Vom Schandfleck zum Schmuckstück

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Auch im Innern erstrahlt das Haus wie neu.

Altheim ‐ Ein gelungenes Beispiel für Gebäudesanierung konnte Bürgermeister Walter Blank in Altheim besichtigen. Sascha Merkel öffnete Tür und Tor seines vor zwei Jahren erstandenen Anwesens in der Hauptstraße 22, direkt am Feuerwehrplatz. Von Ulrike Bernauer

In einem katastrophalen Zustand befanden sich das zur Straße gelegene Wohnhaus, die rückwärtige Scheune und die zahlreichen Nebengebäude und Schuppen, die sich auf dem Grundstück drängelten. Anfang des Jahrtausends hatte die Gemeinde das Anwesen gekauft, um es wieder zu veräußern. Zahlreiche Ideen gab es für die Sanierung, unter anderem sollte ein Museum oder ein Fahrradhotel entstehen. Das waren aber alles nur theoretische Planspielchen, bis sich Merkel das Anwesen anschaute. Der Werbegrafiker mit eigenem Unternehmen interessierte sich für die Gebäude als Heimstatt für sein Grafikbüro und als Wohnung. „Ursprünglich wollten wir das Vorderhaus zur Wohnung ausbauen, haben uns dann aber dafür entschieden, den Betrieb vorne anzusiedeln“, erklärt Merkel.

Von einem harten Kampf mit dem Denkmalschutzamt erzählt er. Zwar sind die Gebäude nicht geschützt, die ganze Straße steht jedoch unter Ensembleschutz. Das bedeutet, Fassaden dürfen nicht grundlegend geändert werden und bei Putz und Fensterfarbe hat die Behörde mitzureden. „So manche Änderung konnte ich nur mit der Quasi-Drohung, das Ganze noch weiter verfallen zu lassen, durchsetzen“, erzählt Merkel. Einige Bauten seien tatsächlich in einem solchen Zustand gewesen, dass der Zusammenbruch eher eine Frage von Monaten als Jahren gewesen sei.

Scheune ist ein Anachronismus

Nun erstrahlen fast alle Gebäude in neuem Glanz, lediglich der Schweinestall wartet noch auf seine Sanierung. Das Wohnhaus ist frisch verputzt, von Baufälligkeit keine Spur mehr. Die Scheune, in der Merkel mit Frau und Tochter wohnt, ist eine gelungene Mischung aus alt und neu. Der Dachstuhl war so marode, dass er nicht mehr gerettet, sondern neu aufgebaut werden musste. Erhalten sind noch die Außenmauern und ein Teil des alten Gebälks im Erdgeschoß.

Bis auf Kleinigkeiten sind die Bauarbeiten beendet.

Die Scheune ist ein Anachronismus: Sieht sie von außen noch richtig alt aus - für die Fenster, die es ursprünglich in der Scheune nicht gab, verwendete Merkel alte Sandstein-Fenster-Pfosten aus einem Münsterer Abbruchhaus – so ist das Innere hochmodern. Auch hier focht Merkel so manches Kämpfchen mit den Denkmalschützern, eben auch um die oben erwähnten Fenster. Herumbauen musste Merkel um einen Gewölbekeller (der Erhalt war eine Auflage des Amtes), daraus resultiert eine weitere Ebene für die Küche. Entstanden ist nach liebevoller Sanierung, bei der Merkel auch oft Hand anlegte, ein wahres Schmuckstück. „Sowas kann eigentlich nur ein Privatmann realisieren“, sagt Bürgermeister Walter Blank, den es bei den Gedanken an die Auflagen für die Treppe in einem öffentlichen Gebäude sichtlich graust. „Vieles beim Umbau der Scheune hat sich erst während der Arbeit entwickelt“, erklärt Merkel, „und vieles ließ sich nur mit viel Flexibilität und Kreativität realisieren.“

Mauer unter Denkmalschutz und sanierungsbedürftig

Gebaut wird aber immer noch, nach der Sanierung von Büroräumen und Wohnhaus ist nun das Außengelände dran. Der alte Walnussbaum konnte erhalten werden. Das Kopfsteinbasaltpflaster kommt erstmal raus und wird dann wieder neu verlegt, es muss von der Höhe her angeglichen werden. „Wir haben praktisch alles wieder verwendet, was sich irgendwie noch verwerten ließ.“

Zum Abschluss vertiefen der Sanierer und der Bürgermeister sich noch in eine Diskussion über die an den Feuerwehrplatz anschließende Mauer. Die steht ebenfalls unter Denkmalschutz und ist sanierungsbedürftig. Für Bürgermeister Blank gibt es jedoch ein Resultat aus dieser gelungenen Sanierung. „Manche Dinge können Privatleute ohne die uns belastenden Auflagen viel schneller und besser realisieren.“ Blank zieht damit auch Parallelen zur Diskussionen im Gemeindeparlament, bei dem es um den Verkauf des Anwesens in der Kirchstraße 16 geht.

Quelle: op-online.de

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