Kunst in der Bücherei

Der Titel bestimmt das Gemälde

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Sie hängen in luftiger Höhe über den Regalen oder über den Computern an der Ausleihe: Kunstwerke bereichern nun die Bücherei Münster. Hans-Peter Schmücker (zweiter von links) präsentiert seine Bilder in der Bücherei.

Münster - Sie hängen in luftiger Höhe über den Regalen oder über den Computern an der Ausleihe: Kunstwerke bereichern nun die Bücherei Münster. Von Michael Just 

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ In letzter Zeit ist dieser Ausspruch oft dann zu hören, wenn mit einem Augenzwinkern bei bestimmten Kunstwerken die Frage aufkommt, ob Kunst von Können abstammt. Bei Hans-Peter Schmücker kommen Zweifel in dieser Richtung nicht auf: Die öffentliche Bücherei in Münster freut sich, seine Werke zeigen zu dürfen, dazu zeugen diese von Ausdruckskraft und reichlich Sinn für die Motivwahl.

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Bilder schmücken nun die Bücherei

Am Mittwochabend wurde die Ausstellung des Marktbereichsdirektors der Sparkasse im Beisein zahlreicher Gäste, darunter Norbert Schewe in Vertretung der Gemeinde, sowie Büchereileiterin Jasmin Frank, eröffnet. Das Besondere: Die Präsentation von Kunst in der Bücherei ist neu und stellte damit eine Premiere dar. Die Idee hatte Jasmin Frank, die in den letzten Monaten die Bücherei immer wieder durch besondere Aktionen ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Wie sie sagt, habe man für Gemälde durchaus noch Platz, zum Teil seien auch alte Bilder und Plakate abgehängt worden. „Die Bücherei wird damit aufgewertet, Räume und Architektur rücken in den Blick“, so die passionierte Leiterin. Wie sie ergänzt, passten Kunstwerke ohnehin sehr gut hierher, da die Bücherei ein Kulturträger, ein Bildungspartner sowie ein sozialer Treffpunkt mit ihren 900 aktiven Lesern darstellt. Dazu profitierten sowohl Künstler als auch Bücherei von einer solchen Schau. Die zehn Bilder von Schmücker sind über mehrere Räume verteilt und verlangen durchaus ein klein wenig Entdeckergeist, sie alle ausfindig zu machen. Sie hängen zum Teil in luftiger Höhe über dem Bücherregal, an anderer Stelle über dem Computer für die Ausleiheformalitäten. Allen Arbeiten ist gemein, dass sie ins Auge stechen und durch Farbe oder Motive neugierig machen. Jedes Bild ist anders, mal abstrakt, dann wieder komplett gegenständlich, so dass der Münsterer, der seit 17 Jahren in der Gemeinde wohnt, sich keiner Kunstrichtung zuordnen lässt. „Ich gehe meinen eigenen Weg“, sagt der 53-Jährige, was auch der Name seiner Homepage mit dem Titel „Vielfaltspinsel“ verdeutlicht.

Beim Betrachter etwas auslösen

Dass der Künstler viel liest wird vor allem daran deutlich, dass er „das Wort“ seinen Arbeiten voranstellt. Das heißt: Erst wird der Titel gesucht, dann zum Pinsel und den Acryl- oder Ölfarben gegriffen. Oft Worte oder Auszüge von Gedichten auch in geschriebener beziehungsweise gemalter Form Einzug in die Bilder. Das verdeutlicht jenes Werk, das die Forderung des bekannten Dichters Rainer Maria Rilke untermalt, dem Älterwerden eine positive Seite abzugewinnen.

Der Münsterer, der abends, am Wochenende und in den Ferien malt, möchte mit seinen Bildern Raum für Interpretationen schaffen. Im Gehirn des Betrachters soll etwas ausgelöst werden – das große Rattern ist erwünscht. Dafür wird mit Symbolik gearbeitet, in dem sich Wege öffnen und verengen, Sterne oder blaue Wasser etwas von Unendlichkeit haben oder Jugend und Schönheit dem Tod gegenüberstehen. Stets freut es den Maler, wenn Menschen etwas in seinen Bildern erkennen, was er noch nicht sah – oder er im umgekehrten Fall mit persönlichen Gedanken ebenfalls für Überraschungen sorgt. Dann wird laut Schmücker das Wesen von Kunst getroffen, die immer lebendig und niemals festgelegt ist.

Die Bilder von Hans-Peter Schmücker werden ein halbes Jahr die Bücherei zieren. Wer mehr von ihm sehen will, hat dazu im Oktober die Gelegenheit, wenn in der Säulenhalle in Groß-Umstadt eine große Präsentation seiner Werke ansteht.

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