Sitte und Anstand mit Macht fördern

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Die Ehrung langjähriger Mitglieder oblag beim Brunnenfest Bürgermeister Walter Blank und Vorsitzendem Günter Willmann

Altheim - „Bildung und Veredlung des Gesangs auf kirchlichem und weltlichem Gebiet“, dies war das Ziel des neuen Vereins, den 63 Männer am 29. November 1863 im beschaulichen Altheim aus der Taufe hoben. Von Ursula Friedrich

Heute, 150 Jahre später, gibt es den Männerverein (MGV) immer noch. Moderner, im neuen Gewand, das den Gedanken der Gründungsväter „durch die Macht des Gesangs Anstand und Sitten zu fördern“ vielleicht eher an die Peripherie verbannt hat; andere Ideale jedoch bis heute mit Leben füllt.

Großen Beifall gab es fürs Brunnenfest-Programm.

„Die Freude am Gesang und die Geselligkeit sind von jeher Markenzeichen der MGV-Chöre“, sagte der Ehrenvorsitzender Karl Schober anlässlich des 150-jährigen Bestehens. Und die Vereinsspitze, Monika Klein-Obeth und Günter Willmann, charakterisieren das Vereinsleben als ein Wirken zwischen Tradition und Moderne.

In diesem Licht glänzte auch das zweitägige Brunnenfest zum 150. Geburtstag am Gustav-Schoeltzke-Haus. Mit der Band Party-Circus, Odenwälder Mund-Art (Horsch emol), viel guter Laune und Gastronomie wurde der Samstag Abend gefeiert.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst, an dem der katholische Kirchenchor Cäcilia Münster mitwirkte, schloss sich am Sonntag das muntere Festtreiben am Schoeltzke-Haus an. Der Spagat zwischen Tradition und Moderne – auch hier ein sichtbares Phänomen, setzte sich fort. Mit Lemon-Fis, der modernen, rund 20-köpfigen Formation unter Leitung von Patrick Lagerpusch, ging es weiter im Nachmittagsprogramm. Der fulminant angestimmte Klassiker „It´s raining men“ der Weather Girls hatte sich leider bewahrheitet und es tropfte auf die Zeltplanen, welche die feiernde Gemeinde beschirmten.

Der gemischte Chor des MGV unter Leitung von Andreas Mohrhard kam im Anschluss auf die Bühnenbretter. Seine Existenz bescheinigt eine rasante Entwicklung, die im vergangenen Jahrhundert nicht nur Altheim erfasste: der Fall des Kulturmonopols Männerchor durch weibliche Mitstreiter. „Schon 1963 gab es den ersten Auftritt des gemischten Chors“, erzählt MGV-Chef Günter Willmann. Die Eroberung der Bühnenbretter durch Frauen war hier eher unspektakulär und herzlich willkommen. Und würde man heute auf die (23) Frauen verzichten, könnten die sechs Männer des MGV Chores dienstags nach der Probe kaum noch den Stammtisch füllen, der ein unerlässlichesBeiwerk des Chorgesangs ist.

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Geselligkeit und Miteinander werden jenseits der Probenräume von jeher kultiviert. Tanzveranstaltungen, Fastnachtstreiben, ja sogar Theateraufführungen, Kinderfastnacht und, seit 2000, das beliebte Brunnenfest, interne Ausflüge und mehrtägige Touren prägen das bunte Vereinsleben. Diese ansprechenden Aktivitäten hatten vor 50 Jahren sehr viele Vereinseintritte zur Folge – wie die Ehrung am Nachmittag zeigte. Etliche Altheimer waren dem Verein nach der fulminanten 100-Jahr-Feier beigetreten, „dabei habe ich nie gesungen“, so Jubilar Wolfgang Wagner.

Für 50 Jahre treue Mitgliedschaft ehrten Günter Willmann und Rathauschef Walter Blanck Adam Funck, Wolfgang Wagner, Werner Gondolf, Wilhelm Appel, Helmut Blickhan und Gisela Eckert. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde die ehemalige Vorsitzende Sigrid Becker (2005-11) geehrt. Bereits 60 Jahre halten Herbert Hackel, Ludwig Seib und Georg Jäger dem MGV die Treue. Für ihren besonderen Einsatz in Chor und Vorstand wurden Karl Rossmann und Klaus Damm in den Stand von Ehrenmitgliedern erhoben.

Bereits im September gibt es einen weiteren Höhepunkt im Jubeljahr: Das Jubiläums-Chortreffen wird am Wochenende des 21. und 22. September mit 14 Chören in der Sport- und Kulturhalle Altheim gefeiert.

Wer Lust hat, klassische oder moderne Chorliteratur im Kreis der MGV-Chöre mitzusingen, ist herzlich willkommen. Kontakt: Monika Klein-Obeth, 06071/ 38078, oder Günter Willmann, 06071 /32833.

Quelle: op-online.de

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