Lärmbelästigung an der Gersprenz

„Sogar Pferde zu Bade geführt“

+
Eine neue Verweilstätte neben einem Informationsschild spendierten Land und Wasserverband dem Teilstück an der renaturierten Gersprenz in Münster. Anlieger klagen, hier würden laute Partys und Trinkgelage gefeiert.

Münster - Einen sich auf einem Baumstumpf an der Gersprenz nahe der vor zwei Jahren installierten Fischtreppe niedergelassenen Reiher bildeten wir kürzlich an dieser Stelle ab. Von Thomas Meier

Die Idylle trügt – zumindest aus Sicht einiger Anlieger. Sie beklagen Lärmbelästigung durch Hunde und Partys.

Doch die scheinbare Idylle an für über 600.000 Euro renaturiertem Gewässer ist trügerisch: Noch immer rumort es bei einigen Anliegern an der Heinrich-von-Kleist-Straße, die bereits im August 2012 einen geharnischten Protestbrief an die Gemeinde Münster, die Untere Wasserbehörde in Erbach und den Naturschutzbund, Kreisverband Dieburg, formuliert hatten (wir berichteten ausführlich). Sie fühlten sich bei der Projektplanung übergangen und fürchteten Lärmbelästigung, verursacht von Spaziergängern mit ihren Hunden. Weil im Zuge der Renaturierung etliche Bäume gefällt und Buschwerk entfernt werden mussten, pochten sie auf baldige Neuanpflanzung, außerdem wollten sie Geschwindigkeitsbegrenzungen an der nahen Hauptstraße durchgesetzt wissen. Der Bürgermeister intervenierte, versprach Gespräche mit den Anwohnern zu führen und sich dafür einzusetzen, dass Ruhe um die renaturierte Gersprenz einkehre.

Lesen Sie dazu auch:

„Kinder- und Hundebadeanstalt“

Winfried Wilhelm aus der Kleist-Straße nahm unser Reiher-Bild nun zum Anlass, auf seine Sicht der Dinge hinzuweisen. Keinesfalls seien die direkten Anlieger gegen die Renaturierung der Gersprenz: „Im Gegenteil, auch wir erfreuen uns an der Natur mit ihrer Vogelwelt.“ Doch sowohl Reiher als auch „anwatschelnde Wildgansfamilien“ ließen sich nur sehen, wenn auch Ruhe herrsche. Wilhelm: „Leider wurden durch das Entfernen des Baum- und Buschbestandes auch eine Vielzahl von anderen dort einst nistenden Vogelarten vertrieben.“ Entschieden seien die Anlieger aber „gegen die seitdem zeitweise erheblichen Lärmbelästigungen“. Sie würden hervorgerufen durch Trink- und Feiergelage an einer neu aufgestellten Bank. Das Areal gleiche zudem einer „Badeanstalt ohne Beaufsichtigungspersonal“. Insbesondere das permanente Gebell von Hunden, die „nicht ins Wasser gehen, aber Stöckchen holen sollen oder wollen“, störe empfindlich („Wir sind keine Hundehasser. Fast jeder zweite Anlieger hat selbst einen Hund.“). Auch der Straßenlärm, der zuvor fast nicht zu hören gewesen sei, störe heute wegen des abgeholzten Buschwerks empfindlich.Wilhelm erinnert an Forderungen aus dem Protestbrief von 2012. Man möge das Areal (etwa 150 Meter einst begradigter Gersprenz wurden renaturiert) als Landschaftsschutzgebiet mit Hinweis-, Gebots- und Verbotsschildern ausweisen: „Für Fahrzeuge gesperrt“ etwa, denn sogar „Lastkraftwagen parkten mittlerweile am Gersprenzlauf“.

Naturschutzbund beringt Störche in Münster

Naturschutzbund beringt Störche

Auch „Hunde sind an der Leine zu führen“ möge man ausschildern, denn freilaufende Vierbeiner machten Jagd auf Wildgänse. Und wichtig sei das Schild: „Betreten der Gersprenz verboten“. Weil: „Mittlerweile werden sogar Pferde zu Bade geführt,“ erklärt Wilhelm. Weitere Vorschläge für eine Beschilderung: „Nur gucken, nicht stören“ oder „Keine Liegewiese!“. Die Forderungen der Anliegerschaft seien bis heute „in keinster Weise“ erfüllt worden, beklagt Wilhelm. Ledigleich der Hinweis „Eine Störung dieser Bereiche durch Betreten der Anlage sollte im Interesse der Natur vermieden werden“ sei nun auf einer Infotafel zu lesen. Bürgermeister Walter Blank habe vor zwei Jahren versprochen, zu einem ausführlichen Gespräch mit allen Beteiligten – Gemeinde, Wasserverband und Naturschutzbund – einzuladen. Dies sei bis heute nicht geschehen. Wilhelms Resumee: „Aus dem Verhalten kann man schließen, dass die direkten Anlieger nicht nur weniger als die Vögel, sondern nicht mal eine Antwort wert sind.“ Hierzu eine Randnotiz

Quelle: op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare