Kinder für Literatur begeistern

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Inge Zahns Ziel ist es, Kinder für Literatur zu begeistern.

Münster - Lesen, erzählen und schreiben – diese drei Tätigkeiten haben es Inge Zahn angetan. Hauptberuflich ist sie Lehrerin an der John-F.-Kennedy-Schule in Münster. Aber auch darüber hinaus arbeitet sie viel mit Kindern zusammen. Und dann schreibt sie noch Bücher. Von Jasmin Frank

Zahlreiche hat die Autorin bereits verfasst, tief in ihrem Herzen ist sie Lyrikerin. Aber auch Kinder- und Jugendbücher schreibe sie sehr gerne, sagt sie. „Über die Arbeit mit meinen Schülern bin ich zu diesem Genre gekommen“, ergänzt die in Dieburg wohnhafte.

Bereits seit fünf Jahren leitet Zahn eine AG, die Kinder zum Lesen und Erzählen, aber auch zum eigenständigen Verfassen von Geschichten anregen soll. „Wichtig ist es, Vorurteile abzubauen und allen Kindern eine Chance zu geben. Eine gute Sprache ist die Basis unserer Bildung“, befindet die Schriftstellerin. Sie erklärt den Kindern deshalb auch Wörter, die sie nicht verstehen, und macht Silben-, Klatsch- und Leseübungen.

In einem Rutsch sieben Seiten lesen

„Manch ein Lehrer ist erstaunt, dass ich die Jungen und Mädchen dafür begeistern kann, in einem Rutsch gleich sieben Seiten zu lesen“, freut sich Zahn. Sie schafft für die Kinder auch eine Atmosphäre, in der sie sich wohlfühlen können: Kerzen, Kekse und Klangschale sind immer mit dabei. „Wer noch nicht so gut schreiben kann, malt eben seine Geschichte, so fühlt sich jeder sofort eingebunden. Zudem kommt es mir auch auf das Erzählen an, denn die richtige Betonung und ein spannender Vortrag sind durchaus eine respektable Leistung, nicht nur für Kinder“, sagt sie.

Zahn ist nicht nur in der Münsterer Grundschule ein gern gesehener Gast, auch in der örtlichen Bücherei taucht sie immer wieder zu Lesungen auf. Dabei hat die rüstige Seniorin noch einiges mehr zu tun: Denn sie leitet auch den Freien Deutschen Autorenverband (FDA) Landesverband Hessen und hat darüber internationale Kontakte. „Wir tauschen uns im FDA mit Schriftstellern aus vielen Ländern aus: Russland, Polen, dem Baltikum, Frankreich oder der Schweiz. Wir pflegen natürlich auch intensive Kontakte innerhalb Deutschlands. Regelmäßig veröffentlichen wir einen Hessenrundbrief, zu dem unsere Mitglieder alle Arten von Lyrik und Prosa beisteuern, außerdem organisieren wir Fachtagungen“, zählt Zahn auf.

Disziplin und Ordnung gelernt

Management und Organisation sind für Inge Zahn zusätzlich Tätigkeitsfelder, in denen sie sich gekonnt bewegt. Sie sagt: „Ich wollte eigentlich Journalistin oder Schauspielerin werden, aber mein Vater hat mich gezwungen, einen kaufmännischen Beruf zu erlernen. Ich habe das nie bereut, denn so habe ich Disziplin und Ordnung gelernt – von der Ankunft eines Schriftstückes im Briefkasten bis zu dessen Ablage.“

Ganz nebenbei gibt Zahn im Verband anderen Schriftstellern Tipps mit auf ihren Schaffensweg, versucht sie zu motivieren: „Gerade hat ein begnadeter Autor einfach aufgeben wollen, da bekam er von mir eine richtige Schelte. Nun hat er mir seine neuesten Texte, die er mit eindrucksvollen Fotografien kombiniert hat, zugesandt und sie sind wieder einmal wunderbar geworden“, erklärt sie und greift gleich zu den Gedichten, um sie zu rezitieren.

Ein gutes Dutzend Bücher hat Inge Zahn selbst bereits verfasst und zum großen Teil im Eigenverlag „Blaue Feder“ publiziert. Nach ihrer Ausbildung hat sie in einem Fernstudium englische und französische Literatur studiert und beide Stile fließen in ihre Werke ein. „Englische Literatur ist eher verknappt, französische mehr gewunden, aber beides hat seinen Charme“, erklärt Zahn, die ihre Geschichten mit einem guten Schuss Surrealismus mischt.

In ihrem neuesten Roman „Zauber in der Anderswelt“, reisen zwei Teenager, Céline und Laura mit den Eltern aus dem Odenwald nach Frankreich an den Atlantik. Dort entdecken die beiden Pferdenärrinnen am Strand Hufen-Spuren, folgen ihnen und gelangen so zu einem Reiterhof. Das Abenteuer beginnt dann. Sagen aus dem Odenwald kommen in dem Werk vor, das Thema Freundschaft und auch Vorurteile werden behandelt, auch Magie und Psychologie fehlen nicht. „Literatur soll den Leser fesseln, darf aber auch sozialkritisch sein und zum Nachdenken anregen“, befindet sie. Für weitere Bücher hat sie schon reichlich neue Ideen.

Quelle: op-online.de

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