Rote Schuhe und Fahne setzen Zeichen

Besondere Aktion gegen Gewalt an Frauen in Altheim

Rote Schuhe am Kirchenzaun der Kirche in Altheim sollen morgen zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen Zeichen setzen und auf weltweite Verbrechen und Missstände aufmerksam machen.
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Rote Schuhe am Kirchenzaun der Kirche in Altheim sollen morgen zum Aktionstag gegen Gewalt an Frauen Zeichen setzen und auf weltweite Verbrechen und Missstände aufmerksam machen.

Morgen ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen. Als sichtbares Zeichen dafür wehen im Landkreis Darmstadt-Dieburg an diesem Tag in zahlreichen Kommunen, vor der Kreisverwaltung und dem Polizeipräsidium Südhessen die leuchtend blauen Fahnen von Terre des Femmes. Und in Altheim werden rote Schuhe sinnbildlich am Zaun der evangelischen Kirche auf die tödliche Gewalt gegen Frauen und ihr vergossenes Blut hinweisen.

Münster/Darmstadt-Dieburg - Die evangelische Kirchengemeinde Altheim beteiligt sich in diesem Jahr aus gutem Grund erstmals an der Aktion „Rote Schuhe“. Bürgerin Rahel G. wandte sich an Pfarrer Ulrich Möbus mit der Bitte um Unterstützung. Sie möchte als persönlich betroffenes Opfer von Gewalt nicht namentlich in Erscheinung treten, doch der Aktion eine größere Öffentlichkeit zukommen lassen.

Morgen sollen also rote Schuhe am Kirchenzaun als Mahnmal zu sehen sein. Jedes Paar roter Schuhe symbolisiert eine der 135 Frauen, die 2019 in Deutschland einem Femizid – der Tötung im Kontext geschlechtsbezogener Gewalt – zum Opfer gefallen sind.

Pfarrer Möbus erklärt: „Rahel G. musste in einer früheren Beziehung häusliche Gewalt erfahren und engagiert sich, andere Frauen davor zu schützen und ihnen Mut zu machen, ihr Schweigen zu brechen. Sie verweist auf die präventive Aufklärungsarbeit von Svenja Beck zum Thema häusliche Gewalt und Missbrauch hin: Für Betroffene und Interessierte findet auf Becks YouTube Kanal eine wöchentliche live Webtalkshow, mit ihr als Betroffene von häuslicher Gewalt, statt.“

Gerne habe er der Bitte der Altheimerin entsprochen, auch im Ort ein Zeichen zu setzen. Und so können Altheimer Bürger sich mit einem Paar roter Schuhe am Kirchenzaun beteiligen Des Pfarrer Bitte allerdings: Die Schuhe nach dem Aktionstag wieder abzuholen.

„Normalerweise wird dieser Tag von zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen begleitet. Auch wenn in diesem Jahr die Präsenzveranstaltungen zu diesem Anlass fehlen, wollen wir diesen Tag begehen und darauf aufmerksam machen, dass viele Frauen und Mädchen täglich Gewalt ausgesetzt sind: Physischer und psychischer Gewalt. Das dürfen wir nicht dulden, wir dürfen nicht wegsehen“, so Landrat Klaus Peter Schellhass, der seit langem die Aktionen rund um den 25. November unterstützt und sich gegen Gewalt an Frauen einsetzt.

In diesem Jahr hat das Büro für Chancengleichheit des Landkreises das Thema „digitale Gewalt“ in den Fokus gestellt. Sie kennt keine Pausen, erreicht potenziell ein großes Publikum und findet oft anonym statt. Diese Dynamik verunsichert Betroffene zusätzlich. Fast immer aber ist digitale Gewalt eng mit Macht- und Gewaltstrukturen im analogen Bereich verknüpft – und ist in vielen Fällen strafbar. Wer das erkannt hat, kann sich besser wehren.

Im grenzenlosen digitalen Raum verschwinden zunehmend persönliche Grenzen. Digitale Belästigung fängt oft schon klein an: doppeldeutige Nachrichten, unangenehme Bilder oder Videos mit sexistischen oder diskriminierenden Inhalten.

Mit dem Schwerpunkt „#meinherzgehörtmir – Gegen Zwangsverheiratung und Frühehen“ sollen viele Aktionen in ganz Deutschland Menschen aller Altersklassen aufrütteln und zum Thema sensibilisieren. So auch in Münster: „Darüber hinaus wollen wir aber auch den betroffenen Mädchen und Frauen zeigen: Ihr seid nicht alleine, gemeinsam setzen wir uns für ein freies und selbstbestimmtes Leben ein“, erläutern Kristina Löbig und Tamara Wolf vom Büro für Chancengleichheit der externen Gleichstellungsbeauftragen bei der Gemeinde.

Jährlich werden nach offiziellen Angaben von UNICEF weltweit zwölf Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet, viele sind noch nicht einmal 16 Jahre alt. Insgesamt kann von derzeit 650 Millionen Frauen ausgegangen werden, die unter 18 Jahren verheiratet wurden. Die Folgen von Frühehen sind vielfältig: häusliche und sexualisierte Gewalt, gesundheitsgefährdende Teenagerschwangerschaften sowie massive soziale und ökonomische Abhängigkeit. Obwohl Zwangsverheiratung in Deutschland strafrechtlich verfolgt wird und auch die Verheiratung Minderjähriger seit 2017 verboten ist, werden nach wie vor Mädchen und Frauen in Deutschland gegen ihren Willen verheiratet. „Weitere Aktionen sind dieses Jahr aufgrund der aktuellen Corona-Lage nicht möglich“, so Löbig und Wolf weiter, „darum ist es umso wichtiger, symbolisch ein starkes Signal zu setzen.“

Das „Büro für Chancengleichheit“ der Gemeinde Münster ist erreichbar unter E-Mail Chancengleichheit@muenster-hessen.de oder z 06071 3002415. (Von Thomas Meier)

Werden morgen Flagge zeigen: Tamara Wolf (links) und Kristina Löbig vom „Büro für Chancengleichheit“ der Gleichstellungsbeauftragen Münster.

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