Thekla Hartmann ist erste Altheimer Kerbmudder

„Sie haben mich ganz lieb gefragt“

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Die Feuerwehr zog beim Umzug die Blicke mit einem Spritzenwagen von 1902 auf sich.

Nach Harpertshausen und Eppertshausen trat nun mit Altheim auch noch ein dritter Nachbar von Münster mit einer Frau zum Kerbspruch an – und drückte damit endgültig allen Traditionalisten den Stempel als verschlafene Hinterweltler auf. Von Michael Just

Von Freitag bis Montagabend wurde in Altheim Kerb gefeiert. In diesem Jahr fungierte der Eintracht Frankfurt Fanclub Münster-Altheim (EFC) als Ausrichter. Im dreijährigen Turnus wechselt er sich mit dem TSV und dem Feuerwehrverein ab. Allen drei Vereinen war in der jüngeren Vergangenheit die schwierige Suche nach einem Kerbvadder gemein.

Mit Jürgen Siebold wurde unter anderem schon ein Frack- und Zylinderträger aus Oberhessen rekrutiert, obwohl dieser Altheim seit Jahrzehnten den Rücken gekehrt hat. Mehrfach setzte sich Siebold am Kerbsonntag ins Auto und schenkte Altheim mit seinem Bart einen optisch perfekten Kerbvadder, der sich im Vorfeld auch die Mühe gemacht hatte, eine vortreffliche Rede zu schreiben. Die Ereignisse im Münsterer Ortsteil wurden ihm zuvor telefonisch oder per Post übermittelt.

Dieses Jahr ging der EFC mit dem Einsetzen von Kerbmudder Thekla Hartmann einen neuen Weg. Fündig wurde man in der eigenen Theatergruppe. In der ist die 32-jährige Physiotherapeutin als Mimin aktiv. Darüber hinaus gilt sie als sympathisch, aufgeschlossen und dem Dialekt mächtig. „Sie haben mich ganz lieb gefragt und ich habe ‘ja’ gesagt. Das ist schließlich eine Ehre für mich“, hob die Kerbmudder hervor.

Ihr fiel nur der Vortrag zu, um das Schreiben kümmerte sich ihr Vater Otto Myrczek. Für den EFC griff er an Kerb schon öfter zur Feder. Myrczek dürfte seinen Augen nicht getraut haben, als er plötzlich seine Tochter am Mikrofon und mit Weinglas in der Hand sah. Ihr Auftritt wurde bis zuletzt von den Verantwortlichen geheimgehalten. Insgesamt hatte Hartmann acht lustige Begebenheiten aus Altheim in den vergangenen Monaten parat. Für ihr Wirken erntete sie von vielen Zuhörern ein dickes Lob.

Dem Kerbspruch war der aus elf Nummern bestehende Umzug vorausgegangen. Einen kleinen Dämpfer musste der EFC hinnehmen. Ausgerechnet das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Altheim musste seine Teilnahme absagen. Der Grund: personelle Probleme aufgrund der Herbstferien. Das Fehlen der Musiker gab es in den vergangenen Jahren nicht. Mit einem Alleinunterhalter fand man insoweit Ersatz, dass die Kerbmutter nicht ohne musikalische Untermalung dastand.

Auch ohne das Blasorchester konnte der EFC mit seinen rund 130 Mitgliedern auf eine gelungene Kerb blicken. Die begann für die Fußball- und Theaterfans bereits am Freitagabend mit dem Einläuten des Festwochenendes. In einer lokalen Gaststätte ließ Horst Schiller die zurückliegenden 40 Jahre der Kirchweih anhand von Bild- und Videomaterial Revue passieren. „Die einstündige Zeitreise, eingeteilt in drei Blöcke zu je 20 Minuten, war einfach fantastisch“, befand Klaus Damm, stellvertretender Vorsitzender des EFC.

Altheimer feiern Kerb

Zum erfolgreichen Gesamtresumee der Kirchweih trug, neben dem weiblichen Kerbvadder, bei, dass es nach fast 15 Jahren wieder Kerbburschen und -mädchen in Altheim gab. Zuvor behalfen sich die Ausrichter stets mit den Kerbburschen aus dem benachbarten Harpertshausen, was sich als wenig rühmlich erwies. „Als wir auf der Kleestädter Kerb waren, wurde uns klar, das wir etwas machen müssen“, erklärte der 19-jährige Nick Sulzmann, der zur neuen Altheimer Garde gehört. So kam ein bunt gemischter Freundeskreis von rund zehn männlichen und weiblichen Personen zwischen 17 und 19 Jahren zusammen. „Innerhalb von drei Wochen haben wir dann einen Wagen samt Musik-Anlage, T-Shirts und Sachen zum Auswerfen für den Zug organisiert“, ergänzte er. 2018 will die Gruppe erneut die Kerb unterstützen und damit jene Jahrgänge ersetzen, die sich im Ort partout nicht finden lassen.

Als Pfarrer Ulrich Möbus die jungen Aushängeschilder der Kerb am Sonntag sah, war er gleichermaßen verwundert wie angetan: „Seit ich in Altheim bin, habe ich noch nie Kerbburschen und -mädchen gesehen. Und ich bin schon länger da.“ Er ließ die Gruppe wissen, dass er sie 2018 am Kerbwochenende auch im Gottesdienst erwartet. Schließlich habe das Fest religiöse Wurzeln. Gerne dürfte man dann auch den Kerb-Stoffel mitbringen. „Die Kerbpuppe im Gottesdienst habe ich schon andernorts gesehen. Das soll und darf hier genauso sein“, sagte Möbus. In diesem Jahr verfügten die Kerbburschen und -mädchen noch über keinen Stoffel. Das werde sich laut deren Aussage 2018 ändern. Dann sollen mehrere Kerbtraditionen in Altheim wieder auferstehen, um die sich die Gruppe kümmern will.

Quelle: op-online.de

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