Pfarrer Christoph Sames berichtet von drei Monaten in Indien

„Scharf und vegetarisch“

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Pfarrer Christoph Sames berichtete vor gut 70 Zuhörern in der evangelischen Kirche Münster von seinen Eindrücken und Erlebnissen in Indien.

Münster - Drei Monate weilte Pfarrer Christoph Sames von der Martinsgemeinde Münster in Indien. Drei Projekte hatte er zur Auswahl, um nach zwölf Dienstjahren für Abwechslung zu sorgen. Und so machte er sich vergangenes Jahr auf den Weg ins indische Hylerabat. Zurück in heimischen Gefilden berichtete er nun vor gut 70 Zuhörern in der evangelischen Kirche von seinen Eindrücken und Erlebnissen. Von Matthias Grimm

Klar, dass er auch eine Vielzahl von Bildern mitgebracht hatte, um seinen Vortrag zu illustrieren.

Sames war zu Gast im Henry Martyn Institut in Hylerabat, das sich der Versöhnung zwischen den Religionen verschrieben hat. Das Institut unterhält dazu einige soziale Einrichtungen in den Brennpunkten der indischen Millionenstadt. Angesichts der großen Armut ist Indien nicht überall ein sicheres Pflaster. Pfarrer Sames empfand das Institutsgelände deshalb als „eine Oase der Ruhe“, rund um die Uhr gesichert durch Security-Bedienstete.

Pfarrer Sames (rechts) lernte das Leben vieler Inder aus der Nähe kennen.

Christoph Sames lernte das Leben in Indien dennoch mit all seinen Facetten kennen. Die große Armut, Stromausfälle, das Gefühl, bei jeder Gelegenheit übers Ohr gehauen zu werden. Auf der anderen Seite erlebte er eine indische Hochzeit mit 400 Besuchern, genoss große Offenheit der Einheimischen und bewunderte deren Improvisationskunst.

Der Münsterer Pfarrer besuchte einen Gottesdienst in einer der größten Kirchen Südasiens. 3000 Gläubige in der Kirche – eine in Deutschland schier unglaubliche Zahl. Für die deutsche Familie war dies wohl ein großartiges Erlebnis, auch wenn dies Christoph Sames „als einer der längsten Gottesdienste in meinem Gedächtnis“ haften blieb. Und das nicht nur, „weil er satte zweidreiviertel Stunden dauerte, sondern weil Telugu gesprochen und gesungen wurde, einer Sprache, bei der man überhaupt nichts verstand.“

Am Rande des Erlebnis- und Reiseberichts von Christoph Sames konnten sich die Besucher in einer kleinen Ausstellung über die Bevölkerungsgruppe der „Dalihs“ informieren. Sie sind die „Unberührbaren“ und gesellschaftlich am untersten Rand des indischen Kastensystems angesiedelt. Sie gelten als „Ausgestoßene“ und leben von Hungerlöhnen als Rikschafahrer oder Schuhmacher. Ein handgefertigter Schuh beispielsweise bringt bei einem Verkaufspreis von 3,63 Euro gerade einmal einen Gewinn von 1,46 Euro.

Scharf und vegetarisch“ beschreibt Christoph Sames die indische Küche, auch die Besucher des Vortrags erhielten eine kleine Kostprobe. Der Pfarrer jedenfalls sehnte sich in Indien nach etwas mehr kulinarischer Abwechslung, bevor er nach drei Monaten wieder die Rückreise antrat – um zwei Kilogramm leichter.

Quelle: op-online.de

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