Malheur an der Fischtreppe

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Neue Großbaustelle an renaturiertem Fluss: Jetzt wird der demolierte Düker an der Kleist-Straße repariert.

Münster - Die Renaturierung der Gersprenz auf einer Strecke von rund 150 Metern ist nach monatelangen Bauarbeiten zwar abgeschlossen, doch wurde wegen der Aufweitung der Gersprenz eine Folgebaumaßnahme an der Heinrich-von-Kleist-Straße notwendig. Von Thomas Meier

Eine alte Wasserleitung, die nahe beim Wasser verlegt war, geriet in Mitleidenschaft und muss komplett erneuert werden. Eine sechsstufige Fischtreppe ermöglicht den Fischen ein stetes Auf und Ab, der Fluss darf wieder mäandern und übers Ufer treten; 70 Jahre, nachdem der Reichsarbeitsdienst die Gersprenz zum Hochwasserschutz begradigte und kanalisierte. Doch beim Befreien der Gersprenz aus ihrem früheren Flussbett wurde eben auch der alte Düker, eine Rohrleitung am und unter dem Fluss, beschädigt. Mit Folgen, einige Anlieger-Haushalte mussten via Not-Düker die letzte Zeit mit Leitungswasser versorgt werden.

Seit Montag nun ist eine Firma im Auftrag des an der Maßnahme beteiligten Gruppenwasserwerks Hergershausen dabei, eine neue Wasserleitung fürs angrenzende Quartier entlang des Gersprenzdammes zu verlegen.

Gesamtkosten von rund 600.000 Euro

Die Finanzierung der zunächst nicht geplanten Maßnahme sei in den veranschlagten Gesamtkosten von rund 600.000 Euro für die Renaturierung enthalten, heißt es beim Wasserverband Gersprenz in Erbach, unter dessen Federführung das mit rund 80 Prozent vom Land bezuschusste Projekt steht. Vertreter des Regierungspräsidiums, des Planungsbüros, der Baufirma und des Wasserverbandes nahmen das (fast) abgeschlossene Projekt bei einer Begehung bereits ab.

Die Gersprenz fließt durchs neu gemachte Bett, einstige Uferbäume dienen der Befestigung.

Schon zuvor war es eine unliebsame Überraschung, die zu einer Verteuerung der erfreulichen Renaturierung führte. Beim Einbau der Fischtreppe stießen die Arbeiter auf große Mengen von Infantriemunition aus dem Zweiten Weltkrieg. Neben deutschen und US-amerikanischen Gewehrkugeln waren auch solche aus Belgien und Italien aufgefunden worden. Die Amerikaner hatten kurz nach ihrem Einmarsch Bestände aus der Muna, zu der auch Beutemunition gehörte, kurzerhand von der Brücke in die Gersprenz gekippt. Der Kampfmittelräumdienst war eine Woche lang mit dem Einsammeln des historisch brisanten Fundes beschäftigt.

In zwei Wochen, so hoffen die Verantwortlichen, sollen auch die Arbeiten am neuen Düker abgeschlossen sein.

Quelle: op-online.de

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