Selbstbehauptungskurs

Nein zu Schlabberküssen

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Auch mit Hilfe des Buches „Mein Körper gehört mir“ von Profamilia lernen die Altheimer Kindergartenkinder beim Sicherheitstraining selbstbewusst „nein“ zu sagen und unangenehme Berührungen abzuwehren.

Altheim - Ein ohrenbetäubendes „Ja“ gefolgt von einem nicht minder lautstarken „Nein“ dringen aus Kinderkehlen im Bewegungsraum des Evangelischen Kindergartens Altheim. An zwei Vormittagen lernen 16 angehende Schulkinder sich selbst zu behaupten. Von Ellen Jöckel

Petra Jung vom Sicherheitstraining Professionell (STP) fordert von den Kindern, was sie sonst überhaupt nicht dürfen: „Schreit das Nein so laut wie ihr könnt!“.

Das lassen sich die Knirpse nicht zweimal sagen. Doch es gibt auch solche, die sich lieber die Ohren zu halten. „Wenn ihr eine Meinung habt, dann dürft ihr die auch behalten“, ermutigt Jung, die regelmäßig einmal im Jahr den Altheimer Kindergarten besucht. Dabei geht die Diplomsozialpädagogin nach einer von Polizei und Psychologen entwickelten Methode vor, in der das Selbstbewusstsein gestärkt wird, um Gewalt zu verhindern (mehr unter: www.sicherheitstraining-professionell.de).

Verhalten der Kinder untereinander

Im ersten Teil des Trainings geht es um das Verhalten der Kinder untereinander. In Spielen, bei denen Jung in die Rolle des besten Freundes, der großen Schwester oder des kleinen Cousins schlüpft, lernen die Fünf- bis Sechsjährigen deutlich Grenzen zu setzen, wenn diese vom Gegenüber überschritten werden. „Stopp, lass‘ mich in Ruhe“, sagt der kleine Ben bestimmt und hält der Trainerin den ausgestreckten Arm mit erhobener Hand entgegen. Jung hatte zuvor in der Rolle als großer Bruder Macht auskostend versucht, sein Geschwisterkind zum Aufräumen seines eigenen Zimmers zu zwingen.

„Was könnt ihr tun, wenn derjenige nicht aufhört, euch zu ärgern“, will Jung von ihren Schützlingen wissen. „Die Mama holen“, kommt es prompt. Instinktiv wissen die Kleinen, wie sie sich richtig verhalten. Denn körperlich können sie gegen die Großen nichts ausrichten. Die Kinder lernen, auf ihr Bauchgefühl zu hören. „Genauso wie ihr merkt, dass ihr Hunger habt oder wie es beim Karussellfahren im Bauch kribbelt, so fühlt ihr es auch, wenn euch jemand zu nahe kommt. Dabei hat jeder von euch ein eigenes Bauchgefühl, wie nahe ihr jemanden an euch heranlassen wollt“, verdeutlicht Petra Jung behutsam.

Gewaltprävention hinsichtlich Grenzüberschreitungen

In der zweiten Hälfte des anderthalbstündigen Kurses eines Vormittags geht es dann hauptsächlich um Gewaltprävention hinsichtlich Grenzüberschreitungen von Erwachsenen. Die Kinder bekommen von Mandy Schmuggerow, die zur Sicherheitstrainerin ausgebildet wird, aus dem Buch „Mein Körper gehört mir“ von Profamilia vorgelesen. In der Geschichte erzählt Klara, dass sie stolz auf ihren Körper ist, gerne mit Papa schmust, aber nasse Schlabberküsse nicht mag. „Wir achten ganz besonders darauf, bei den Kindern keinerlei Ängste zu wecken, oder eventuell bestehende Ängste zu schüren“, erläutert Kursleiterin Jung.

So kommt der Spaß nicht zu kurz. Es bleibt durchweg spannend für die kleinen Kursteilnehmer, indem zwischen ruhigen und aktiven Methoden, wie Geschichten, Interaktionsspielen und Bewegungsübungen, hin und her gewechselt wird. Damit die Eltern und Verwandten sich nicht über ihren Sprössling wundern, der plötzlich mit erhobener Hand „Stopp, lass‘ mich in Ruhe“ ruft, gibt es im Vorfeld zum Training schriftliche Informationen oder, wenn gewünscht, einen Elternabend zum Thema.

Gute Erfahrung mit dem Kurs

Seit Jahren habe Kindergartenleiterin Iris Kurz-Wolf gute Erfahrung mit dem Kurs gemacht. Er bringe sogar einen generationsübergreifenden Effekt mit sich, denn die großen Kindergartenkindern machten den kleinen das Erlernte vor.

Die Hälfte des Teilnahmebeitrags sei durch die Einnahmen vom vergangenen Kinderkleiderbasar finanziert worden, informiert Kurz-Wolf. Der Frühjahrsbasar des evangelischen Kindergartens findet am kommenden Samstag von 10 bis 13 Uhr in der Sport- und Kulturhalle in Altheim statt. Bei reger Teilnahme kann auch die nächste Generation im Kindergarten im kommenden Jahr vom Sicherheitstraining profitieren.

Quelle: op-online.de

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