Ries braut Bier nach Omas Rezept

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Sein Bier und seine gut ausgestattete Garage wissen auch die in Münster beliebten Hinnergassebuwe zu schätzen.

Münster - Bier trinken viele Menschen oft und gerne, aber selbst brauen tun es die wenigsten – anders Edgar Ries, der nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf den Braukessel gekommen ist. „Ich mache schon seit den achtziger Jahren mein eigenes Bier. Von Jasmin Frank

Auslöser war der Fund eines alten Rezeptes in einem Buch meiner Großmutter Margarethe Suderleith“, erzählt er. Kaum hielt Ries das alte Dokument in den Händen, hatte ihn auch schon die Lust gepackt, das Bierbrauen einmal selbst zu probieren – und es gelang. „Anfangs werkelte ich hier oben in der Küche, aber meine Frau verwies mich schon bald in den Keller und mittlerweile habe ich meine Garage entsprechend umgebaut“, erzählt er schmunzelnd und Brigitte Ries lacht: „Wenn der Hopfen gekocht wird, riecht es nicht gerade gut und der Duft zieht durch das ganze Haus. Da ist er draußen schon besser aufgehoben. “.

Im Laufe der Jahre hat sich der Münsterer alle notwendigen Instrumente angeschafft und er kann zweierlei Sorten Bier herstellen: Helles und Dunkles. „Ich braue einfach entsprechend dem Malz, den ich bekomme. Doch die Geräte, die man braucht, machen alleine noch lange kein gutes Bier aus, vor allen Dingen benötigt man Zeit und Geduld“, weiß Ries.

„Muskeln im Arm bekommt man davon nicht“

Zunächst muss er Wasser auf 35 Grad erhitzen, dann gibt er Gerstenmalz hinein und heizt weiter auf 40 bis 50 Grad auf. So kommt es zur „Eiweißrast“, während der er eine knappe halbe Stunde immer wieder im großen Kessel rühren muss. Danach wird die Maische langsam auf etwas über 60 Grad erhitzt, und wieder heißt es 20 bis 30 Minuten rühren, damit auch die „Maltoserast“ gelingt. „Muskeln im Arm bekommt man davon zwar nicht, aber Muskelkater hatte ich anfangs schon“, gibt Ries lächelnd zu.

In diesem Stadium muss nun mit einer Jodprobe oder mit einem Refraktometer getestet werden, ob genug Zucker im Gebräu enthalten ist, ansonsten heißt es weiter aufheizen und fleißig rühren. „Damit meine Arme nicht müde werden, habe ich mir etwas ausgedacht“, verrät der Pfiffige: „In meine Bohrmaschine habe ich einen Farbmischer gespannt, und der erledigt nun die mühsame Arbeit für mich.“ Ist der Zuckergehalt stimmig, was für Edgar Ries bei etwa 18 Grad Plato erreicht ist, kann es weitergehen: Er läutert das Bier ab, so dass die Spelze im Sieb verbleibt und eine klare Würze entsteht, die nun unter Zugabe von Hopfen nochmals eine Stunde lang aufgekocht wird. „Für diesen Vorgang habe ich mir eigens diesen Kupferdeckel hier angeschafft, denn er leitet das Kondenswasser optimal ab, so dass nichts in den Braukessel zurückfließt“, berichtet Ries und zeigt auf seine Gerätschaften. Im Anschluss wird das Jungbier nochmals durch einen feinen Leinenstoff gefiltert und muss danach sehr schnell heruntergekühlt werden. Ist das geschafft, setzt der Hobbybrauer Hefe zu, die den Zucker in Alkohol umsetzt. Dazu lässt er das Bier mehrere Tage in einem offenen Fass gären und prüft mit einer Spindel, ob der optimale Wert erreicht ist. Nun gibt Ries das Bier in seine großen Bügelflaschen und meint: „Sie gären dort ja noch weiter, deshalb kann es vorkommen, dass sie beim Öffnen aufspringen wie Sektflaschen. Geplatzt ist aber noch keine.“

Hier das Rezept für ein wärmendes Glühbier, das bei diesem kalten und verregneten Sommer durchaus einmal die kühlende Bowle ersetzen kann: Zu einem halben Liter Schwarzbier gibt man zwei Esslöffel Zucker, etwas Zimt und Ingwer und einen Schuss Zitronensaft. Das Bier darf nicht über 50 Grad erwärmt werden, sonst wird es sauer.

Heraus kommt ein Kölsch mit etwa vier bis fünf Prozent Alkoholgehalt. „Der Aufwand für selbstgebrautes Bier ist schon sehr groß und steht in keinem guten Preisleistungsverhältnis“, meint Ries. Deshalb ist er auch nicht regelmäßig in seiner Garage, sondern braut nach Lust und Laune, so auch, wenn etwa ein Geburtstag ansteht oder er Arbeitskollegen einlädt. „Ich habe ihnen schon öfter mal angeboten, bei mir mitzubrauen, aber den meisten ist das zu langwierig. Sie trinken das Bier lieber, als es herzustellen“, lacht er.

Ein besonderes Highlight war für ihn sein Glühbier, das er im Januar beim Wintergrillen zu eisigen Temperaturen ausgeschenkt hat und das alle gut warm hielt. Auf Vorrat braut er nicht, deshalb muss er wohl bald wieder in die Garage. Und während er dort steht und rührt, freut er sich schon darauf, wieder einmal gemeinsam mit Freunden und Familie anzustoßen.

Quelle: op-online.de

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