Schicht um Schicht gebrannt

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Mit Seidenmalerei hat die Münsterer Künstlerin Cornelia Lang einst angefangen. Bis sie vor 17 Jahren ihre Liebe zum bemalten Porzellan entdeckte.

Münster ‐ Porzellan in allen Formen und Farben schmückt das Haus von Cornelia Lang. Kein Wunder, widmet sich die zierliche Münstererin doch der Porzellanmalerei. „Schon von klein auf habe ich gemalt und gestickt. Von Jasmin Frank

Bis vor ungefähr 17 Jahren habe ich bevorzugt auf Seide gearbeitet und mich dann eher per Zufall auf Porzellan spezialisiert“, erzählt Lang.

Sie wollte mal was anderes probieren und meldete sich bei einem Volkshochschulkurs an. Doch dieser kam nicht zu Stande. Da bot ihr die Leiterin Monika Götz spontan an, auch ohne Kurs zu ihr zu kommen. „Daraus hat sich eine richtige Freundschaft und die Begeisterung für das edle Material entwickelt“, erzählt die zweifache Mutter und vierfache Großmutter. Für ihre Enkel hat sich die Künstlerin besondere Motive einfallen lassen, schließlich essen nicht nur Erwachsene gerne von schönem Geschirr. So sind ihre Kinderteller mit fröhlichen Ritter- und Zauberermotiven entstanden. Ob sie den kleinen Kinderhänden standhalten, darüber macht sich Lang keine Sorgen: „Wenn etwas schön ist, gehen auch kleine Jungen gut damit um. Und wenn wirklich mal etwas kaputt gehen sollte, male ich es eben schnell wieder neu.“

Vorlagen müssen merhmals bemalt werden

So zügig entsteht ein Werk aus Porzellan dann doch nicht: Die weißen Vorlagen müssen mehrmals bemalt und zwischendurch immer wieder gebrannt werden. Zunächst wird die pulverige Farbe mit Öl vermischt und mit speziellen Pinseln ganz blass aufgetragen. Dann kommt schon der erste Brennvorgang, anschließend wieder eine Schicht Farbe, bis nach drei bis vier Durchgängen ein fertiges Kunstwerk entstanden ist. „Das Problem ist, dass die Farben ungebrannt leicht verwischbar sind. Als ich meine Sachen früher noch zum Brennen fahren musste, ist es schon vorgekommen, dass die Motive verschmiert sind. Ab und zu ist auch mal etwas zerbrochen, aber in der Regel hat alles gut funktioniert“, berichtet die Künstlerin, die mittlerweile einen eigenen Brennofen besitzt. Das handwerkliche Geschick und das zeichnerische Talent hat sie von ihrem Vater Theo Stork geerbt, wie Lang erzählt. „Er hat sehr gerne mit Holz gearbeitet und ganz wunderbare kleine Kistchen geschnitzt. Mein Motto ist deshalb frei nach Goethe: ‚Was du von deinen Vätern erbst, erwirb es, um es zu besitzen’“, erläutert die Münstererin. „Doch was man bekommt, muss man auch mit viel Fleiß verfeinern und ausarbeiten“, ergänzt sie.

Hangemaltes Porzellan

Neben Glocken und Engeln finden sich auch Vasen, Lampenfüße, Figuren und alle Arten von Geschirr in ihrem Ausstellungsraum. Auch die Motive sind vielfältig, wobei heimische Vögel und exotische Elefanten von ihr ebenso dargestellt werden wie Landschaften und Stillleben. Blumen aber dominieren das Werk der Münsterer Künstlerin, die auch eine Lieblingssorte hat: die Christrose. „Ich finde die Blüten einfach wunderschön. Rosen sind natürlich auch sehr attraktiv, aber sehr schwierig zu malen“, gibt die Malerin zu, die gerne einen Einblick in ihre Werkstatt gewährt, wo die Modelle in den verschiedenen Stadien bewundert werden können.

Langs Kunstwerke haben mittlerweile einige Sammler gefunden, die sich jedes Jahr auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt ein Glöckchen oder auf der „Kunst zwischen der Kerb“ einen schönen Teller gönnen. Wie bei anderen Kunstschaffenden auch, geht es Cornelia Lang aber nicht um den Verkauf, mit dem die vielen Arbeitsstunden ohnehin nicht abgegolten werden können. Vielmehr zählt die Liebe zur Malerei. Und da die junggebliebene Künstlerin, die im kommenden Frühjahr ihren sechzigsten Geburtstag feiert, nun ihre Berufstätigkeit aufgegeben hat, kann sie sich neben ihrer Familie auch der heiß geliebten Porzellanmalerei ausgiebig widmen.

Quelle: op-online.de

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