evangelischer Martinstreff

Schöpfung und Naturschutz: Münsters Umweltbelange

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Matthias Kisling (vorne) referierte beim Martinstreff in der evangelischen Gemeinde Münster. Die Nabu-Ortsgruppe wurde 1951 gegründet.

Münster - Der Martinstreff in der evangelischen Gemeinde in Münster steht in der Tradition des früheren Gesprächskreises „Bibel und mehr“. Der Titel verdeutlicht, dass es um weit mehr als nur um das Buch der Bücher geht. Von Michael Just

Nun stellte Matthias Kisling, zweiter Vorsitzender des Nabu Münster, den Naturschutz in Münster vor. „Das Thema passt schon deshalb zu uns, weil es um die Bewahrung der Schöpfung geht. Ob Freiheit, Gerechtigkeit oder die Schöpfung, diese Fragen verbinden alle Religionen und geben den Menschen eine Basis, ins Gespräch zu kommen“, so Pfarrer Christoph Sames bei seiner Begrüßung. In seiner PowerPoint-Präsentation, die auf eine Stunde angesetzt war und dann doch länger dauerte, schlug Kisling mit vielen Bildern einen Bogen von den Anfängen des Umweltschutz in der Gemeinde, über die Betätigungsfelder des lokalen Nabu bis hin zum dem, was jeder Einzelne zum Erhalt der Natur tun kann.

Die ersten Naturschutzbemühungen in Deutschland gehen auf die Zeit der Industrialisierung um 1850 zurück. 1899 gründete ausgerechnet die Gattin eines Unternehmers, Lina Hähnle, den Bund für Vogelschutz in Stuttgart. In Münster entstand die Ortsgruppe der Vogelschützer 1951. „Damals waren Winterfütterung, Nistkästen und Vogelkunde große Themen, aber noch keine vernetzte Ökologie“, weiß Kisling. 1990 wurde aus dem Vogelschutzbund der Naturschutzbund Deutschland, kurz als Nabu bezeichnet. Seine Aufgaben hatten sich im Lauf der Zeit um die Bereiche Amphibien, Insekten oder Wald, hervorgerufen durch das Waldsterben Ende des letzten Jahrhunderts, erweitert.

Münster hat große Naturflächen

„Münster liegt am Rande eines Ballungsgebietes. Trotzdem hat es große Naturflächen, was für die Rhein-Main-Region fast eine Seltenheit ist“, erklärte der Referent und schlug damit den Bogen zum lokalen Naturschutz. Mit einem großen Waldgebiet oder den Schutzgebieten „Auf dem Sand“ oder den „Hergershäuser Wiesen“ hätten die Naturfreunde im Ort ein umfangreiches Betätigungsfeld.

„Auf dem Sand“ gibt es, wie der Name schon sagt, sandige Böden. Über Jahrtausende transportierte der Main mit seinem Wasser jene winzigen Körnchen, die sich an seinen Ufern ablagerten und die der Wind bis in unsere Gegend transportierte. Als Folge entstanden zum Teil mächtige, nährstoffarme Binnendünen. Zunächst wuchs das Silbergras, später entwickelte sich Magerrasen inklusive einer bunten Blütenfülle. Da sich sandige Böden hervorragend zum Spargelanbau eignen, wurde das Gebiet landwirtschaftlich genutzt. 2008 kaufte der Nabu den letzten Spargelacker auf. Flora und Fauna können sich auf den erworbenen Grundstücken seitdem wieder ungehindert ausbreiten.

Wie am Erlenbach ein Wirtschaft- zum Urwald werden soll

Schon 1976 verschwand ein Teil der Dünen, die für den Bau der B 45 herhielten. Heute zeigt sich in diesem Bereich ein wertvolles Feuchtgebiet, das der Nabu Münster in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und der Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg für den Naturschutz gesichert hat und mit viel Aufwand gestaltet. In den flachen Tümpeln leben Amphibien, darunter Kreuzkröte und Laubfrosch. Zahlreiche Vogelarten brüten hier und nutzen das Gebiet als Rastplatz auf dem Zug in ihre Winterlebensräume.

In seinem Vortrag zeigte Kisling als weitere Schwerpunkte auf, wie am Erlenbach ein Wirtschaftswald zum Urwald werden soll und wie die Hergershäuser Wiesen im Lauf der Jahrzehnte einem mehrfachen Wandel ausgesetzt waren. Die Begradigung der Gersprenz und ihre spätere Rückführung in ihr natürliches Bett stellten dabei nur einen Aspekt dar. Was wäre Münster ohne seine Störche? Die Erfolgsgeschichte der Weißstörche, die 2011 in Hessen mit 229 Paaren brüteten, vergaß der Mann vom Nabu ebenfalls nicht. Blieb zum Schluss die Frage, was jeder engagierte Bürger zum Erhalt der Natur tun kann. Keine Chemie im Garten, ein umweltfreundliches Konsumverhalten und vielleicht einmal bei einem Arbeitseinsatz des Nabu mitanpacken waren hier die Antworten.

Quelle: op-online.de

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