Schwarze Biokohle auf magere Äcker

Erfolgversprechende Feldversuche in Münster könnten Vorteile für Wasser- und Landwirtschaft bringen

Ein fermentiertes Biokohle-Substrat wird auf dem Versuchsfeld von Susanne Ries bei Eppertshausen aufgebracht.
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Ein fermentiertes Biokohle-Substrat wird auf dem Versuchsfeld von Susanne Ries bei Eppertshausen aufgebracht.

Mit dem Einbringen von Biokohle in den Boden heimischer Äcker sollen die Nitratwerte des Grundwassers verringert und die Erträge auf den Feldern gesteigert werden. Ob solche das Grundwasser schonende Landbewirtschaftung langfristig Erfolg beschert, wird seit einigen Jahren in Feldversuchen ermittelt. Am Langzeittest beteiligen sich auch heimische Landwirte.

Münster – Der Miststreuer von Münsters Landwirtin Susanne Ries leistet ganze Arbeit auf einem Versuchsacker vor Eppertshausens südlichem Gewerbegebiet. Eigentlich ein normaler Anblick, wäre die Ladung statt typisch stark ausdünstendem Mist nicht eine ganz besondere Mischung gewesen. Das Biokohle-Substrat wurde von weit her herangekarrt, es stammt aus der Produktion eines Herstellers aus Rheinland-Pfalz. Die untergemischte Biomasse Stroh steuerte der Wiesenhof von Ries bei. Vor drei Jahren entschloss sich die Ortslandwirtin von Münster, Eppertshausen und Altheim, am subventionierten Experiment teilzunehmen.

„Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend“, sagt Agrar-Diplomingenieur Christoph Puschner vom das Projekt betreuenden Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach. Und dem kann Projektleiter Andreas Schwarz, DiplomGeoökologe des Gutachterbüros TerrAquat aus Nürtingen, am Versuchsfeld nur zustimmen. Vor sechs Jahren begannen die Experimente mit der Biokohle, Terra-preta, auf Feldern des Schaafheimer Landwirts Gerhard Sauerwein, vor drei Jahren bei Ries und einem Landwirt in Langstadt. Die drei Testflächen verbindet, dass sie stark sandhaltig und eher ertragsschwach sind.

Gespannt auf Ergebnisse des Feldversuchs (von links): Landwirtin Susanne Ries, Geoökologe Andreas Schwarz und Agraringenieur Christoph Puschner.

Biokohle ist keine Erfindung der Neuzeit. Im Amazonasgebiet gibt es seit Jahrhunderten Terra-preta-Böden. Das sind bis zu zwei Meter dicke schwarze Schichten, in denen viel Holz- und Pflanzenkohle vorkommt, Dung sowie menschliche Exkremente. Sie entstanden durch die Bewohner, indem diese ständig Asche, Knochen, Gräten und sonstige „Küchenabfälle“ ausbrachten. Terra preta kann Nährstoffe viel besser halten als gewöhnlicher Urwaldboden und ist daher sehr fruchtbar.

Agrarwissenschaftler wollen heute daran anknüpfen und Biokohle nutzen, um schwache Böden zu verbessern. Ihren Studien zufolge sind im Schnitt zehn Prozent Ertragssteigerung möglich. Doch die Tücke liegt im Detail. Je nachdem, aus welchen Pflanzen die Kohle hergestellt wurde, sind auch negative Effekte auf die Mikroorganismen des Bodens und die Fruchtbarkeit denkbar.

Zudem sind Pflanzenkohlen hierzulande nicht in der erwünschten Menge verfügbar. Und es ist viel Biomasse wie Stroh oder Kraut erforderlich, um den Bodenverbesserer herzustellen. Die aus Buchenholz hergestellte Biokohle aus der Pfalz jedenfalls wird angereichert mit Kompost und das Ganze dann nochmals fermentiert, erklärt Schwarz.

Wasserversorger seien die Hauptauftraggeber von TerrAquat. Für die Feldversuche habe man Landwirte ausgewählt, die bereitwillig ihre mageren Äcker mit schlechten Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeiten für die Langzeittests zur Verfügung stellten. Solche Böden mit hoher Nitrat-Austragungsgefährdung dienen als Versuchsobjekte. Ihr Humusanteil wird mit der Behandlung gestärkt, die Langzeitstabilität erhöht. Zudem werde über den Humus Kohlenstoff gebunden und somit dem Kreislaus entzogen. „Für Wasserwirtschaft und Landwirte ergibt sich eine Win-Win-Situation“, sagt der Geoökologe.

Der Nitrateintrag auf dem Feld von Landwirtin Ries liegt laut Agraringenieur Puschner bei 20 Milligramm pro Liter, der Grenzwert bei 50 Milligramm: „Wir haben hier im Raum gute Werte, wollen die aber auch langfristig sichern oder gar verbessern.“

Das kostet freilich Geld, wenn auch noch nicht für die am Test teilnehmenden Landwirte. Am Dienstag wurden auf 540 Quadratmeter Acker sechs Kubikmeter Biokohle aus der Pfalz aufgebracht. 65 Tonnen des Substrats sollen auf einen Hektar Land kommen, sagen die Wissenschaftler. Das würde teuer, rechne man allein die Transporte. Und auch das Material selbst ist noch recht kostspielig. Wird dem Experiment allerdings einmal Erfolg beschieden sein, könnte man sich Biokohle-Produktionsstätten vor Ort vorstellen. Interessierte Landwirte könnten sich zu Kollektiven zusammenschließen.

Die derzeitigen Kosten für die Versuche beziffern Pusch-ner und Schwarz auf bislang rund 15 000 Euro. (Von Thomas Meier)

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