Seilspringen gegen Bewegungsarmut

+
Bei der Vorführung am langen Seil hatten die Schüler besonders viel Spaß.

Altheim - Trendige Musik klingt an diesem Morgen laut aus der Turnhalle neben der Altheimer Regenbogenschule. 18 Schüler hüpfen und springen im Takt der Beats über neonfarbene Seile, bis die Backen glühen und die Herzen wild schlagen. Von Ellen Jöckel

„Skipping Hearts“ heißt hüpfende Herzen und ist der Titel eines Präventionsprojekts der Deutschen Herzstiftung Frankfurt.

Unter dem Motto „Seilspringen macht Schule“ möchte der Verein Kinder dazu motivieren, sich mehr zu bewegen. Johannes Siemes ist Workshop-Leiter und zeigt den Kindern aus der Klasse 3a gerade wie sie auf verschiedenste Weise zusammen mit einem Partner springen können.

Doch das ist leichter gesagt als getan: Immer wieder bleibt das Seil an Füßen, Köpfen und Schultern hängen. Doch nach ein wenig Übung klappt es immer besser. „Das Schöne am Seilspringen ist, dass die Kinder in relativ kurzer Zeit Erfolgserlebnisse haben. Wenn sie einmal gemerkt haben, dass es immer besser funktioniert, sind sie motiviert“, hat Klassenlehrerin Rebecca Mantey bei ihren Schülern beobachtet. Vor zwei Jahren hat die Sportlehrerin die Klasse für den kostenlosen Kurs angemeldet. Das geht ganz einfach unter www.skippinghearts.de. „Ich hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass es klappt. Aber dann erhielt ich einen Anruf. Dann lief alles sehr schnell und problemlos“, berichtet sie. Finanziert wird die zweistündige Schulung aus Spenden der Deutschen Herzstiftung. „Die Stiftung investiert viel Geld in dieses Projekt“, weiß Johannes Siemes. Weltweit sei bereits mehr als jedes fünfte Schulkind übergewichtig. Stundenlanges Fernsehen oder sitzen am Computer und eine ungesunde Ernährung seien die Ursachen für diese dramatische Entwicklung. Dem will die Deutsche Herzstiftung mit „Skipping Hearts“ entgegenwirken.

„Die Kinder sollen wieder Spaß an Sport gewinnen. Oft hindern die Kosten und die zeitliche Gebundenheit Schüler daran, in einen Sportverein einzutreten. Das Rope Skipping, wie das sportliche Seilspringen genannt wird, ist eine gute Alternative. Die Kinder bewegen sich, ohne sich binden zu müssen“, hebt Siemes hervor. Der 18-Jährige aus Aschaffenburg absolviert derzeit ein freiwilliges soziales Jahr in einem Tennisclub und führt in seinen freien Zeiten an Grundschulen im Umkreis von 70 Kilometern Skipping-Heart-Kurse durch. „Das Projekt ist in den vier Jahren, seit es ins Leben gerufen wurde, stetig gewachsen. Aktuell wird das Bewegungsprogramm an Schulen in sechs Bundesländern mit rund 100 Übungsleitern in Anspruch genommen“, sagt der Sportbegeisterte.

Gut angenommen wird die koordinations- und konditionsfördernde Bewegung auch von den Jungen der dritten Klasse aus der Regenbogenschule. „Jungen tun sich darin in der Regel schwerer als Mädchen. Aber wenn die Jungs sehen, dass es die Freunde zunächst auch nicht so gut können, ist es ihnen nicht mehr peinlich, schlechter als die Mädchen zu sein. Aber auch sie haben sich in der kurzen Zeit extrem gesteigert“, hat Rebecca Mantey registriert.

Am Ende der etwas anderen Sportstunde präsentieren die Schüler die eben gelernten Springtechniken mit professionell klingenden Namen wie „Side Straddle“, „Jogging Step“ oder „Criss Cross“ vor allen Regenbogenschülern, Lehrern und Eltern.

Besonders bei der Vorführung am langen Seil, bei dem ganze Teams Arm in Arm geschickt durch das schwingende Seil rennen müssen, ohne es zum Stoppen zu bringen, brechen kaum zu bändigende Begeisterungsstürme unter den Schülern aus. Zum Schluss dürfen sich alle im Rope Skipping ausprobieren, und wer will, kann ein Springseil erwerben. Schüler wie Lehrer springen, was das Zeug hält, bis die Herzen hüpfen vor Freude und vor Anstrengung.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare