. Für die soll ein attraktiveres Programm entstehen. Ich will bei möglichst vielen ermitteln, was sie gut können, um sie in einen Verein zu bringen. Auch deren berufliche Entwicklung spielt mit rein. Gerade bei meiner Arbeit gibt es immer wieder Jugendliche, die weniger angepasst auftreten. Sie sind keine Herdentiere, sondern als Einzelgänger. Hier soll meine Arbeit integrativ ansetzen.

Was macht ihnen an ihrem Job besonders Spaß?

Es ist die Arbeit mit jungen Menschen, die ständig wechselnde Situationen beinhaltet. Das ist alles andere als eine stupide Tätigkeit. Ich bin kein Büromensch und gerne draußen. Dazu ein Praktiker, der etwas anfängt und auch durchsetzt.

Ist Jugendarbeit heutzutage schwerer als früher?

Das glaube ich nicht. Schwierige und weniger angepasste Jugendliche dürfte es auch schon in den 60er Jahren gegeben haben. Ich habe kein Problem, auf die Jugendlichen zuzugehen. Die Kennenlernphase zu Beginn ist immer schwierig, da die Jugendlichen sich fragen, was ist das für einer und was will der von mir. Da liegen Berührungsängste vor, und die Jugendlichen sind scheu, erst recht, wenn man sie einzeln auf der Straße trifft. In der Clique sieht das anders aus, da hier Gruppendynamik und Stärke das Geschehen mit bestimmen. Nur wenige Jugendliche sind so offen, dass man sofort einen Draht zu ihnen bekommt. Insofern braucht meine Arbeit Zeit.

Haben sie schon Pläne und Ideen?

Ich möchte erstmal schauen, was gut gelaufen ist. Bei mir wird jetzt nicht alles verändert. Erfolgreiche Angebote sollen beibehalten werden. Dazu gilt es zu schauen, was im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit möglich ist. Hier lassen sich Dinge zusammenführen und Synergieeffekte nutzen. Dafür wurde ich auch eingestellt. Ohnehin vereinfacht das die Sache, wenn ich nicht alles zweimal anbieten muss. Dieser Weg ist schon deshalb besser, weil ich auch ein wenig zwischen den Stühlen sitze. Fragen, warum ich das in der einen Gemeinde mache und in der anderen nicht, sollten nicht aufkommen.

Was sind die größten Herausforderungen als Jugendpfleger?

Die mache ich weniger an den Jugendlichen fest als an der Unterstützung durch die Gemeinden. Wenn ich zum Kicken eine Hallenzeit brauche, und diese nach Wochen immer noch nicht habe, werden die Jugendlichen unruhig. Sie verstehen nicht, dass solche Prozesse manchmal länger dauern. Dazu leidet als weiterer wesentlicher Punkt meine Glaubwürdigkeit. Die Unterstützung der Kommune ist wichtig, denn wir haben, wie schon gesagt, ein Klientel, das vom Umgang und vom Verständnis ein bisschen schwieriger ist.

Quelle: op-online.de

Kommentare