Wo die Scheune zum Wohnzimmer wird

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Sascha Merkel möchte die alte Hofreite zu einer gemütlichen Wohnung umbauen.

Wenn Sascha Merkel aus einem der großen Fenster unter dem Dach des Hauses in der Altheimer Ortsmitte deutet, beginnt er zu schwärmen. „Das ist doch ein unglaublicher Ausblick, oder?"

Münster - Der Werbekaufmann aus Münster ist der neue Besitzer der viele Jahre leer stehenden Hofreite an der Altheimer Hauptstraße. Seit Anfang November baut er zusammen mit zwei seiner Angestellten das an der Straße stehende Wohnhaus und die ehemalige Scheune zu Büros und Wohnung um.

Praktisch die ganze Zeit zeigt der 42-Jährige auf eine Ecke, einen Durchgang, eine Wand oder Fenster. Terrasse, große Fenster in Backsteinwänden und Giebeldach, mit Glasscheiben abgetrennte Küche – es ist zwar schon vieles erledigt, doch viel, von dem, worauf er deutet, muss sich der Betrachter noch vorstellen. Wie in einer römischen Villa wirkt der niedrige Eingang zum Gewölbekeller, „wie alt das Haus wirklich ist, lässt sich aber nicht herausfinden“, weiß der Werbefachmann.

Von der alten Scheune ist kaum etwas übrig geblieben, sie wurde komplett entkernt. „Für Stabilität sorgen nicht mehr die alten Holzbalken, sondern neue Stahlträger“, erläutert der Münsterer. Doch sehen die Wände aus Backstein noch genau so aus wie zu der Zeit, als Heu und Stroh den hohen Raum füllten. „Diese Mischung aus Alt und Modern macht den Reiz des Gebäudes aus“, ist sich Merkel sicher.

Auf die „Mischung“ nach ihren Vorstellungen hat die Denkmalschutzbehörde Wert gelegt, bevor sie grünes Licht für den Umbau gegeben hat. Etwa die Optik der Wände war der Behörde wichtig: „Es wäre viel einfacher und billiger gewesen, die Isolierung außen an die Wand zu anzubringen“, erzählt Merkel nachdenklich. Doch hätte das das Aussehen des alten Gebäudes sehr verändert – jetzt wird von innen isoliert.

Dass das Umbau-Projekt mit der Hausnummer 22 gegenüber einem Neubau an anderer Stelle keine Kostenersparnis bringt, stört den Münsterer nicht. Die zu Beginn von seinem Architekten errechneten 800 000 Euro Kosten (inklusive Kauf) entsprächen bisher den Tatsachen; die Stimmung und die Lage samt Aussicht seien es ihm aber allemal wert, stellt Merkel klar.

In spätestens einem halben Jahr sollen alle Arbeiten einschließlich der Inneneinrichtung abgeschlossen sein – dann will er samt Ehefrau und Tochter ins Anwesen einziehen. Den alten Standort in der Darmstädter Straße will er aber nicht aufgeben. „Die Produktion bleibt in Münster“, erläutert der Werbefachmann.

Ein knappes Jahrzehnt lang hatte die Gemeinde nach einem Käufer für Areal samt Gebäuden gesucht – jedoch blieb keiner der Interessenten bis zum Schluss bei der Stange. Die leer stehenden Gebäude waren in zunehmend unansehnlichem Zustand. „Als ich im Rathaus angerufen habe, um mich zu erkundigen, was es so an Gebäuden im Ort gibt, sind wir ziemlich schnell auf dieses Objekt hier gekommen“, erzählt Sascha Merkel. Anfang November lag die Baugenehmigung auf dem Tisch – seitdem wird hinter dem Tor an der Hauptstraße 22 eifrig gesägt, geschaufelt und gehämmert.

(Alexander Klug)

Quelle: op-online.de

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