Handlung spielt in vorreformatorischer Zeit

Blutrünstig: Kriminalroman über Altheimer Adel

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Thomas Fuhlbrügge präsentiert seinen Kriminalroman.

Altheim - Schauderhaft und lesenswert: Thomas Fuhlbrügge erzählt auf 388 spannenden Seiten einen Lokalkrimi aus dem Jahre 1505. Rund 200 Exemplare hat er schon verkauft. Von Jens Dörr

Eine der kniffligsten Fragen, wenn man über einen Autoren und sein Buch schreibt, ist oft jene: Wie viel soll vom Inhalt verraten werden? Schließlich soll sich ein potenzieller Leser des Werks weder die Katze im Sack beschaffen noch allzu viel vorweggenommen bekommen. Hier also mal wieder der Versuch eines Spagats: „Gassenspieß“ heißt der erste Roman von Thomas Fuhlbrügge. Der 42-Jährige stammt aus Dieburg, ist Lehrer und unterrichtet Katholische Religion, Philosophie, Ethik und Politik und Wirtschaft in Babenhausen, und lebt seit fünf Jahren mit seiner Familie in Altheim. Genau dort spielt sein historisches, allerdings in moderner Sprache verfasstes 388-Seiten-Debüt. „Gassenspieß – Ein historischer Altheim-Krimi“ heißt dann auch der vollständige Titel des Buchs, das keineswegs seine erste Veröffentlichung überhaupt ist. Fuhlbrügge verfasste schon religionspädagogische Bücher, auch mal eine musikalische Fabel nach einem Text von Äsop. „Ich habe schon immer gern geschrieben“, sagt er. Bislang nur eben keinen Roman.

Ob der mit dem gern zitierten „Erdbeben“ beginnt, das einem Buchanfang innewohnen und sich „dann langsam steigern“ soll, sei einmal dahingestellt. „Scheiße“ lautet das erste Wort, das einer Randfigur vorbehalten ist. Und schon ist man mittendrin im November des Jahres 1505, in der aus der Ich-Perspektive erzählten Geschichte des jungen Inquisitors Isnard von Trutz. Eben jener wird im besagten Jahr im Geheimauftrag des Mainzer Bischofs ins südhessische Altheim geschickt, um unheilige Vorgänge, die sich um den Tod des vorherigen Pfarrers ranken, aufzuklären. „Ein alter, saufender Nachtwächter ist sein einziger Unterstützer“, erläutert Fuhlbrügge. Mit ihm zusammen begibt er sich auf die Suche nach der Wahrheit, die in der vorreformatorischen Zeit eine lebensgefährliche ist. „Das Buch ist ziemlich blutrünstig“, gibt Fuhlbrügge zu. „Es kommt, glaube ich, zu zehn Morden.“ Was nicht in erster Linie mit dem „Gassenspieß“ des Altheimer Nachtwächters zusammenhängt. So bezeichnet Fuhlbrügge dessen Waffe, die eher unter dem Namen Hellebarde ein Begriff ist.

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Wie aber kommt ein Familienvater Anfang 40, der nun eben erst einen recht kurzen Bezug zu Altheim hat und sonst auch mal als Musiker und Liedermacher in Erscheinung tritt, auf ein Szenario, in dem sich im auslaufenden Mittelalter historische Fakten mit Fiktion vermischen, reale Geschehnisse wie die Hexenprozesse in Dieburg ebenso Einzug finden wie augenzwinkernde Anspielungen auf die Gegenwart? So etwa, wenn Fuhlbrügge von einer „römischen Villa“ am Altheimer Ortsrand (in Anspielung auf den „FKK Sauna Club Rom“) schreibt oder seine Figuren am Fuhrunternehmen „Fliege“ (in Anspielung auf das Reifenlager von Fiege) vorbeireiten. „Eine Frau erzählte mir von alten Altheimer Badhäusern“, erläutert es der Autor. „Dadurch wurde ich auf ein Buch über das alte Altheim aufmerksam.“ Dort wiederum wurde er mit Blick auf ein in Altheim wohnendes Adelsgeschlecht fündig, das 1505 ausstarb. „Ich dachte mir, ich erkläre mal, warum.“ So spann Fuhlbrügge seinen thematischen Faden, recherchierte intensiv in Kirchen- und Geschichtsbüchern, legte Strukturen mit Personen- und Ortsnamen an und schrieb den Roman im vergangenen Jahr über einen Zeitraum von vier Monaten – meist abends – nieder. „Wirklich nur als Hobby“, wie er betont. „Ich habe nicht den Anspruch, das mal professionell zu machen.“

Seit ein paar Monaten kann man das Buch in digitaler Form (3,99 Euro) oder als Taschenbuch (13,99 Euro) bestellen, etwa bei Amazon. „Dort war ich in der Kategorie ,historische Krimis’ mal auf Platz 123“, lächelt Fuhlbrügge, ehe er ergänzt: „Was allerdings keine große Kunst ist. Da steht man wohl schon, wenn man in kurzer Zeit 100 Exemplare verkauft hat.“ Insgesamt brachte Fuhlbrügge bisher 200 Bücher an Mann und Frau, ohne Profis im Hintergrund: „Ein Verlag muss von einem Buch mindestens 5000 Exemplare verkaufen, damit sich die Auflage lohnt. Das war bei einem historischen Krimi mit viel Lokalbezug nicht zu erwarten.“

Quelle: op-online.de

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