Gruppe von Leuten „im besten Alter“ trifft sich regelmäßig

Sich vorbereiten auf Senioren-WG

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Sie prüfen, ob sie es in einer späteren Zukunft einmal in einer Senioren-WG miteinander aushalten können: Die Gruppe „Zukunft geht uns alle an“ trifft sich regelmäßig im „Treviso“ in Münsters Globuspassage.

Münster - Um sich auf die eigene Zukunft im Seniorenalter richtig vorzubereiten, trifft sich eine Gruppe Bürger „im besten Alter“ bereits heute, um zu schauen, wie beispielsweise eine neue Wohn- und Lebensgemeinschaft für sie einmal aussehen könnte. Von Thomas Meier 

Dabei werden auch konkrete Szenarien wie Krankheit und Gebrechlichkeit genau durchgespielt. Das Motto lautet „Zukunft geht uns alle an“, wurde von Peter Christ ausgerufen und fiel schnell auf fruchtbaren Boden: Über ein Dutzend Mitstreiter fand der 60-Jährige, die sich mit ihm schon jetzt Gedanken machen über ihre Zukunft und die der anderen in ihrem Kreis. Sie können sich bereits lange vor der Rente vorstellen, sich später einmal in einer noch zu gründenden Wohn- und Lebensgemeinschaft wiederzufinden, wollen aber dann auch wissen, mit wem sie solche doch sehr vertrauliche Beziehung eingehen. Deshalb treffen sie sich jetzt bereits regelmäßig, lernen sich über einen längeren Zeitraum kennen und hoffen so, später einmal gut abschätzen zu können, mit wem man sich da in einer WG bindet.

„Zukunft plus – Lebensgemeinschaft im Alter“ lautete ein Slogan, unter dem sich die Gruppe vor einiger Zeit in Schaafheim gründete und jetzt in Münster zu expandieren versucht. Initiator Peter Christ, gelernter Schlossermeister, der in der JVA Dieburg arbeitet, zeigt gute Gründe für die Gruppe auf, sich bereits jetzt fürs Alter zusammenzuraufen: „Schon meine Frau und ich haben es nicht mehr geschafft, dass meine Mutter in ihren eigenen vier Wänden bleiben konnte“, berichtet er von einem einschneidenden Erlebnis. Als die Krankheit der Seniorin ständige Umsorgung und Pflege erzwang, hätten sie zwar einen schönen Platz für die Mutter gefunden, „doch leider waren sich dort alle unbekannt und hatten sehr unter Kontaktarmut zu leiden“. Und Christ führt ins Feld: „Ein Heimplatz kostet viel Geld und es geht ein schöner Teil des zuvor Erschaffenen verloren.“

Als er diese Gedanken beim 14-tägigen Treffen im Treviso in der Globuspassage ausspricht, erntet er viel Kopfnicken von den Gruppenmitgliedern. Auch sie haben Bedenken, im Alter ins Heim zu gehen, suchen bereits jetzt nach Alternativen. Und die von Christ eingebrachte Idee des frühen Kennenlernens gefällt ihnen. Doch Christ denkt noch weiter: „Betrachten wir mal unseren Wohnbereich und stellen uns vor, wir hätten überraschend einen Unfall, könnten nicht mehr laufen und seien an einen Rollstuhl gebunden.“ Allein diese Vorstellung sei schon beklemmend, doch wenn man sich solch Malheur gedanklich transferiert, sich vorstellt, wie sich so ein Unfall auf sein Lebensumfeld als 70-Jähriger auswirke, erfasse man eher die Lage, die einen im Alter schnell ereilen kann.

Die meisten würden wohl dann ein Problem mit dem reibungslosen Aufenthalt in ihrer bis dato unversehrten Lebensumgebung haben. Wenn die Wohnung nicht behindertengerecht ist, sei der Weg ins Heim schnell vorgezeichnet. Solchem Ungemach könne man indes entgegenwirken, wenn man es rechtzeitig einkalkuliere und vorbeuge, ist sich Christ sicher. Der Schlossermeister zeigt gar praktisch auf, wie sich eine früh zusammengefundene WG fürs gebrechliche Alter wappnen kann. Im Haus seiner Eltern in Münsters Mozartstraße baute er versuchsweise ein Schienenleitsystem ein, mit dem selbst Lahme in der Wohnung mobil bleiben, sich allein in Trageschlingen von Zimmer zu Zimmer bewegen können oder schlimmstenfalls von Mitbewohnern von A nach B bugsiert werden können.

Doch das ist wirklich schon sehr weit nach vorn gedacht, wenngleich die Mitstreiter eben dies so schätzen. Doch der Gruppenfindungsgedanke greift schon viel früher, eben in der Gegenwart. Die Gruppe im Alter von 45 bis 60 trifft sich, informiert sich, schaut sich gemeinsam Zukunftsweisendes an. „Wir diskutieren und notieren, machen gemeinsam Freizeit- und Erkundungstouren – und dies so lange bis wir wissen: Mit dem kann ich und mit dem will ich lieber nicht“, erklärt Christ. „Da wir bis dahin viele sind, die gekommen sind und von denen manche auch wieder gegangen sein werden, trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt der Vordenker: „Der Rest wird sicher eine harmonische Zeit miteinander verbringen dürfen.“

Dass solch ein Senioren-WG-Leben in den eigens hergerichteten vier Wänden günstiger werde, als andere Alternativen oder der Heimplatz, „freut sicher auch unsere Nachkommen“, sagt Christ in die Runde. Und die versichert auf Nachfrage, dass am Langzeitprojekt Interessierte stets willkommen sind. Diese wenden sich an Peter Christ, Tel.: 06071/33386.

Quelle: op-online.de

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