Buchstabensalat vor Matheaufgabe

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Ingrid Quint und Heike Unterleider sind für Fragen rund um Legasthenie und Dyskalkulie die Ansprechpartnerinnen vor Ort.

Münster - „Nur wer ein Kind hat, das von einer Leserechtschreibschwäche oder von Dyskalkulie betroffen ist, weiß, welchen Leidensdruck die Kinder und die Familien aushalten müssen. Von Jasmin Frank

Trotz Übungen und Trainings kommen die Kinder in der Schule nicht voran, dort wird ihnen häufig nicht adäquat geholfen. Hinzu kommen Untersuchungen und Tests bei vielerlei Ärzten“, weiß Heike Unterleider. „Du bist schlecht!“, ist die Mitteilung, die Jungen und Mädchen immer wieder glauben zu empfangen, wenn ihnen wiederholt Geübtes nicht gelingt.

Die engagierte Mutter, die selbst ein betroffenes Kind hat, wollte diese Situation nicht länger hinnehmen und macht sich deshalb in der Münsterer Selbsthilfegruppe für Legasthenie und Dyskalkulie für die Rechte und die Möglichkeiten dieser Kinder stark. Ihr zur Seite steht Ingrid Quint, die ebenfalls aus der Erfahrung in der Familie weiß, was die Jungen und Mädchen durchmachen müssen.

Akute Spannungen in den Familien

„Immer wieder rufen verzweifelte Eltern bei uns an und wissen keinen Ausweg mehr. Die vielen Übungseinheiten, die insbesondere die Mütter mit den Kindern absolvieren müssen, führen zu akuten Spannungen in den Familien. Hinzu kommt, dass einige Schulen den Schülern nicht nur keine Unterstützung gewähren, sondern sie auch noch blockieren“, weiß die Münstererin. Der Verein ist seit 20 Jahren als Ortsgruppe des Landesverbands Legasthenie und Dyskalkulie Hessen im Einsatz und hat auch Positives zu berichten, so ist Legasthenie mittlerweile allgemein anerkannt und Möglichkeiten wie Nachteilsausgleich, Notenschutz und Fördermaßnahmen stehen prinzipiell zur Verfügung.

Doch der gleiche Kampf, der damals gegen die Benachteiligung in diesem Bereich geführt wurde, wird jetzt für die Dyskalkulie ausgefochten. „Die betroffenen Kinder haben ein generelles Problem mit allen Arten von Räumlichkeit, das bedeutet, dass sie Mengen, Längen, Entfernungen und Größen nicht automatisch abschätzen können. Trotz normaler Intelligenz ist ihnen nicht automatisch klar, dass zwölf mehr ist als drei“, erläutert Quint, die sich auf diesen Bereich spezialisiert. Die Diplomphysikerin hat sich weitergebildet und hilft nun auch Kindern, die betroffenen sind, direkt weiter.

Beide Mütter sind für alle Arten von Fragen der Eltern da und stehen ihnen mit Rat und Tat beiseite. „Oft ist es für die Betroffenen schon gut zu wissen, dass sie nicht alleine sind. Alle haben die gleichen Probleme, insbesondere mit den Schulen. So kommt es vor, dass Kinder, die von Legasthenie betroffen sind, zwar Unterstützung im Fach Deutsch erhalten, aber nicht in anderen Fächern, auf die die Problematik ausstrahlt. Wie soll ein Kind in Mathematik Textaufgaben lesen und verstehen, wenn es eine Leseschwäche hat? Hier müssen Eltern oftmals mit jedem Fachlehrer separat Gespräche führen und Vereinbarungen treffen, was gerade auf weiterführenden Schulen eine zeitaufwändige Strapaze ist“, erläutert Unterleider.

Last auf die Schultern der Eltern abwälzen

Während einige Schulen die Last auf die Schultern der Eltern abwälzen, haben die beiden gute Erfahrungen mit der Münsterer Schule auf der Aue gemacht, die in der Eingangsstufe alle Schüler auf LRS testet und dann eine Förderung nach individuellem Bedarf veranlasst. „Wir sehen unsere Selbsthilfegruppe als Unterstützung in verschiedenen Bereichen, sei es Aufklärung darüber, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, oder in Informationen über die Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit ein Kind in den Genuss von Fördermaßnahmen kommt“, informiert Unterleider. Ein weiterer Aspekt aber ist der Austausch der Eltern untereinander, deshalb wird am Donnerstag, 23. Februar, um 20 Uhr wieder ein Treffen für alle Interessierten im A-Gebäude der Schule auf der Aue angeboten, zu dem auch die LRS-Fachlehrerin Karin Garde-Eitel kommen wird. In Zukunft sind Vorträge über Dyskalkulie und die verschiedenen Lerntypen, in die Kinder kategorisiert werden können, geplant.

Weitere Informationen über die Selbsthilfegruppe und den Landesverband gibt es unter www.lvl-hessen.de/ortsgruppen.php.

Quelle: op-online.de

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