Ringkampf im Kindergarten

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Die Kindergarten-Ringer sind in Altheim mit Feuereifer bei der Sache. Trainer Lukas Fecher und Leiterin Iris Kurz-Wolf (hinten rechts) freuen sich über den Erfolg des Projektes, derweil die kleine Sasha ihre Freundin auf die Matte schickt.

Altheim ‐ „Mir machen die Kämpfchen Spaß. Da kann ich den Jungs mal zeigen, wie stark ich bin“, lacht Sasha unter ihren nassgeschwitzten Locken. Von Thomas Meier

Die Fünfjährige hat gerade ihrem gleichaltrigen Freund Sebastian gezeigt, was eine Harke ist und ihn mit einem gewaltigen Plumps von den Beinchen auf die Matte geholt. Und auch ihre erst vierjährige Freundin Josefine findet: „Ringen ist zwar anstrengend, aber einfach toll. Richtig toll!“

Noch höher im Kurs als die Kämpfchen auf der riesigen blauen Schaumstoffmatte im Turnraum des evangelischen Kindergartens Altheim steht ihr neuer Trainer Lukas Fecher. Er bringt der Gruppe der Vier- bis Fünfjährigen den Ringersport seit kurzem näher. Der 22-Jährige leistet sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Freien Sportvereinigung Münster ab und kam auf deren Vermittlung auch in den Kindergarten.

Dessen Leiterin Iris Kurz-Wolf ist ebenfalls begeistert vom neuen Projekt „Bewegung - Bewegungsspiele“, das die Erzieherinnen mit dem sportlichen Gast aus Niedernberg umsetzen können. Sie alle wissen, wie gern Kinder „raufen“, ihre Kräfte untereinander messen wollen und ausprobieren, wie stark sie sind. Doch will freilich die spielerische, körperliche Auseinandersetzung in geordnete und ungefährliche Bahnen gelenkt sein. Genau das richtige für Lukas Fecher, der seit 16 Jahren auf der Ringermatte zuhause ist. Der Sportler hat die Trainerlizenzen C für Ringen und für Breitensport, ist in seinem Verein in Niedernberg schon lange in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und für die FSV in Münster ein Volltreffer in der Wahl eines Mitarbeiters innerhalb des sozialen Jahres.

Kampf- und Kraftsport mit Ganzkörpereinsatz

Die FSV-Abteilung Ringen propagiert ihren Sport schon länger in einer AG der Grundschule Münster und ging nun zusätzlich noch die Kooperation mit dem Kindergarten ein, um bereits den jüngsten Fliegengewichtlern den Sport an sich und das Ringen im Besonderen nahe zu bringen. In Altheim werden drei Gruppen mit bis zu zehn Kindern montags zwischen 9 und 12 Uhr spielerisch mit der Sportart aus der Antike vertraut gemacht. „Der Spaß an der Bewegung steht im Vordergrund“, erklären Fecher und Kurz-Wolf wie aus einem Munde, und die Kinder nicken kräftig. Bei ihren kleinen Wett- und Kampfspielen werden nicht nur die Muskeln in Bewegung gesetzt, sondern auch das Sozialverhalten, Fairness, gegenseitiger Respekt und das Einhalten von Regeln geübt.

„Ringen ist ein Kampf- und Kraftsport mit Ganzkörpereinsatz ohne weitere Hilfsmittel“, sagt Fecher. Unkompliziert bekämen die Kinder schnell Zugang zu Techniken und Regeln, wobei es der Sache dienlich ist, dass zwar Würfe, Schleudern und Hebel beim Ringen zum Einsatz kommen, Schläge, Tritte, Stöße und Würgengriffe jedoch verpönt und verboten seien. Die Verletzungsgefahr ist bei diesem Sport dadurch sehr gering.

Ringen hat ausgeprägte trainingsbedingte Auswirkungen auf die Haltungs- und Bewegungsorgane. Und dies gefällt den Erzieherinnen ganz besonders, nicht nur, weil erwachsene Ringer in ihren athletischen Körpern nett anzuschauen sind. Rund 20 Prozent der Kinder sind in Deutschland bereits übergewichtig, Tendenz steigend. Lustlosigkeit, falsche Ernährung, Bewegungsmangel, schlechte Vorbilder - gegen viele „Feinde“ gilt es zu ringen. „Mit Lukas Fecher und seinem engagierten Einsatz sind wir auf dem richtigen Weg“, weiß Iris Kurz-Wolf.

Quelle: op-online.de

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