Wieder durch ruhige Fahrwasser

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Der Zweckverband ist in Münster präsent. 

Münster/Groß-Umstadt (sr) - Der Senio-Verband ist vieles: zunächst einmal die „Bad Bank“ der Seniorendienstleistungs-gGmbH „Gersprenz“, dann eine Immobilien-Holding, unter anderem für das Seniorenpflegehaus in Groß-Zimmern, auch Betreiber einer Seniorenpflegeschule, schließlich und vor allem der Rettungsring, den beteiligte Kommunen und Landkreis Darmstadt-Dieburg um das einst vom Untergang bedrohte „Gersprenz“-Schiff gelegt haben.

Jetzt hat die Verbandsversammlung in ungewöhnlich ruhiger Sitzung den Wirtschaftsplan für 2012 verabschiedet. .

Er lässt sich, um in nautischen Kategorien zu bleiben, so zusammenfassen: Durch ruhiges Fahrwasser zu neuen Ufern. Denn aus dem recht aufschlussreichen Zahlenwerk geht deutlich hervor, dass die „Gersprenz“ im operativen Geschäft seit 2010 keine Verluste mehr anhäuft. Dass ihre „Bad Bank“ über die Verbandsumlage weiterhin Schulen abträgt, hat mit einem komplizierten Rechnungsverfahren zu tun, das die Belastung für die kommunalen Haushalte auf fünf Jahre streckt.

Auch Groß-Zimmern gehört zu den Abzahlern. Die letzte Rate für die letzten „Miesen“ aus dem Jahr 2009 fällt gemäß dieser Systematik erst 2015 an.

Statt der ursprünglich anvisierten 7,5 Millionen letztlich 9,6 Millionen Euro gekostet

Bis dahin sinkt aber der Anteil des Verlustausgleichs am Gesamtbudget des Zweckverbands immer mehr. Größter Einzelposten ist schon jetzt die Immobilienwirtschaft. In einem rechtlich hoch sensiblen Verfahren hatte der Zweckverband vor Jahren alle Immobilien der maroden „Gersprenz“ übernommen – auch um sie vor einem etwaigen Konkurs in Sicherheit zu bringen. Das Geschäft hatte ein Gesamtvolumen von 13 Millionen Euro, auf die auch nicht wieder einbringbare Grunderwerbssteuer bezahlt werden musste.

Über den Zweckverband läuft auch die Finanzierung neuer Häuser – wie etwa das seit einigen Jahren in Betrieb befindliche Seniorenzentrum in Münster und das im März in Betrieb gehende Zentrum in Groß-Umstadt, das dann statt der ursprünglich anvisierten 7,5 Millionen letztlich 9,6 Millionen Euro gekostet haben wird.

Die „Gersprenz“ ist längst auf einen reinen Dienstleister geschrumpft worden, der Mieter der Senio-Immobilien ist. Dass sie auch für andere Investoren Dienstleister werden könnte, wird in jüngerer Zeit immer wieder mal diskutiert – bei der aktuellen Versammlung zwar nicht öffentlich, aber am Rande in Gesprächen mit der Presse. Selbst Hubert Keiber, Geschäftsführer der „Gersprenz“, hält die Ausdehnung der Geschäftsfelder auf ambulante Dienste für unausweichlich. Damit könnten dann auch Objekte in den Senio-Mitgliedsgemeinden Fischbachtal und Groß-Bieberau betreut werden, deren Bürgermeister bereits entsprechendes Interesse angemeldet haben.

Dass diese Ausdehnung ein sensibles Thema ist, weiß der Senio-Vorstandsvorsitzende und Groß-Umstädter Bürgermeister Joachim Ruppert, der selbst einen hervorragend funktionierenden ambulanten Pflegedienst auf diakonischer Basis in der Stadt hat. Da gelte es darauf zu achten, dass bestehende Strukturen nicht beschädigt werden, gab er im Gespräch mit der Presse zu bedenken.

Quelle: op-online.de

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