Theater an der Schule auf der Aue

Zum Schluss ein Schuss Hollywood

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Durchgeknallter Freak neben bibelfester Christin und Punk - Das schräge Berlin stellte das Aue-Theater sehr gut dar.

Münster - Nicht immer werden bei einem Theaterstück Tipps für das Publikum ausgegeben. „Schnallen Sie sich an für den multikulturellen Trubel in Berlin“, hieß es Freitag und Samstag in der Kulturhalle. Von Michael Just 

Die Theater-AG der Schule auf der Aue kündigte sicherheitshalber an, dass es gleich vom beschaulichen Münster nach Berlin, geht. Unter dem Titel „Melodys Ring“ präsentierte das Aue-Theater sein neuestes Stück. 18 Schüler (siebte bis zehnte Klasse) wirkten mit. Das verwunderte, da das Regiebuch 40 Rollen vorsah. „Einige Schüler spielen mehrere Rollen“, erklärte Lehrer Andreas von der Heyden. Lea Krämer stach dabei am meisten heraus: Mit der Natascha, einem Müllmann, einem Motorradfahrer und einem Tourist mimte sie gleich vier Rollen.

In dem Stück geht es um die Schülerin Melody (Julia Hartmann), der ein Ring abhanden kommt. Danach wird der afghanische Flüchtlingsjunge Mujo (Noah Alps), der abgeschoben werden soll, verdächtigt, ihn geklaut zu haben. Beim Versuch, das mystische Erbstück zurückzubekommen, stellt Melody fest, dass die Verdächtigungen falsch sind. Mujos positiver Charakter führt zu einer Rettungsaktion gegen die Abschiebung und sogar dazu, dass sie sich ihn verliebt.

Bei der Suche nach Mujo wird die Schülerin von einer Reihe Berliner mit Migrationshintergrund unterstützt, die dabei Vorurteile gegen Fremde ad absurdum führen.

Die Geschichte stammt von Autor Volker Ludwig, der durch „Linie 1“ bekannt wurde. „Linie 1 ist ein begeisterndes Stück, weshalb wir geschaut haben, was es von Ludwig noch gibt. Dabei sind wir auf Melodys Ring gestoßen“, erläutert von der Heyden, der mit Lehrerkollege Philipp Schumann die Regie übernahm. Das Besondere: Das Stück wurde bereits um die Jahrtausendwende uraufgeführt. Während im Original Mujo Bosnier ist, machte das Aue Theater aus ihm einen Afghanen. Momentan ist das Werk aktueller denn je: „Alles Wirtschaftsflüchtlinge, die sich die Bäuche vollschlagen!“, heißt es an einer Stelle. Wie es die Ironie der Geschichte will, bezog der Autor die Zeilen damals auf den Zustrom aus dem Osten nach der Maueröffnung.

Mit ihrer zweistündigen Aufführung boten die Aue-Schüler eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung, zu der sich tänzerische, musikalische und gesangliche Einlagen mit viel Passion und Einfühlungsvermögen gesellten. Hier verdiente sich die die Schulband (Leitung Peter Lehmler) ein dickes Lob. Äußerst gelungen wanderte das Berliner Großstadtflair auf die Bühne. Dafür leisteten die Bühnenbildner (Leitung Julia Wolf) und die Theater-Techniker (Leitung Patrick Braun) ganze Arbeit.

Interessant zeigten sich die Szenen in der U-Bahn, die meist mit Humor garniert waren. Dazu gehörte der Auftritt mit Fußball-Fans von Eintracht Frankfurt oder als sich Melody mit ihrer Freundin, von Hunger geplagt, ein Wurstbrötchen ergattert. Dem Besitzer zählt sie solange alle ekligen Wurstzutaten auf, bis diesem der Appetit vergeht. Besonders überdreht wirkte die Szene gegen Ende auf der Polizeistation. Hier verlangte die Geschichte, dass ein arabisches Elternpaar versucht, Mujo freizubekommen. Die deutschen Schüler mit Fez und Schleier produzierten mit dieser Maskerade reichlich Lacher beim Publikum. Als Nebeneffekt wurde ein schwieriges Thema entkrampft und die Spielfreude der Schauspieler rückte in den Vordergrund.

Nicht ganz glaubwürdig wirkte der Schluss, als Melody und Mujo das Liebespaar geben, ohne sich vorher richtig kennengelernt zu haben. Groß ist die Freude, als die Nachricht eintrifft, dass der arabische Junge nicht abgeschoben wird, sondern zu seinem Onkel nach Amerika darf. Mujo verspricht Melody das baldige Wiedersehen mit einem bemerkenswerten Satz: „Klar, kommt ich wieder, ich bin doch Berliner.“ Damit untermalte er die Hauptaussage der Geschichte: „Ob Türkberliner, Thaiberliner oder Schwarzberliner - Wir sind alle Berliner.“

Quelle: op-online.de

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