Wolken überm Silvesterhimmel

Seit Bestehen des Silvester-Balls dabei: Die Happy-Singers.

Münster - Bemüht man die Suchmaschinen im Internet und schaut auf die Treffer, die sich beim Stichwort „Silvester-Ball“ in der Region ergeben, ist das Ergebnis enttäuschend. Von Michael Just

Es lassen sich so gut wie keine Vereine, Kommunen oder sonstige Veranstalter finden, die zum Jahresende eine Ausrichtung mit Musikkapelle und Buffet stemmen wollen. Doch es gibt eine kleine, rühmliche Ausnahme: Die Freie Sportvereinigung Münster.

Ihr Silvester-Ball, der einst in der eigenen Halle neben dem Sportplatz begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Mittlerweile ist die Veranstaltung für viele zu einem jährlichen Pflichttermin geworden. In gediegener Atmosphäre feiert das Publikum jenseits der 50 Jahre in der Kulturhalle ins neue Jahr. Am Montag fand der Ball mit rund 250 Besuchern zum 32. Mal statt. Die Zahl zeigte sich diesmal als etwas geringer, da 2011 ein neuer Caterer aus Groß-Umstadt die Besucher nicht gänzlich zufrieden stellte. Der FSV reagierte und wechselte 2012 zu einer Metzgerei mit angeschlossenem Partyservice in Münster, um so wieder in gänzlich zufriedene Gesichter zu blicken.

Wie schon zuvor kam ein Großteil der Gäste aus der Umgebung. „Wir hätten höchstens privat feiern können“, sagt Herbert Blickhan (61) vom Babenhäuser Kegelclub „Quasselbande“. Der rückte mit zehn Mitgliedern an. „Ob Musik oder Atmosphäre – es ist locker, stimmig und gut durchorganisiert“, führt die Gruppe fast im Gleichklang an. Seit sechs Jahren kommt der Freundeskreis, nicht zuletzt deshalb, um am Silvesterabend zuhause keine Arbeit zu haben.

So denken mittlerweile auch viele FSV-Mitglieder. Trugen die früher reichlich Kuchen und Salate zum Buffet bei, macht das heute der Partyservice mit. Verließ sich der Vorstand einst auf eine große Zahl von Helfern, die ganz am Anfang noch liebevoll die FSV-Halle schmückten, sind heute gerademal noch 15 Aktivisten im Einsatz. Wie überall stehen die meisten Mitglieder lieber vor als hinter der Theke. So kommen die Bedienungen beim Silvesterball mittlerweile von einer Kellnervereinigung. Als rühmliche Ausnahme zeigt sich die Damengymnastik, die am Morgen des Neujahrstag zum Spülen anrückt.

Für den FSV-Vorsitzenden Hans-Peter Samoschkoff eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Mehr Sorgen macht ihm derzeit allerdings die leere Gemeindekasse von Münster. Die führt nämlich zu einer drastischen Erhöhung der Nutzungsentgelte für die lokalen Hallen. Die Leidtragenden sind die Vereine. „Derzeit steht die Frage im Raum, ob wir uns den Silvesterball oder die Fastnacht in Zukunft noch leisten können“, sagt Samoschkoff und beschreibt die Entwicklung als schmerzlich. Schließlich habe der FSV ein großes Vereinsgelände zu unterhalten. Da schmerze jeder zusätzlich auszugebende Euro. Auf den derzeitigen Kartenpreis von 48 Euro für den Silvesterball wird man seiner Meinung nach nicht mehr viel draufschlagen können. Hier sieht sich der FSV-Vorstand mit vielen anderen Vereinsvorsitzenden in Münster in einem Boot, dass man mit den Erhöhungen die einheimische Kultur kaputt macht.

Tanz, Buffet und eine gediegene Atmosphäre sind die Aushängeschilder des Silvesterballs in Münster.

Die meisten Gäste des Silvesterballs genossen trotz der dunklen Wolken am Himmel den Rutsch ins neue Jahr. Das galt auch für „Happy Singers“ und damit die Musiker auf der Bühne. Sie gehören zu den Hauptargumenten für einen Besuch auf dem Ball. Kaum zu glauben ist, dass die Happy-Singers seit Entstehen des Fests dabei sind. Da kommt die Frage auf, ob es nicht Jahre gab, in denen man gerne mal nicht auf der Bühne ins neue Jahre gerutscht wäre. Bassist Helmut Gruber verneint: „Wir kennen fast alle Leute hier, darunter sind viele Freunde und Bekannte. Man ist gemeinsam alt geworden“, sagt er schmunzelnd. Wie der Vollblutmusiker anführt, habe es Alternativen gegeben, woanders aufzutreten. Keine Musik an Silvester zu machen hätte aber nie im Raum gestanden. „Wir bleiben unseren Veranstaltern treu. Deshalb sind wir jetzt schon seit über 30 Jahren in Münster“, sagt der Mann aus Semd.

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Quelle: op-online.de

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