Schritte, die auch Nicht-Tänzer verstehen

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In ihr Vereinsheim im Breitefeld laden die Münsterer „Rodeo-Dancers“ einmal im Monat Gleichgesinnte aus der ganzen Region zum Frühschoppen ein.

Münster - „One sunny day, i’ll be back again“ klingt Roy Orbisons „California Blue“ aus den Lautsprechern. Im Abstand von rund zwei Metern tanzen Männer und Frauen vor- und nebeneinander. Alle Fußbewegungen und Körperdrehungen sind synchron, einige Männer tragen Cowboy-Hüte. Die „Rodeo-Dancers“ haben, wie an jedem ersten Sonntag im Monat, Freunde und Anhänger des „Line-Dance“ zum Frühschoppen in ihr Clubheim im Breitefeld eingeladen. Von Michael Just

Mit Standard-Tänzen konnte ich noch nie so richtig was anfangen“, erzählt Stefan Kraupner. Der 39-Jährige hat vor drei Jahren mit seiner Frau und zwei befreundeten Pärchen die „Rodeo-Dancers“ gegründet. Zwar könne er ein bisschen Fox tanzen, doch das „Hin- und Herschieben“ sei noch nie sein Ding gewesen. Mit dem „Line-Dance“ habe seine vormals bescheidene Tanzleidenschaft eine Wende erfahren. „Das können auch Nicht-Tänzer wie ich“, sagt der Datenverarbeiter aus Altheim und schickt die Vorzüge gleich hinterher: „Alles ist freier und ungezwungener. Du brauchst keinen Partner und der Spaß steht im Vordergrund.

Die Ursprünge des „Line-Dance“, was übersetzt „Linien-“ oder „Reihen-Tanz“ bedeutet, liegen im 20. Jahrhundert in den USA. Die wichtigsten Grundlagen bilden Country-Musik, Rock’n’Roll-Oldies und Pop-Musik. In den europäischen Diskotheken wurde der Tanzstil ab den 1960ern vor allem zu Pop-Rhythmen übernommen. Die meisten Anhänger in Europa finden sich heute in Deutschland, England, den Niederlanden und in Österreich.

Kontakt:

Wer Interesse am “Line-Dance„ hat, erhält weitere Informationen unter 0176/49044718 oder im Internet unter rodeodancers.de. Dort gibt es auch Informationen über Anfängerkurse und Workshops.

Im Internet existieren mittlerweile Plattformen, wo Autoren im wöchentlichen Abstand neue Tänze beziehungsweise Schrittfolgen kreieren. Die dazugehörigen Beschreibungen können heruntergeladen und einstudiert werden. Meist gibt es zu einem Lied eine darauf abgestimmte Choreografie. Die Schrittkombinationen werden in so genannten „Counts“ gezählt. Diese wiederholen sich – je nach Schwierigkeitsgrad – in der Regel nach 16, 32, 48, 64 oder 72 Schritten. Je nach Anzahl und Abfolge der im Tanz enthaltenen Drehungen können die Tänzer am Ende in eine andere Richtung blicken. „In der Regel kann man die Schrittfolge zu einem Lied in einer halben Stunde lernen“, erzählt Kraupner. Über die letzten sechs Jahre habe er auf diese Weise schon rund 350 Tänze gelernt. Dass sich die nicht alle behalten lassen, versteht sich von selbst: „Die älteren fallen im Lauf der Zeit weg“, weiß der Altheimer. Sein Freund und Mitbegründer Manfred Musel (46) schätzt vor allem die weltweite Verbundenheit der Line-Dancer: „Du kannst hinfahren wo du willst: Es kommt ein Lied und du tanzt weltweit dasselbe“, sagt der Transportunternehmer. Von einem Online-Shop in Amerika haben sich die „Rodeo-Dancers“ einheitlich im Westernstil eingedeckt. Wie Musel sagt, sei diese Kleidung durch die Anlehnung an die Country-Musik entstanden. Im eigentlichen Sinne hätte sie mit dem „Line-Dance“ aber nichts zu tun.

Derzeit verfügen die „Rodeo-Dancers“ über rund 30 Mitglieder. Sieben kommen aus Münster, der Rest aus der Umgebung. Die Altersspanne reicht von 15 bis 60 Jahren. Das neue Vereinsheim in Breitefeld bezog man erst zu Beginn des Jahres. Auf 90 Quadratmetern bietet es reichlich Platz für Tanz und Geselligkeit. Davor traf man sich in einer Gaststätte in Gundernhausen. Um das gemietete Vereinsheim zu finanzieren, veranstaltet man neben dem monatlichen Frühschoppen einmal im Jahr eine große Country-Night mit Live-Musik. Die dritte Neuauflage vor wenigen Wochen in der Eppertshäuser Mehrzweckhalle war mit 250 Besuchern aus der gesamten Region ausverkauft.

Welche Leidenschaft der „Line-Dance“ entfachen kann, wird an Stefan Kraupner und Manfred Musel sichtbar: Mit ihren Frauen besuchen sie fast 20 Veranstaltungen anderer Clubs im Jahr und sind so jedes zweite oder dritte Wochenende unterwegs. Zum Teil führt der Weg bis nach Luxemburg. Die Söhne von Musel geben als „Nachwuchs-Teacher“ bereits ihr Wissen weiter. Im nächsten Jahr wollen die „Rodeo-Dancers“ eine Open-Air-Veranstaltung zum Vatertag in Münster organisieren.

Quelle: op-online.de

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