Schüler aus Polen und Deutschland schwofen gemeinsam

Maitanz der Völkerverständigung

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Musiklehrerin und hier Frontfrau Johanna Kintopf studierte mit den polnischen Gästen und Aue-Schülern einen Showtanz ein: Zu Phil Collins‘ „You Can’t Hurry Love“ zeigten sie nun beim Maienschulfest vor dem Portal der Aueschule eine erstaunlich gut funktionierende Choreographie.

Münster -  Deutsche und Polen sind mittlerweile gute Nachbarn. Als vor 27 Jahren die Regierungen den deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag unterzeichneten, war das noch mehr Wunsch als Wirklichkeit.

Damals war nur schwer vorstellbar, wie selbstverständlich heute Polen nach Deutschland und Deutsche nach Polen reisen. Seit 2002 gibt es den Austausch von Schülern auf der Aue mit Schülern aus Warschau. Auf die Frage, was ihr in Deutschland am besten gefallen habe, weiß Patricia (14) sofort eine Antwort: „Die Menschen!“ Die Schülerin aus Warschau, die vor zwei Wochen zum ersten Mal nach Deutschland reiste, schwärmt von der Freundlichkeit insbesondere der Münsterer: „Wir wurden sehr nett aufgenommen“, blickt sie zurück. Patricia war gemeinsam mit 26 weiteren Schülern und zwei Lehrern aus Warschau für zehn Tage an der Gersprenz zu Gast. Am Montag feierten sie gemeinsam mit Münsterer Schülern und deren Eltern im Foyer und auf dem Hof der Schule auf der Aue in den Mai. Gestern flogen sie wieder zurück in Polens Hauptstadt. Sabine Behling, Direktorin der Aueschule, die den Austausch seit 2002 im Programm hat, der 2003 erstmals realisiert wurde, dankte insbesondere den Eltern der Aueschüler: „Ohne sie als Gastgeber wäre das nicht möglich.“ Gerade in den aktuell „politisch unruhigen Zeiten“ sei der Polen-Austausch ein wichtiges „Zeichen der Völkerverständigung“.

Diese pflegte Sylwia Jakiela, Deutschlehrerin aus Warschau, nun bereits zum 15. Mal, so oft war sie schon zu Gast in Münster. Zum ersten Mal wurde sie nun von Spanisch-, Französisch- und Geografielehrer Kamil Mankin begleitet, der sich sofort in Münster „verliebt“ habe, wie er beteuerte. Er käme gerne wieder und wolle fleißig Deutsch lernen, damit er sich dann besser verständigen kann. Diesmal lief die Kommunikation auf Englisch.

Der 15-jährige Rafal lernt zwar seit eineinhalb Jahren Deutsch in der Schule, doch mit dem Sprechen laufe es noch nicht so gut. Sein Gastgeber Marlon (15) findet das jedoch nicht schlimm: So verbessere sich automatisch sein Englisch. Kamil (15) ist da etwas mutiger, er lernt Deutsch jedoch auch schon seit drei Jahren: „Ich bin das zweite Mal in Deutschland. Große Unterschiede zwischen Polen und Deutschen kann ich nicht erkennen“, erzählt er. Lediglich die Bratwurst, die er mit seinem Gastgeber Fabian (15) gegessen habe, habe er noch nicht gekannt. „Ansonsten ist Münster ähnlich groß wie mein Wohnort: Ich lebe am Stadtrand von Warschau“, sagt er.

Patricia (14), die vorübergehend Ninas Familie vergrößerte, gefiel es besonders gut in Frankfurt: Dort waren die Mädchen shoppen, zudem besuchte die Schülergruppe die Paulskirche und das Goethehaus. Gabi (15) spricht schon recht passabel Deutsch: Ihr gefiel es besonders im Münsterer Freizeitzentrum, wo alle gemeinsam feierten. „Heidelberg ist wunderschön“, schwärmt sie, und bei ihrer Gastgeberin Marie (15) habe sie sich „sehr wohl“ gefühlt.

Gleich am ersten „Austausch-Tag“ studierten alle Schüler mit Musiklehrerin Johanna Kintopf in der Gersprenzhalle einen Showtanz ein: Zu Phil Collins‘ „You Can’t Hurry Love“ führten sie nun beim Fest vor dem Portal der Aueschule eine erstaunlich gut funktionierende Choreographie auf. „Wir haben nur zwei Schulstunden geübt, und dafür klappt das super“, schwärmt Kintopf, die polnische Wurzeln und Verwandtschaft in Warschau hat. Ihre polnische Kollegin Jakiela ließ sich wenig später auch von ihren High-Heels nicht aufhalten und initiierte einen Paartanz zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen: So tanzten alle auf dem Schulhof gemeinsam in den Mai. Vorher hatte bereits die Aue-Schülerband unter der Leitung von Peter Lehmler die Stimmung angeheizt. Der ACDC-Klassiker „Highway To Hell“ musste zweimal „gerockt“ werden: Das Publikum forderte lautstark eine Zugabe.

Auf dem zehntägigen Austauschprogramm standen für die polnischen Schüler neben Ausflügen nach Frankfurt und Heidelberg auch Besuche von Darmstadt und Wiesbaden sowie eine Rheinfahrt – und dies bei bestem Frühsommerwetter. Begleitet wurden sie dabei häufig von den Auelehrern Doris Becht und Philipp Schumann, die das Austauschprogramm maßgeblich organisierten und bereits seit sechs Jahren mit den Aueschülern im Herbst gen Osten reisen. „Wir verbringen zunächst einige Tage in Warschau, bevor wir Städte wie Krakau und Danzig erkunden“, erzählt Schumann. In diesem Herbst stehe die Region Danzig auf dem Programm. „Polen blickt auf eine bewegte, spannende Geschichte zurück, was für mich als Geschichtslehrer besonders reizvoll ist“, erzählt er. Neben der Völkerverständigung sei es ihm stets wichtig, die Schüler über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuklären, und dafür biete Polen mit den Konzentrations- und Vernichtungslagern Orte, die man als Schüler „nie vergisst“. (tm)

Quelle: op-online.de

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